Degen, Michael — Nicht alle waren Mörder

Der Schau­spie­ler Micha­el Degen hat vor Jah­ren sei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen in Ber­lin zu Papier gebracht. In mei­nem Bücher­schrank war­te­ten sie als 5-Euro-Taschenbuchausgabe von Ull­stein, gele­sen zu wer­den. Dem bin ich end­lich ein­mal nach­ge­kom­men. Degen schil­dert ein­präg­sam, wie gefähr­lich sei­ne Kind­heit war, wie trau­ma­tisch die Erleb­nis­se, wie schnell sich Kin­der an Kriegs­zei­ten anpas­sen kön­nen. Dabei ist sei­ne Schil­de­rung nicht ankla­gend und nicht depri­mie­rend.
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Baddiel, David — The secret purposes

In die­sem Roman schil­dert Bad­diel Schick­sa­le von Men­schen, die betrof­fen sind von der Inter­ni­sie­rung deut­scher Juden oder jüdi­scher Deut­scher, die nach Eng­land flüch­ten, auf die Isle of Man. Und das Buch ist ein­fach groß­ar­tig. Bad­diel kann Geschich­ten erzäh­len und dabei kom­men in sei­nen Sät­zen immer Knack­punk­te vor, die einen stut­zen las­sen. Im Gegen­satz zu den ers­ten bei­den Büchern Bad­diels kommt hier zwar Humor kaum vor, aber man ver­mißt ihn auch nicht — dazu ist die Geschich­te zu inter­es­sant. Der bes­te Bad­diel bis­lang, aber auch das sage ich nach jedem sei­ner Bücher.
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Kehrer, Jürgen — Bären und Bullen

Ich hat­te mich vor Kur­zem gewun­dert, dass ich doch schon seit län­ge­rem kei­nen Wilsberg-Krimi mehr zur Hand genom­men habe. Aber bei die­sem Bänd­chen ist es mir wie­der deut­lich vor Augen geführt wor­den: Die Buch­se­rie ist lang­wei­lig, span­nungs­arm, die Kri­mi­auf­lö­sung kommt aus dem Nichts und ange­staubt ist die Buz­zword gespick­te Bör­sen­ge­schich­te aus den 90ern auch.
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Krischak, Detlef — Brautmorde

In Erwar­tung des nächs­ten Ibbenbüren-Krimis habe ich mal den ers­ten Emsland-Krimi des­sel­ben Autors vor­ge­nom­men. Aber ach: Bei die­ser Braut­mor­den­show ist alles Sche­ma F, kei­ne Span­nung, kei­ne inter­es­san­ten Wen­dun­gen, die Auf­lö­sung in wie gehab­ter Selbst­ge­sprächs­ma­nier, die dahin­ter­lie­gen­den Beweg­grün­de so unlo­gisch wie unin­ter­es­sant. Wei­ter­war­ten ist ange­sagt.
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Krischak, Detlef — Der Rosenfälscher: Das zweite ich

Ich habe schon etwas län­ger kei­nen Lokal­kri­mi mehr in die Hand genom­men, da ich, ehr­lich gesagt, die Qua­li­tät nicht mehr abkonn­te: Zu vie­le schlecht geschrie­be­ne Pas­sa­gen, irr­wit­zi­ge Hand­lungs­ver­läu­fe, kei­ne Span­nung, kein Lokal­ko­lo­rit, das will man nicht immer und immer wie­der lesen. Aus wel­chem Grund ich die­sen Schmö­ker danach den­noch wie­der in die Hand genom­men habe, weiß ich gar nicht mehr.

Um so freu­di­ger ist die­ser Ibbenbüren-Krimi: Vie­le Figu­ren, die cha­rak­ter­lich ver­schie­den ein­ge­führt wer­den, eine dra­ma­ti­sche Hand­lung und das alles ver­ziert mit Streif­zü­gen durchs Ems- und Teck­len­bur­ger Land. Es geht um Ent­füh­rung, Mord und kran­ke See­len, um den Poli­zei­all­tag, bei des­sen Beschrei­bung Klaus Burandt zur Sei­te stand, und schod­de­ri­ge Pro­vinz­na­sen. Die Spra­che ist pas­send und ohne Bruch (zwei Recht­schreib­feh­ler fal­len nicht ins Gewicht). Ein Kri­mi­nalschmö­ker, der ver­film­bar ist (wie groß­ar­tig wäre das denn) und es locker mit Unter Fein­den auf­neh­men kann.

