Verollet, Mischa-Sarim — Das Leben ist keine Waldorfschule

Nach Kant hat rich­tig gute Kunst immer auch für den Betrach­ter das Authen­ti­sche, das Für­wahr­hal­ten, das Irri­tie­ren­de, nicht den Gegen­stand als etwas Erküns­tel­tes zu erken­nen, an sich.

Und genau damit habe ich auch bei Mischa-Sarim Vérol­lets Buch Das Leben ist kei­ne Wal­dorf­schu­le zu kämp­fen. Als rei­nes Lite­ra­tur­ob­jekt fällt es bei mir durch. Das Buch ist wenig über­ra­schend, sprach­lich okay, aber nicht umwer­fend, es bleibt immer auf dem­sel­ben Niveau, es bewegt den Leser nicht in sei­nem Inners­ten und sowas. Aber das Buch soll ja auch gar nicht rei­nes Lite­ra­tur­ob­jekt sein. Was dann?

Vérol­let ist in lite­ra­ri­scher Hin­sicht Slam Poet, das bedeu­tet, sei­ne Tex­te erweckt er durch Dar­stel­lung vor Publi­kum zum Leben. Ihn daher in der oben ange­deu­te­ten Linie zu ver­rei­ßen, wäre also so geist­reich, wie She loves you, yeah, yeah, yeah von den Beat­les nur auf Grund des Text­ge­hal­tes zu beur­tei­len.

So sieht man aber gleich, dass nach kon­ser­va­ti­ver Strick­art Vérol­lets Tex­te arg­wöh­nisch betrach­tet wer­den: Soll­ten gute Tex­te nicht allei­ne für sich spre­chen kön­nen? Das dür­fen sie ger­ne, das soll­ten sie bes­ser bei heik­len The­men auch. Das müs­sen sie aber nicht in jedem Kon­text.

So erspielt sich Vérol­let sei­ne Nie­sche im Lite­ra­tur­be­trieb als geschich­ten­er­zäh­len­der Fips Asmus­sen. Das soll­te mir nie­mand übel neh­men, auch Fips Asmus­sen war und ist schließ­lich enorm erfolg­reich. Ich habe mich tot­ge­lacht, als ich 10 war. Sei­ne Wit­ze für sich sind ohne Auf­füh­rung irri­tie­rend geist­los, wie Oli­ver Kalk­o­fe gezeigt hat. Das Irri­tie­ren­de kommt aller­dings teils auch daher, dass man weiß, was Asmus­sen für einen breit gestreu­ten Erfolg hat. Aber den hat er als auf­tre­ten­der Künst­ler und durch CDs mehr als als Bücher­schrei­ber.

Natür­lich ist Fips Asmus­sen platt, genau das macht ja auch sei­nen Witz aus: Die Irri­ta­ti­on, dass das, was er vor­trägt dort ein­fach ist, wo man Kom­ple­xe­res erwar­tet. Eben­so ist Vérol­let ein­fach für sei­ne Zuhö­rer. Sie fin­den sich mit der melo­di­schen Sprach­hand­ha­bung Vérol­lets und den unbe­küm­mer­ten Geschich­ten schnell ange­nehm ver­traut, da stört es nicht, das der Buch­ti­tel nicht son­der­lich neu ist oder die Geschich­ten nie tief­ge­hend, allen­falls anzüg­lich. Und auch die Optik des Buches mit dem bun­ten Cover und die den Text beglei­ten­den Zeich­nun­gen ähneln frap­pie­rend den Taschen­bü­chern von Fips Asmus­sen.

Dies soll kein Ver­riss sein, nur eine Art, die Qua­li­tät die­ser Kunst auf­zu­zei­gen: Sein Publi­kum der­art ein­zu­fan­gen, schafft längst nicht jeder.

Über den Gehalt des Buches habe ich somit wenig bis nichts gesagt, was mir aller­dings auf Grund der Form recht­fer­tig­bar erscheint. Inhalt­lich besteht das Buch aus diver­sen kurz­wei­li­gen, auf­ge­hübsch­ten Selbst­be­trach­tun­gen in beson­de­ren All­tags­si­tua­tio­nen, die sich, zumin­dest bei mir, nicht ins Hirn ein­bren­nen.

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