Guten Morgen

Morgenkaffee

Eigent­lich weiß nie­mand mehr so genau, was das Leis­tungs­schutz­recht, das am Frei­tag im Bun­des­tag durch­ge­wun­ken wer­den soll, leis­ten soll. Man­gel­haf­tes Wis­sen bezüg­lich einer Abstim­mung hat aller­dings in Zei­ten des Frank­ti­ons­zwangs noch nie eine Rol­le gespielt. Der Deut­sche Journalisten-Verband ruft inzwi­schen die Mit­glie­der des Bun­des­tags dazu auf, gegen den Gesetz­ent­wurf zu stim­men.

MdB Dag­ma Wöhrl nimmt nun Stel­lung dazu, wes­we­gen sie gegen nicht für das geplan­te Gesetz stim­men wird — u.a. um sich gegen den zuneh­men­den Lob­by­is­mus zu posi­tio­nie­ren.

Udo Vet­ter meint, das Ziel der Initia­ti­ve für ein Leis­tungs­schutz­recht bei all sei­ner Unklar­heit sei es, die öffent­li­che Beschäf­ti­gung mit Nach­rich­ten ris­kant zu machen.

Der ehe­ma­li­ge Chef der Mono­pol­kom­mis­si­on Jus­tus Hau­cap erwar­tet, wenn das Gesetz beschlos­sen wird, eine gewal­ti­ge Abmahn­wel­le, die sich vor allem gegen klei­ne Blog­ger rich­tet.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was treibt die Befür­wor­ter des Leis­tungs­schutz­rechts in Rei­hen der Poli­tik? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Lesezeichen vom 27.Februar 2013

  • Ber­tels­mann: “Kin­der­gär­ten ange­tes­tet” | G! gut­jahrs blog — Wes­halb die Logis­tik­fir­ma den lang­jäh­ri­gen Ver­trag mit der inme­diaO­NE gekün­digt habe? Ant­wort: Man wol­le in die “Machen­schaf­ten” der Bertelsmann-Tochter nicht hin­ein­ge­zo­gen wer­den. Auf die Nach­fra­ge, was denn genau mit “Machen­schaf­ten” gemeint sei, bringt es der Mit­ar­bei­ter ziem­lich deut­lich auf den Punkt: “Wir wol­len kei­ne Fami­li­en abzo­cken.”
  • Deutsch­land­ra­dio Kul­tur — Kul­tur­nach­rich­ten — Chi­ne­si­sche Intel­lek­tu­el­le schrei­ben offe­nen Brief an die Regie­rung und for­dern poli­ti­sche Refor­men
  • Scha­de, Chris­to­pher Lau­er Twit­tert nicht mehr | emm­tee — Mit Chris­to­pher Lau­er ver­lässt einer der bes­ten, tief­sin­nigs­ten, scharf­zün­gigs­ten und elo­qen­tes­ten Twit­ter den Dienst. Noch Gene­ra­tio­nen wer­den sich sei­ner Unzäh­li­gen, aller­dings auch sehr Zeit­rau­ben­den Glanz­stü­cke in 140 Zei­chen erin­nern. Die wich­tigs­ten habe ich unten auf­ge­führt.
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Guten Morgen

Morgenkaffee

Da plant man im Bun­des­tag ein Leis­tungs­schutz­recht, mit dem die angeb­li­che Ver­wer­tung von Pres­se­er­zeug­nis­sen durch Goog­le hono­riert wer­den soll, Goog­le meint, sie wür­den eh nichts zah­len, und dann fällt der Bun­des­re­gie­rung ein, die Art, wie Goog­le Pres­se­er­zeug­nis­se ver­wer­tet, als voll­kom­men erlaubt zu dekla­rie­ren. Muss man nicht ver­ste­hen.

Auch Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­fir­men wie die Tele­kom wür­den am liebs­ten von Goog­le Koh­le abgra­ben, aller­dings mit einer Ver­dre­hung der Tat­sa­chen, wie Mar­tin Wei­gert meint.

Fried­rich Küp­prs­buschs Wort der Woche: Bio

[audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/084113/084113_291872.mp3]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wenn am Frei­tag das Leis­tungs­schutz­recht mehr­heit­lich beschlos­sen wür­de, ohne dass irgend­je­mand genau ver­steht, was macht das aus den Abge­ord­ne­ten? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Das Elternrecht

kannitverstan

Mar­kus Pie­per, EU-Parlamentarier aus dem Müns­ter­land, hat sich als einer der weni­gen mal getraut, auf den Punkt zu brin­gen, wie die kon­ser­va­ti­ve Posi­ti­on der CDU zum Eltern­recht aus­sieht:

Kin­der haben gott­ge­ge­be­nes Recht auf Vater und Mut­ter. Nie­mand ein Recht auf Kin­der.

Gut, wenn man Gott in Spiel bringt, hat man kei­ne son­der­lich gro­ße Dis­kus­si­ons­ba­sis. Ver­su­chen wir es mal mit einem etwas zugäng­li­che­ren Mann: Imma­nu­el Kant.

