Wulff, Christian — Ganz oben, ganz unten

Man muss die ers­ten 100 Sei­ten die­ses Schmö­kers über­le­ben, sowie die unkri­ti­sche Hal­tung zu Par­tei­en­de­mo­kra­tie und der eige­nen Rol­le als Bun­des­prä­si­dent nicht auf die Gold­wa­ge legen, dann geht es bei Chris­ti­an Wulff zur Sache:
  1. Sei­ne Aus­füh­run­gen zum The­ma Inte­gra­ti­on lie­fern den Unter­bau zur Behand­lung des The­mas als Bun­des­prä­si­dent und zei­gen, dass er mit die­sem The­ma bis­lang bes­ser punk­ten konn­te als sein Nach­fol­ger Gauck mit dem The­ma “Frei­heit”.
  2. Sei­ne Aus­füh­run­gen zur christ­li­chen Inter­pre­ta­ti­on vom gesell­schaft­li­chen Mit­ein­an­der sind beach­tens­wert — gera­de in direk­ter Kon­fron­ta­ti­on zu fundamentalistisch-christlichen Stim­men aus Deutsch­land.
  3. Sei­ne Manö­ver­kri­tik vor allem an “Blöd­zei­tung” (Paul Stö­ver), SPIEGEL und FAZ wer­fen die Fra­ge auf, wes­we­gen es bei den ent­spre­chen­den Ver­la­gen nichts, aber auch gar nicht gege­ben hat, um den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus nicht an der Nase durch die Mane­ge zu schlei­fen; Gerüch­te wur­den wie Tat­sa­chen behan­delt, Ent­las­ten­des unter den Tisch fal­len gelas­sen, dro­hen­de Nega­tiv­schlag­zei­len als Erpres­sungs­ge­gen­stand genutzt. Man hat ohne Zwang die Hosen run­ter gelas­sen.

Und so schreibt Peer Stein­brück über das Buch:

Mit einem gewis­sen Abstand stel­len sich der ‘Abschuss’ und die Ent­wür­di­gung von Chris­ti­an Wulff als Skan­dal eines gewalt­tä­ti­gen Jour­na­lis­mus im Umgang mit einem Poli­ti­ker dar. […] Die Spiegel-Affäre vor über 50 Jah­ren war schlecht­hin der Skan­dal der Poli­tik im Umgang mit einem kri­ti­schen Jour­na­lis­mus und der Pres­se­frei­heit. Jetzt ist es umge­kehrt.

Bei der FAZ ist Jür­gen Kau­be vom Buch nicht begeis­tert. Wen wundert’s.

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Lesezeichen vom 27. Juni 2014

Lesezeichen von heute
  • Das deut­sche Inter­net, erklärt von Gabor Stein­gart | Mario Six­tus — Wie wirr mit­un­ter wei­ter­hin am Leis­tungs­schutz­recht her­um­lob­by­isiert wird, beschreibt Mario Six­tus: “Leu­te wie Chris­toph Kee­se sind in der letz­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode von einem Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten zum nächs­ten gelau­fen und haben dabei “Goog­le stiehlt unse­re Inhal­te und wird damit reich” geru­fen. Dass es bei die­ser aben­teu­er­li­chen Behaup­tung a) nur um win­zi­ge Wör­ter­schnip­sel geht, die Goog­le als Anrei­ßer anzeigt, und b) sowohl Goog­le als auch das deut­sche Inter­net picke­pa­cke­voll sind, mit Inhal­ten, mit denen deut­sche Zei­tungs­ver­la­ge über­haupt nichts zu tun haben, stört die­se Räu­ber­pis­to­le natür­lich unge­mein, wes­we­gen die­se bei­den Umstän­de ger­ne unter den Tisch gescho­ben wer­den.”
  • 10 Jah­re BILD­blog — The Euro­pean — Ein von Sprin­ger bezahl­ter Jour­na­list meint, das Bild­blog habe sei­ne bes­ten Zei­ten hin­ter sich und sei über­flüs­sig. NEIN! DOCH! OH!
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