Heinz Rudolf Kunze — Längere Tage

Oh, es gibt was Neu­es von Heinz Rudolf Kun­ze. Und nach­dem ich dem Meta­phern­über­schwang Kun­zes der letz­ten paar Jah­re (“Die Welt ist Pop”) wenig abge­win­nen konn­te, bin ich doch sehr ange­tan vom neu­en Stück.

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Chris Böttcher — 10 Meter gehn

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Lycos Europe: Das Bertelsmann-Debakel

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Es wur­de immer­hin heu­te mehr über Lycos gere­det als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Lycos Euro­pe wird in die Inter­net­ge­schich­te ein­ge­hen als ein Witz der Dot-Com-Boom-Phase. Und um es gleich zu sagen, es ist heu­te sehr schlimm für die Mit­ar­bei­ter. Von denen habe ich gehört, dass man inten­siv am und im Unter­neh­men arbei­te und es wur­de wie­der und wie­der das gute Kli­ma im Unter­neh­men gelobt. Es gibt gute Grün­de, den Unter­gang von Lycos als scha­de zu bezeich­nen. Auf Chris­toph Mohn möch­te ich nicht rum­hau­en, das wer­den ande­re zur Genü­ge tun.
Was aber zum Ende von Lycos Euro­pe auch fest­ge­hal­ten wer­den kann, ist, und dafür ist Mohn sicher irgend­wie ver­ant­wort­lich, wenn auch nicht allein, dass die alt­her­ge­brach­te Bertelsmann-Strategie gefloppt ist: Der Gedan­ke, Kun­den vor­zu­set­zen, was die kau­fen sol­len (was in den 90ern im Inter­net noch klapp­te), anstel­le den Kun­den aufs Maul zu schau­en, und deren Inter­es­sen mit ade­qua­ten (Internet-)Diensten zu unter­stüt­zen. Sowas mag im Buch­club funk­tio­nie­ren, im Inter­net eben nicht. Ber­tels­mann hat im Inter­net, soweit ich weiß, nie Erfolg gehabt. Lycos ist da wohl nur der­zeit die Spit­ze des Eis­bergs. Mag ich mit der Ein­schät­zung auch voll dane­ben lie­gen, wir haben es hier mit einem der­ben Image­scha­den für Ber­tels­mann und die Mar­ke Lycos zu tun.

Dabei hat­ten sie durch­aus Chan­cen. Der Lycos-Chat hat vor eini­gen Jah­ren genau die Nut­zer ange­spült, die so heiß umkämpft gewe­sen sind: Jun­ge, dyna­mi­sche Leu­te, die mit­ein­an­der in Kon­takt tre­ten woll­ten, auf durch­aus anspruchs­vol­le Wei­se. Der Lycos-Chat unter­schied sich von allen ande­ren durch Din­ge, die Diens­te wie Twit­ter auch ver­wen­den, und die damals neu waren: Ein direk­tes Mit­tei­lungs­sys­tem, eine eige­ne Dar­stel­lungs­sei­te, Sta­tis­ti­ken über Benut­zer, die die eige­ne Sei­te anschau­ten. All das, was für vie­le StudiVZ-Nutzer Neu­land bedeu­te­te.

Und was mach­te Lycos? Man ver­such­te den Chat zu mone­ta­ri­sie­ren. Nut­zer soll­ten Geld bezah­len für die Sta­tis­ti­ken und ande­re Eigen­schaf­ten des Sys­tems. Und was mach­ten die Nut­zer? Sie sag­ten in Scha­ren Lycos Lebe­wohl. Sie lie­ßen sich nicht das andre­hen, was schein­bar auch kos­ten­los zu krie­gen sein kann. Lycos hat eine erfolg­ver­spre­chen­de Idee leicht­fer­tig zum Ver­such des Mone­ta­ri­sie­rens aus der Hand gege­ben. Ein Ver­such, der schon zuvor oft genug geschei­tert war. Das müss­te das sein, was Mohn ver­ste­hen müss­te, wenn er sagt Lycos habe es nicht geschafft, sei­ne Diens­te zu mone­ta­ri­sie­ren. Weil nie­mand dar­auf geschaut hat, wer die Groß­zahl poten­ti­el­ler Kun­den ist und was die wohl inter­es­siert, wenn klar ist, dass man denen nicht irgend­was zum Bezah­len aufs Auge drü­cken kann. Mohn hat im letz­ten Jahr aus­ge­ru­fen, man wol­le nun auf web2.0-Strategien bau­en. Davon ist nichts geblie­ben. Statt­des­sen trat zeit­gleich Twit­ter sei­nen Sie­ges­zug an — mit Stra­te­gi­en, die bei Lycos nach 12 Jah­ren im Inter­net­ge­schäft längst bekannt sein hät­ten müs­sen.