Bei Kant ist eine Sor­ge­pflicht der Eltern für ihre Kin­der dadurch gege­ben, dass sie es gewe­sen sind, die ihre Kin­der ohne deren Ein­wil­li­gung in die Welt gesetzt haben. Damit haben Eltern ein ethi­sches, wie juri­di­sches Recht zur Erzie­hung ihrer Kin­der, wie die ethi­sche Pflicht (aber nicht eine juri­di­sche) hier­zu. Kin­der sind bei Kant kei­ne Rechts­per­so­nen, daher kommt bei ihm nicht vor, dass die­se bestimm­te Rech­te hät­ten. Wie soll­te ein Kind auch das angeb­li­che Recht auf einen Vater in Anspruch neh­men, wenn die­ser gestor­ben oder unau­f­ind­bar ist?

Sicher­lich hat Kant bei Eltern an Vater und Mut­ter gedacht. Aber die Begrün­dung der Rech­te und Pflich­ten von Eltern liegt nicht in ihren bio­lo­gi­schen Attri­bu­ten:

da das Erzeug­te eine Per­son ist, und es unmög­lich ist, sich von der Erzeu­gung eines mit Frei­heit begab­ten Wesens durch eine phy­si­sche Ope­ra­ti­on einen Begriff zu machen*): so ist es eine in prak­ti­scher Hin­sicht ganz rich­ti­ge und auch not­hwen­di­ge Idee, den Act der Zeu­gung als einen sol­chen anzu­se­hen, wodurch wir eine Per­son ohne ihre Ein­wil­li­gung auf die Welt gesetzt und eigen­mäch­tig in sie her­über gebracht haben; für wel­che That auf den Eltern nun auch eine Ver­bind­lich­keit haf­tet, sie, so viel in ihren Kräf­ten ist, mit die­sem ihrem Zustan­de zufrie­den zu machen.

Wäre es dem­nach denk­bar, dass der Beschluss, ein Kind in die Welt zu set­zen, von zwei gleich­ge­schlecht­li­chen Men­schen aus geht, so wie er von leib­li­chem Vater und leib­li­cher Mut­ter aus­geht?

Ja. Das ist der­sel­be Fall wie bei der künst­li­chen Befruch­tung. Auf die Idee, den gesetz­li­chen Eltern eines so gezeug­ten Kin­des, ehe­li­che Rech­te zu ent­zie­hen, ist auch noch nie­mand gekom­men.

Bei Kant ist das Eltern­recht ethisch begrün­det, nicht juri­disch, nicht bio­lo­gisch und nicht reli­gi­ös. Juri­di­sche, bio­lo­gi­sche und reli­giö­se Umstän­de mag es geben, sie rüt­teln aber nicht an der ehti­schen Begrün­dung des Eltern­rechts, weil man es hier mit ver­ant­wort­li­chen Erwach­se­nen zu tun hat.

Kant wen­det sich impli­zit gegen Pie­pers Rede vom Gott gege­be­nen Eltern­recht, weil Kin­der Wesen sind, denen es mög­lich sein wird, freie Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wobei es für den Men­schen unmög­lich zu den­ken ist, dass die Mög­lich­keit zu frei­en Ent­schei­dung auf eine phy­si­sche Ursa­che zurück­führ­bar wäre,

*) Selbst nicht, wie es mög­lich ist, daß Gott freie Wesen erschaf­fe; denn da wären, wie es scheint, alle künf­ti­ge Hand­lun­gen der­sel­ben, durch jenen ers­ten Act vor­her­be­stimmt, in der Ket­te der Natur­no­t­hwen­dig­keit ent­hal­ten, mit­hin nicht frei. Da sie aber (wir Men­schen) doch frei sind, bewei­set der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv in mora­lisch prak­ti­scher Absicht, wie durch einen Macht­spruch der Ver­nunft, ohne daß die­se doch die Mög­lich­keit die­ses Ver­hält­nis­ses einer Ursa­che zur Wir­kung in theo­re­ti­scher begreif­lich machen kann, weil bei­de über­sinn­lich sind.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Was man wohl heu­te nach­gu­cken muss, ist die gest­ri­ge NDR3-Sendung Über Gebühr über den neu­en Rund­funk­bei­trag.

Ste­fan Nig­ge­mei­er schreibt dar­über, auf was für einem Umweg ein Leis­tungs­schutz­recht­geg­ner es doch noch in einen Bericht des Han­dels­blatts geschafft hat.

