Wie Jörges Kubicki entzauberte

Die gest­ri­ge Fol­ge von Mar­kus Lanz war über­ra­schend gut. Und nein, das hat­te nichts mit dem Mode­ra­tor zu tun, der hat das war­schein­lich gar nicht gemerkt. Wenn die Sen­dung pas­send nach dem Mode­ra­tor ben­nant wor­den wäre, wür­de sie auch Voll dane­ben hei­ßen oder sowas. In der Sen­dung tra­ten der Jour­na­list Hans-Ulrich Jör­ges und der FDP-Politiker Wolf­gang Kubicki auf und Lanz stand immer­hin nicht im Weg – ver­moch­te es aber auch nicht, den Knack­punkt der Sen­dung zu erken­nen und in den Fokus zu stel­len. Für den Zuschau­er ist die Aus­gangs­la­ge einer so besetz­ten Sen­dung schon mal schwie­rig: Das sich immer wie­der­ho­len­de Fern­se­hen war­tet mit wie­der­holt auf­tre­ten­den Gäs­ten auf, Jör­ges und Kubicki sind da Para­de­bei­spie­le. Den­noch war es die­ses Mal anders.

Hans-Ulrich Jör­ges ist nicht grund­sym­path­sisch. Dafür ist er zu hek­tisch, dafür ist er von sich selbst zu begeis­tert, dafür trifft er manch­mal nicht den Punkt genau genug, dafür ist sei­ne Art zu kau­zig.

Der #Jör­ges ist aber auch schwer zu ertra­gen #Lanz

— Sven Hen­nig ✈ (@svhennig) Janu­ar 22, 2013

Das muss aber nicht bedeu­ten, dass er immer unbe­dingt falsch liegt. Manch­mal ist auch er auf der rich­ti­gen Spur. Ges­tern nagel­te er ohne Hil­fe des Mode­ra­tors oder ande­ren Anwe­sen­den Wolf­gang Kubicki fest und wirk­te dabei unsym­pa­thisch wie eh und je. Wer nimmt schon den lus­ti­gen Wolf­gang Kubicki in den Schwitz­kas­ten? Ja, wer eigent­lich – außer Hans-Ulrich Jör­ges?

Die Argu­men­ta­ti­ons­la­ge zwi­schen Jör­ges und Kubicki war gera­de­zu klas­sisch: Drän­gen Sie jeman­den in die Ecke und ver­su­chen Sie ihm das Stand­bein weg­zu­hau­en. Wenn das klappt, haben Sie die Argu­men­ta­ti­on gewon­nen. Wolf­gang Kubicki stell­te sich ges­tern auf sein sym­pt­a­schies, qua humor­vol­les Rhetorik-Standbein, mit dem er sym­pa­ti­scher rüber­kommt als Jör­ges. Aber genau das ent­larvt ihn.

Aber wor­um ging es über­haupt? Die Dis­kus­si­on rank­te um den Zustand der FDP rund um die Neidersachsen-Wahl. Kubicki stell­te es so dar, als gäbe es kei­ne Über­ra­schun­gen, als wäre die Rösler-Brüderle-Charade seit Wochen abge­spro­chen und geplant. Die FDP als über­le­ge­ne Wise-Men-Fraktion. Was für ein schö­nes Bild. Jör­ges hob als ein­zi­ger in die Ker­be, dass die­se Dar­stel­lung nicht über­zeu­gend sei, genau­er: Das die­se Dar­stel­lung nicht wahr­heits­ge­mäß sei.

Wie auch? Bei der Nie­der­sach­sen­wahl ging es medi­al dar­um, ob Phi­lip Rös­ler gestürzt wer­de. Den Ein­druck, dass die­ser wacke­le, erweck­ten Poli­ti­ker wie Rai­ner Brü­der­le und Dirk Nie­bel. Das war kei­ne media­le Erfin­dung. Dass es Que­re­len um die per­so­nel­le Auf­stel­lung gab, bezeu­gen FDP-Politiker. Dass Phil­ipp Rös­ler im Zuge der Auf­stel­lung Brü­der­les zum Spit­zen­kan­di­dat – eine Posi­ti­on, die es für Zip­pert in der FDP gar nicht gibt – sei­nen Par­tei­vor­sitz zur Ver­fü­gung stell­te, bezeu­gen angeb­li­che inne­re Krei­se der FDP. Sol­che unbe­nann­ten Per­so­nen sind natür­lich leich­te Angriffs­zie­le.

Und genau auf die­se Infor­ma­ti­ons­quel­le schoss sich Kubicki ein. Man sol­le doch eher ihm glau­ben als Infor­ma­ti­ons­quel­len, die genau­so­gut erfun­den sein könn­ten und nicht alle Dar­stel­lun­gen von FDP-Politikern sei­en kon­form. Des­we­gen sol­le man ihm, den wahr­haf­tig dort Sit­zen­den, glau­ben. Dass es ihm aller­dings näher ste­hen dürf­te, sei­ne Par­tei in schö­nem Licht dar­zu­stel­len, als kri­tisch zu beleuch­ten, kann sich jeder aus­rech­nen.

Kubi­ckis Dar­stel­lung des inner­nen Krei­ses der FDP als media­le Spin doc­tors ist so rei­zend wie unglaub­wür­dig. Nie­mand Pro­mi­nen­tes außer ihm in der FDP hat der Dar­stel­lung wider­spro­chen, Rös­ler habe nicht sei­nen Füh­rungs­pos­ten zur Ver­fü­gung gestellt. Jör­ges hau­te genau in die­se Ker­be: Wenn die Cha­ra­de aus­ge­macht gewe­sen wäre, hät­te Rös­ler nicht sein Amt zur Ver­fü­gung stel­len müs­sen. Tref­fer, ver­senkt.

Kubicki ver­such­te noch ad audi­to­res, Jör­ges als spe­ku­lie­ren­den Kaf­fee­satz­le­ser dar­zu­stel­len, der ohne dabei gewe­sen zu sein bes­ser Bescheid zu wis­sen glaub­te, als Per­so­nen, die dabei waren. Das mach­te Jör­ges zwar noch hand­kne­tend ner­vös, über­zeug­te aller­dings höchs­tens noch Mar­kus Lanz. Sach­lich hat­te Kubicki da schon längst ver­lo­ren.

Der Auf­tritt der FDP in letz­ter Zeit, der mit sei­nen Que­re­len und Füh­rungs­de­bat­ten unge­schlos­sen wirk­te, zeug­te eher von Unge­schlos­sen­heit als von media­lem Spin­dok­to­ren­tum. Blie­be die Fra­ge, ob es schwe­rer wiegt, wenn die FDP sich selbst täuscht oder das Publi­kum. Über­las­sen wir das doch ein­fach mal den spin­nen­den Dok­to­ren der FDP.

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