Müs­sen. Aber auf die­se und diver­se ande­re Manage­ment­feh­ler ist wohl zurück zufüh­ren, dass von den 672 Mil­lio­nen Euro aus der Dot-Com-Boom-Phase noch etwa 140 übrig geblie­ben sind. Das ist ein Minus von 500 Mil­lio­nen €. Und auch wenn es aus Grün­den der Umrech­nung nicht mehr nötig ist, so las­sen sie sich die Zahl doch noch ein­mal auf der Zun­ge zer­ge­hen: Eine Mil­li­ar­de DM.

Und damit Schluss für’s Ers­te. Auf zu neu­en Ufern, lie­be Lyco­sia­ner. Jedem neu­en Anfang wohnt ein Zau­ber inne.

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edit: Mohn sagt in einem ers­ten State­ment, man habe nicht mit Goog­le mit­hal­ten kön­nen. Das stimmt sicher­lich, aber war das denn der Geg­ner? Oder war man nicht viel­mehr selbst sein größ­ter Geg­ner?

Und wo ich “rum­ha­cken” schrei­be, für sowas fin­det sich immer jemand.

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Live — Lightning crashes

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Der Weltuntergang

Alles begann mit einer Pres­se­mit­tei­lung in der letz­ten Woche…

Irgend­wann muss­te es halt mal sein. Ewig wür­de sich die Welt nicht hal­ten, davon hät­te man nicht aus­ge­hen kön­nen. Die Mit­tei­lung mach­te in Twit­ter schnell die Run­de:

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Wer jetzt kein Haus hat­te, der bau­te sich kei­nes mehr. Unter­schlupf wur­de aber wei­ter­hin gesucht:

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Der­weil warf das Unheil ers­te Schat­ten:

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… und hek­tisch wur­den die letz­ten Din­ge gere­gelt…

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Ja, aber nur weil da jemand den Hape macht, lässt sich der Wel­ten Lauf doch nicht auf Ter­min­ver­schie­bun­gen ein.

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Nein, nein, der Welt­un­ter­gang war wei­ter­hin für den mor­gi­gen Tag vor­ge­se­hen, auch wenn man im Rhein­land schon auf­plus­ternd anfing zu strei­ten, wo das Event sei­ne Erst­auf­füh­rung haben soll­te.

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Nicht ein­mal in Zei­ten des Unheils wird man Rhein­län­der zusam­men­schwei­ßen kön­nen. Aber noch war nichts gesche­hen, noch konn­te man die alte Welt gebüh­rend ver­ab­schie­den. Noch konn­te man in Ruhe kon­sta­tie­ren:

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Eine gewis­se Span­nung unter den Twit­te­rern konn­te aber nicht abge­strit­ten wer­den, das Unheil nah­te schließ­lich. Zeit für letz­te Vor­be­rei­tun­gen :

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Leich­ter gesagt als getan…

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Und dann war es lang­sam soweit. Das Licht wur­de gedimmt…

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… die letz­ten Pro­ben waren abge­schlos­sen …

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… und die ers­te Begeis­te­rungs­stür­me waren zu hören, als der Vor­hang gelüf­tet wur­de und das Schau­spiel begann:

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Wäh­rend eini­ge noch ungläu­big wirk­ten…

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Wur­de er andern­orts schon klar iden­ti­fi­ziert:10

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Ja und wie war er nun, der Welt­un­ter­gang?

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Also eher ent­täu­schend? Naja, was hat man denn auch erwar­tet? In Zei­ten der Finanz­kri­se hat Petrus auch kei­ne Kapa­zi­tä­ten mehr für so einen umwer­fen­den Welt­un­ter­gang mit allem Pipa­po, da muss man sich auch ein­mal mit weni­ger zufrie­den geben. Oder eben trick­sen…

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Naja, sooo kann ich das auch.