Die psy­cho­lo­gi­sche Situa­ti­on des Täters (er hat doch sei­ne Jugend­lie­be bekom­men) wird mir inhalt­lich nicht recht klar, die Span­nung wird nicht durch­weg gehal­ten, wie­so die Ver­fol­gungs­jagd unbe­dingt in die Ibben­bü­re­ner Innen­stadt führt: kei­ne Ahnung; dass der Ibben­bü­re­ner Kom­mis­sar Cars­ten heißt: Groß­ar­ti­ge Idee.

Falls also noch jemand kurz­fris­tig ein Geschenk zu Weih­nach­ten sucht: Für Kri­mi­le­ser ist dies eine ech­te Emp­feh­lung.

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Ransmayr, Christoph — Cox oder der Lauf der Zeit

Ich bin immer bei den Ver­ris­sen von Denis Scheck dabei, fin­de aber das, was er so gut fin­det, meist lahm. Da hät­te ich mich drauf ver­las­sen kön­nen, als ich die­sen Schmö­ker las, den er für den mög­li­cher­wei­se nächs­ten Welt­best­sel­ler deut­scher Spra­che hält. Dabei ist die Geschich­te vie­rer Uhr­ma­cher die zum Kai­ser von Chi­na rei­sen, um die­sem die außer­ge­wöhn­lichs­ten Uhren her­zu­stel­len von gewöhn­li­cher Span­nungs­ar­mut ohne Tief­gang. Sprach­lich nicht schlecht, aber auch nicht mit­rei­ßend, ver­gisst man die Geschich­te bei Zuklap­pen des Buches. Ich stim­me Jörg Mage­nau zu: “Lei­der alles nur Kulis­se”.
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Venske, Henning — Es war mir ein Vergnügen

Hen­ning Vens­ke hat sei­ne Auto­bio­gra­phie nie­der­ge­schrie­ben, was viel­leicht weni­ger eine genaue Bio­gra­phie ist als viel­mehr ein Beglei­ten der poli­ti­schen Ver­än­de­run­gen in der Bun­des­re­pu­blik und des ver­ein­ten Deutsch­lands seit dem Krieg.

Es ist beein­dru­ckend zu erfah­ren, wie er als Jun­ge sich aus Stet­tin zu Fuß mit Mut­ter, Tan­te und Bru­der nach Ham­burg durch­schlägt und den­noch eine so mun­te­re Kind­heit und Jugend erfährt. An vie­len Stel­len kommt die Bis­sig­keit des Kaba­ret­tis­ten Vens­ke durch, sein Aus­schei­den bei der Sesamsta­ße — woher ich ihn neben Als die Autos rück­wärts fuh­ren als Kind kann­te — hat­te wohl auch poli­ti­sche Grün­de.

Die Geschich­ten aus den spä­te­ren Jah­ren als Kaba­ret­tist, den ich aus dem Fern­se­hen kann­te, lie­fer­te mir net­tes Hin­ter­grund­wis­sen zur Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft. Ein net­tes Lese­ver­gnü­gen zu einem der Stars mei­ner Kind­heit.

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Steinbeck, Michelle — Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mit­ge­nom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dys­to­pi­sche Traum­welt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­la­den und irri­tiert. Das alles folgt dem Syrea­lis­mus, den man aus Träu­men kennt, der gegen rea­lis­ti­sche Ein­schät­zun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als sei­en auch die sku­rils­ten Situa­tio­nen nor­mal. Stein­becks Spra­che ist aus­ufernd, so wie es für einen Traum nicht unpas­send ist, unge­mein varia­bel und nie­mals platt. Auch auf Wit­ze­lei­en wird gott­sei­dank ver­zich­tet. Das ergibt am Ende viel­leicht nicht einen ganz gro­ßen lite­ra­ri­schen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­tü­re.
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