Degen, Michael — Nicht alle waren Mörder

Der Schau­spie­ler Micha­el Degen hat vor Jah­ren sei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen in Ber­lin zu Papier gebracht. In mei­nem Bücher­schrank war­te­ten sie als 5-Euro-Taschenbuchausgabe von Ull­stein, gele­sen zu wer­den. Dem bin ich end­lich ein­mal nach­ge­kom­men. Degen schil­dert ein­präg­sam, wie gefähr­lich sei­ne Kind­heit war, wie trau­ma­tisch die Erleb­nis­se, wie schnell sich Kin­der an Kriegs­zei­ten anpas­sen kön­nen. Dabei ist sei­ne Schil­de­rung nicht ankla­gend und nicht depri­mie­rend.
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Wie ist das eigentlich … mit Digitalinformationssüchtigen?

Es gab vor Jah­ren ein­mal einen Vor­stoß, Inter­net­süch­ti­ge aus­zu­ma­chen und ihnen zu hel­fen. Irgend­wie fand ich das komisch, schließ­lich saßen unge­mein vie­le Men­schen ziem­lich lan­ge vor ihren Bild­schir­men und die Merk­ma­le einer Inter­net­sucht, was für ein komi­sches Wort, waren nicht son­der­lich abgren­zend. Man konn­te es ihnen im Sozi­al­ver­hal­ten auch nicht anse­hen und ich hat­te nur einen Bekann­ten, der in psy­chi­scher Behand­lung war und als aller­ers­tes ein Facebook-Verbot bekam.

Bei Digi­tal­in­for­ma­ti­ons­süch­ti­gen, manch­mal Han­dy­süch­ti­ge genannt, wobei sie aller­dings nicht Gerä­te süch­tig sind, ist das anders. Man sieht dau­ernd Leu­te, die ange­strengd und uner­holt aus­schau­end auf ihr Han­dy schau­en. Wua­si über­all: Im Auto, in Stra­ßen­bah­nen, in Cafés, selbst im eige­nen pri­va­ten Ges­pächs­um­feld, will sagen: Selbst im Gespräch las­sen Leu­te nicht von ihrem Han­dy, müs­sen dar­auf schau­en, und ent­schul­di­gen es mit “Ich hör dir zu.” Als ob ein Gespräch nur aus Zuhö­ren bestün­de.

Weder ver­ste­he ich, was man dau­ernd anlass­los auf sei­nem Han­dy zu suchen hat, noch ver­ste­he ich, was die Leu­te als Beloh­nungs­kick erhal­ten, noch kann ich mich vom Ein­druck ent­le­di­gen, dass mich so ein Ver­hal­ten ziem­lich abstößt.

Aber will man was sagen? Den pri­va­ten Spiel­ver­der­ber spie­len? So ein Ver­hal­ten wird sicher­lich nicht weni­ger in den kom­men­den Jah­ren. Über­geht man die Situa­ti­on wie mit ande­ren, in denen Leu­te einem aku­ten Hau nach­ge­hen? Bis­her kam mir das bei ande­ren Macken nie so chro­nisch vor.

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