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The Cranberries — Animal instinct

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Man müsste was unternehmen

Immer wenn ich nach Bie­le­feld fah­re, blei­ben mir etwa 20 Minu­ten am Bahn­hof, bevor es für mich wei­ter­geht. Und als ob Bie­le­feld bei nas­sem, düs­te­rem Wet­ter nicht schon ernüch­ternd genug wäre, ist am Haupt­bahn­hof ziem­lich wenig los. Wenn es kalt ist, zieht es mich ent­we­der in die Thalia-Buchhandlung dort oder in den McDonald’s. Bei­des kei­ne Wahl par excel­lence, aber da drin ist es halt warm.

Heu­te nun stie­fel­te ich wie­der die Bahn­hof­s­trep­pe hoch, durf­te mich auf der Anzei­ge­ta­fel am Ein­gang davon infor­mie­ren las­sen, dass mei­ne Anschluß­stadt­bahn geraaa­de weg­ge­fah­ren ist und schlug schlur­fend den Weg zu McDonald’s ein. Und wie ich so schlurf­te über­hol­te mich links eilig ein etwa 10cm grö­ße­rer Mann im dunk­len Man­tel, wehen­den Schals das ame­ri­ka­ni­sche Bil­lig­es­sen­pa­ra­dies erobern wol­lend. Er erreich­te gut 20 Meter vor mir die Ein­gangs­tü­ren des Bur­ger­ver­ti­ckers, drück­te sich — den Schwung mit­neh­mend — auf­bäu­mend gegen die eiser­nen Tür­schlau­fen und hops­te abge­wie­sen wie­der zu Boden. Er drück­te ungläu­big noch­mal, aber die Tür gab wie­der nicht nach. Er stell­te sei­nen Akten­kof­fer ab und schob sei­nen Stoff­hut mit Rips­band etwas nach oben. Er drück­te — nichts. Die Tür blieb zu. Ungläu­big schau­te er zu den grob­mo­to­ri­schen Tablett­trä­gern im Innern des Restau­rants, dann wie­der auf die Tür, drück­te die lin­ke Tür eben­so erfolg­los, ver­setz­te dann dem Tür­griff einen Schlag mit der Hand und brüll­te laut­hals:
“So eine Schei­ße!”

In die abrup­te auf­ge­kom­me­ne Stil­le rund um den Ein­gang war jetzt die Fra­ge getre­ten, ob man eine schnel­le Kehrt­wen­de voll­zieht und ein­fach den ande­ren Ein­gang an der Stra­ße nimmt oder ob man der Din­ge harrt, die da kom­men wer­den. Aber bevor ich mir über­haupt eine Mei­nung bil­den konn­te, hat­te sich der Tür­schub­ser auch schon umge­dreht und schau­te mich wut­schnau­bend an: “Alles läuft hier falsch! Es ist zum Kot­zen! Nichts funk­tio­niert in Deutsch­land! Es ist alles kaputt! Und dann kommt die Mer­kel und wirft Geld aus dem Fens­ter! Jaaa, daaaaa­für ham­se Geld. Aber unser­eins muss sehen, wo er bleibt. Aber es sagt ja nie­mand was. Sie sagen ja auch nichts.”

Ich nick­te im Geis­te.

Und die, die es könn­ten, die machen nichts. Und dann die Lin­ken! Es ist doch alles lächer­lich. Lächer­lich ist das! Man darf gar nicht drü­ber nach­den­ken. Man regt sich nur auf! Das könn­te denen so pas­sen, ja das könn­te denen so pas­sen. Aber nicht mit mir. Nicht mit mir! Da muss man doch was unter­neh­men! Eine ganz gro­ße Schei­ße ist da am Lau­fen!”

Ich harr­te ihn an.

Achhrrr” sag­te der Wut­mensch, zog sei­nen Hut etwas mehr ins Gesicht, warf mir eine weg­wi­schen­de Hand­be­we­gung zu, schnapp­te sich sei­nen Akten­kof­fer und schritt von dan­nen. Und damit ermög­lich­te er mir die freie Sicht auf die zwei klei­nen Schil­der, die an bei­den Türen mit­tig ange­bracht waren: “Zie­hen.”

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