Ich bin geistig krank

In Deutsch­land hat man das Recht, Tele­diens­te anonym zu ver­wen­den. Bei anony­men Publi­ka­tio­nen weiß man aller­dings nie mit letz­ter Sicher­heit, ob jemand, der anonym etwas ver­öf­fent­licht, die­se Ver­öf­fent­li­chun­gen erfun­den hat oder nicht. Der­zeit gibt es ein Auf­se­hen erre­gen­des Blog eines angeb­lich Mitz­wan­zi­gers, der sei­ne Jugend als Mit­glied der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Zeu­gen Jeho­vas anonym beschreibt:

Das Fazit ist das glei­che wie immer. Jeho­va ist super, sagt Jeho­va, und wenn wir das, was in der Bibel steht, tun, kom­men wir ins Para­dies. Sagt Jeho­va. Viel mehr ent­neh­me ich der Bibel nicht.

Der Name des Blogs, Geis­tig krank, resul­tiert aus der angeb­li­chen Unter­stel­lung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, dass Abtrün­ni­ge von den Zeu­gen Jeho­vas als geis­tig krank bezeich­net wer­den. Beim Lesen des Blogs fällt die sprach­li­che Bril­li­anz des Autors auf, die Tex­te lesen sich wie ein span­nen­der Roman.

In man­chen Ver­samm­lun­gen traf man auf eine Aus­wahl der klei­nen Pro­phe­ten samt aller Apos­tel. Und natür­lich min­des­tens eine Sarah. Grob geschätzt hieß jedes drit­te Mäd­chen Sarah. Auf gro­ßen Kon­gres­sen muss­te man glatt durch­num­me­rie­ren. Einen Vor­teil hat­te die­se Namens­pra­xis. Anhand der Vor­na­men konn­te man ganz gut erken­nen, wer “in der Wahr­heit” auf­ge­wach­sen war und wer (oder wes­sen Eltern) Konvertit(en) war(en). Das mag zunächst unwich­tig erschei­nen. Aber als ZJ-Jugendlicher wur­de man regel­mä­ßig dazu ermun­tert, bei einem poten­ti­el­len Ehe­part­ner auf sei­nen Eifer zu ach­ten. Ein bibli­scher Vor­na­me war da schon mal gar nicht so schlecht – zumin­dest, wenn man die Ange­be­te­te den Eltern vor­stell­te.

Ob wahr­heits­ge­treu oder nicht, in jedem Fall eine Lese­emp­feh­lung: geistigkrank.wordpress.com.

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