Venske, Henning — Es war mir ein Vergnügen

Hen­ning Vens­ke hat sei­ne Auto­bio­gra­phie nie­der­ge­schrie­ben, was viel­leicht weni­ger eine genaue Bio­gra­phie ist als viel­mehr ein Beglei­ten der poli­ti­schen Ver­än­de­run­gen in der Bun­des­re­pu­blik und des ver­ein­ten Deutsch­lands seit dem Krieg.

Es ist beein­dru­ckend zu erfah­ren, wie er als Jun­ge sich aus Stet­tin zu Fuß mit Mut­ter, Tan­te und Bru­der nach Ham­burg durch­schlägt und den­noch eine so mun­te­re Kind­heit und Jugend erfährt. An vie­len Stel­len kommt die Bis­sig­keit des Kaba­ret­tis­ten Vens­ke durch, sein Aus­schei­den bei der Sesamsta­ße — woher ich ihn neben Als die Autos rück­wärts fuh­ren als Kind kann­te — hat­te wohl auch poli­ti­sche Grün­de.

Die Geschich­ten aus den spä­te­ren Jah­ren als Kaba­ret­tist, den ich aus dem Fern­se­hen kann­te, lie­fer­te mir net­tes Hin­ter­grund­wis­sen zur Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft. Ein net­tes Lese­ver­gnü­gen zu einem der Stars mei­ner Kind­heit.

Weiterlesen

Petri heil, du Blödmann

Wir waren ja letz­ten Frei­tag bei einer Kaba­rett­vor­stel­lung von Hen­ning Vens­ke in Ham­burg und da habe ich doch noch mal kurz auf You­Tube nach Vide­os von ihm geschaut. So für Leu­te, denen der Name nichts sagt. Und, was soll ich sagen? Es gibt Sesamstraßen-Outtakes!

Weiterlesen

Belastung des historischen Gedächtnisses

Ab und zu lese ich ja mal nach, was im Feuil­le­ton zu too much infor­ma­ti­on steht, qua­si hier so als Fach­blog. Und da kam mir gera­de die­ses unter:

Ein Jahr spä­ter ent­geg­ne­te eine His­to­ri­ke­rin, die Gefahr bestehe gera­de nicht im Gedächt­nis­ver­lust, son­dern in der „Über­las­tung der Schalt­krei­se“ unse­res his­to­ri­schen Gedächt­nis­ses. Sie beschrieb damit jene Emp­fin­dung, die heu­te ger­ne als „too much infor­ma­ti­on“ bezeich­net wird.

Also, äh, nein. Natür­lich darf jeder jeden Begriff so ver­wen­den, wie er es ger­ne mal, sofern er es zumin­dest ein­heit­lich tut und undis­kri­mi­nie­rend, geht das eigent­lich in Ord­nung. Inson­fern kann too much infor­ma­ti­on sicher­lich für vie­les ste­hen. aber für die Über­las­tung der Schalt­krei­se unse­res his­to­ri­schen Gedächt­nis? Was soll das denn über­haupt sein? Was ist ein his­to­ri­sches Gedächt­nis und wie kann man es belas­ten? Habe ich es belas­tet, wenn ich ein Buch lese? Wenn ich his­to­risch rele­van­te Fak­ten ver­ges­se, aber irrele­van­te­re durch­aus noch parat habe? Schmeißt es Infos raus, wenn irgend­ein Druck besteht?

Nein, nein, das ist schon kon­kre­ter Feuil­le­to­n­un­sinn.

Weiterlesen

Restaurantführer Düsseldorf

Essen zu gehen ist so eine Sache, da gibt es ganz unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen. Die einen wol­len viel auf die Gabel, die ande­ren ein Erleb­nis, die einen wol­len preis­wert essen, die ande­ren schau­en nicht so auf’s Geld. Eini­ge spre­chen auf tren­dig auf­ge­mach­te Eta­blis­se­ments an, ande­re fra­gen sich, was unter der Ver­pa­ckung sein soll.

Wir sam­meln unse­re eige­nen Erfah­run­gen mit dem Essen­ge­hen in der nordrhein-westfälischen Lan­des­haupt­stadt auf die­ser Sei­te. Dabei ist zu beach­ten: Wer gro­ßen Hun­ger hat, kann da über­all hin­ge­hen, wir haben bis­lang kei­ne Loka­li­tät aus­ge­macht, deren Essen unter aller Sau war. Wir unter­schei­den zwi­schen der Preis­la­ge und der Art des Essens, inso­fern hät­te man noch eige­ne Rang­lis­ten nach Essens­art und Preis machen kön­nen, aber bis­her ist es ja noch über­sicht­lich genug.