Uwe Jus­tus Wen­zel hät­te es begrüßt, wenn der Papst nicht bloß sein Ponit­fi­kat, son­dern das Pon­ti­fi­kat schlecht­hin an den Nagel gehängt hät­te.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wofür und bei wem steht die Bun­des­re­gie­rung eigent­lich beim Leis­tungs­schutz­recht im Wort? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Denis Schecks Druckfrisch und Martin Walser

Ges­tern Abend zeig­te die ARD zum 10jährigen Jubi­lä­um eine extralan­ge Fol­ge der Lite­ra­tur­sen­de­rei­he Druck­frisch, in der Mar­tin Wal­ser nicht feh­len durf­te. Mar­tin Wal­ser ist Dau­er­gast in die­ser Sen­dung, er taucht öfters auf als jeder ande­re Schrift­stel­ler. Viel­leicht weil er jedes Jahr ein Buch schreibt und tat­säch­lich jedes zwei­te Buch in letz­ter Zeit es wert war, ihn ein­zu­la­den. Ich kann das nicht ein­schät­zen, Tod eines Kri­ti­kers war der letz­te Wal­ser, den ich las. Auch ich emp­fand die Schil­de­run­gen in die­sem Buch teils anti­se­mi­tisch. Zudem fand ich es lahm und unin­spi­rie­rend, unge­fähr so wie die Fern­seh­auf­trit­te Wal­sers.

In Druck­frisch wur­de die Kri­tik der anti­se­mi­ti­schen Dar­stel­lun­gen bei Wal­ser nie ange­spro­chen, auch wenn sie aktu­ell waren, auch wenn Wal­ser dau­ernd vor­bei schaut. Beim dies­ma­li­gen Auf­tau­chen Wal­sers in Druck­frisch gibt es auf der Inter­net­sei­te einen merk­wür­di­gen Begleit­text, in dem die Anti­se­mi­tis­mu­vor­wür­fe abge­han­delt wer­den:

Der Kon­flikt eska­lier­te noch ein­mal 1982, als Wal­ser den (Schlüssel-) Roman “Tod eines Kri­ti­kers” ver­öf­fent­lich­te, des­sen Vor­ab­druck die FAZ ver­wei­ger­te und der Wal­ser den nicht nach­weis­ba­ren Vor­wurf ein­brach­te, anti­se­mi­tisch zu sein.

Der Vor­wurf lau­te­te nicht, Wal­ser sei anti­se­mi­tisch, son­dern der Roman. Und dazu kann man sicher­lich einen Nach­weis füh­ren, was auch schon(s.u.) geschah. Aber wei­ter im Text:

Als er 1998 den “Frie­dens­preis des deut­schen Buch­han­dels” erhält, kri­ti­siert er in sei­ner Dan­kes­re­de die Instru­men­ta­li­sie­rung von Ausch­witz und stellt die The­se auf, dass die per­ma­nen­te The­ma­ti­sie­rung des Holo­caust eher das Weg­schau­en zur Fol­ge hät­te. Die erneu­te Anschul­di­gung des Anti­se­mi­tis­mus sowie die sehr hef­tig aus­ge­tra­ge­nen Debat­ten in der deut­schen Öffent­lich­keit wer­den erst nach einem gemein­sa­men Gespräch von Wal­ser mit Ignaz Bubis, dem Vor­sit­zen­den des Zen­tral­ra­tes der Juden in Deutsch­land, bei­ge­legt mit der Fest­stel­lung, dass für den Umgang mit der deut­schen Ver­gan­gen­heit noch kei­ne ange­mes­se­ne Spra­che gefun­den sei.

Von die­ser Bei­le­gung weiß man bei der Süd­deut­schen Zei­tung nichts:

Das Gespräch war damals ohne einen Abschluss been­det wor­den: Bubis hat­te zwar sei­nen Vor­wurf gegen­über Wal­ser, die­ser sei ein “Brand­stif­ter” des Anti­se­mi­tis­mus, zurück­ge­nom­men, aber wei­ter dar­auf insis­tiert, die Friedenspreis-Rede sei miss­ver­ständ­lich gewe­sen. Wal­ser hin­ge­gen hat­te dar­auf beharrt, völ­lig ein­deu­tig gespro­chen zu haben.

Es ist mir eigent­lich uner­klär­lich, wie der Faux pas um die fal­sche Jah­res­an­ga­be von Tod eines Kri­ti­kers ent­ste­hen konn­te. Schreibt hier Mode­ra­tor Denis Scheck, der Lesun­gen mit Wal­ser abhält? Oder irgend ein Prak­ti­kant? Es ist kein Ver­se­hen, dass Wal­sers Tod eines Kri­ti­kers um zwan­zig Jah­re ins Jahr 1982 ver­frach­tet wird – der Autor glaubt offen­bar wirk­lich an die­se Jah­res­zahl, denn er schreibt 1998 sei er erneut wegen anti­se­mi­ti­schen Anschul­di­gun­gen kri­ti­siert wor­den. Da scheint jemand kei­ne Ahnung zu haben, von dem, was er da schreibt.

Und die­ser jemand kennt wohl auch nicht die Stu­die, die sich mit den anti­se­mi­ti­schen Vor­komm­nis­sen in Wal­sers Werk beschäf­tigt. Elke Schmit­ter schreibt dazu:

In Wal­sers Werk aller­dings kann man lesen, dass die Abwehr von Trau­er und Mit­ge­fühl auch die Selbst­re­fle­xi­on nach­hal­tig schä­digt.

Offen­bar auch die Fremd­re­fle­xi­on.

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