Die Wer­tung ist sicher­lich noch stark sub­jek­tiv, aber im Bemü­hen, gerecht zu sein und nur eine klei­ne Ori­en­tie­rung geben zu wol­len. Man kann sicher­lich einen sehr schö­nen Abend in einem Lokal zubrin­gen, dass kuli­na­risch nicht der Rede wert ist. Wenn eine Rang­lis­te aber gera­de nach dem Kuli­na­ri­schen geht, fällt eine gute Stim­mung nur bedingt ins Gewicht. Und letz­ten Endes weiß man immer selbst am bes­ten, wo es einem gefällt.

Weiterlesen

Steinbeck, Michelle — Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mit­ge­nom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dys­to­pi­sche Traum­welt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­la­den und irri­tiert. Das alles folgt dem Syrea­lis­mus, den man aus Träu­men kennt, der gegen rea­lis­ti­sche Ein­schät­zun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als sei­en auch die sku­rils­ten Situa­tio­nen nor­mal. Stein­becks Spra­che ist aus­ufernd, so wie es für einen Traum nicht unpas­send ist, unge­mein varia­bel und nie­mals platt. Auch auf Wit­ze­lei­en wird gott­sei­dank ver­zich­tet. Das ergibt am Ende viel­leicht nicht einen ganz gro­ßen lite­ra­ri­schen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­tü­re.
Weiterlesen

Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn

Die­ser Schmö­ker ist eigent­lich ein Jugend­buch, aber wegen sei­nes Wit­zes und der Kür­ze sei­ner Ein­zel­epi­so­den durch­aus auch für Erwach­se­ne Broi­ler inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beer­di­gung als ein­zi­ger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arsch­loch war, wird Herc zur Stra­fe zu sei­nem Onkel geschickt, der ihm wie sei­nem Namens­ge­ber für die Zeit sei­nes Auf­ent­halts 12 Tag für Tag abzu­ar­bei­ten­de Auf­ga­ben stellt:

  1. Such dir eine Auf­ga­be.
  2. Fin­de den bes­ten Pizza­la­den der Stadt.
  3. Räum die Gara­ge auf.
  4. Mis­te die Stäl­le auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pet­tes Buch.
  6. Begib dich an einen Ort der Hul­di­gung und des Gebets.
  7. Geh zu sie­ben Bewer­bungs­ge­sprä­chen.
  8. Ver­bring den Tag mit gro­ßen Gedan­ken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahl­zeit mit einem Uneb­kann­ten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nachts­ly­rik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Been­de dei­ne Auf­ga­be.

Die Geschich­ten behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzsch­hahn den mit­un­ter schrof­fen Stil des Ori­gi­nals und erhei­tern durch wie­der­hol­te Aus­he­be­lung der Erwar­tun­gen des Lesers. Der auf­hei­tern­de Schmö­ker bekommt von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

Weiterlesen

Biller, Maxim — Der gebrauchte Jude

Maxim Bil­ler ist ein begab­ter Schrift­stel­ler, dem sei­ne Eitel­keit etwas im Weg steht, aber das ist eben auch sein Weg. Die­ser bio­gra­phi­sche Schmö­ker bie­tet einen inter­es­san­ten Ein­blick in das Leben eines jüdi­schen Schrift­stel­lers in Deutsch­land, das zwangs­läu­fig aneckt und wei­ter in Bewe­gung bleibt. An den Stel­len, an denen der Autor intel­lek­tu­ell wir­ken will, ist es aller­dings eher platt.
Weiterlesen

Hoes, Isa — Toen ik je zag

Ich war sehr ernüch­tert, als ich vor kur­zem erst mit­be­kam, dass Anto­nie Kamer­ling gestor­ben ist. Sei­ne Ehe­frau schrieb die­ses Buch über ihr Zusam­men­le­ben mit Kamer­ling, die Anfän­ge der Kar­rie­ren der bei­den, das Grün­den der Fami­lie und die bipo­la­re Stö­rung, unter der Kamer­ling litt und nicht über­win­den konn­te. Der Titel ist der sei­nes größ­ten Hits. Das Buch ist so ehr­lich wie bit­ter, weil mehr Fra­gen und Zwei­fel blei­ben, als aus­ge­räumt wer­den kön­nen. Es ist ein Pro­to­koll des Mit­lei­dens und Schei­terns, des Sich-Übergebens an den Tod und des Stand­hal­tens. Es ist eines der bes­ten Bücher in der nie­der­län­di­schen Lite­ra­tur der letz­ten Jah­re.
Weiterlesen