Kohl, Walter — Leben oder gelebt werden

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Irgend­wann schreibt Wal­ter Kohl über Hel­mut Kohl viel­leicht den trau­rigs­ten Satz, den ein Sohn über sei­nen Vater schrei­ben kann: Er habe nie eine rech­te Ver­bin­dung zu sei­nem Vater gefun­den. Und dabei bleibt es wohl auch, da bei­de inzwi­schen nicht mehr mit­ein­an­der per­sön­lich kom­mu­ni­zie­ren.

Wal­ter Kohls Buch ist eine Mischung aus der Bio­gra­phie des Soh­nes eines welt­be­deu­ten­den Staats­man­nes, und wie man dar­un­ter zu lei­den hat, der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Vater und der Lebens­be­wäl­ti­gungs­stra­te­gie eines Kri­sen­gän­gers.

Nun ist das Wal­ter Kohls eige­nes Buch, das darf er schrei­ben, wie er möch­te. Mich hat etwas das mit­lei­di­ge Erlei­den des Kohl­da­seins gestört und die Lebens­hil­fe, die er anpreist. Ande­rer­seits ist es fas­zi­nie­rend, wie er sei­ne eige­ne Fami­lie zu ana­ly­sie­ren weiß. Irgend­wie dach­te ich aller­dings am Ende des Buches, nicht viel mehr über sei­nen Vater zu wis­sen als zuvor.

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Balder, Hugo Egon: Ich habe mich gewarnt

Kei­ne Ahnung, was der Titel soll. Dies ist eine bio­gra­phi­sche Anek­do­ten­samm­lung aus dem Leben eines der wich­tigs­ten TV-Macher der Bun­des­re­pu­blik und sie liest sich sehr süf­fig. Inso­fern soll­te jeder, der sich für das Fern­se­hen inter­es­siert, die­ses Buch zur Hand neh­men. Inter­es­sant fin­de ich ja, dass Bal­der sich einen nicht­prak­ti­zie­ren­den Juden nennt, so als ob das etwas wäre wie Arzt sein. Das sage ich über mein Katho­li­ken­da­sein nicht, obwohl es wohl das­sel­be geleb­te Nicht­par­ti­zi­pie­ren betrifft. Neben­bei lese ich die Bio­gra­phie von Wal­ter Kohl, der schreibt, sein Vater hät­te ihm den Impe­ra­tiv Du musst ste­hen mit­ge­ge­ben. Bal­ders Mut­ter hat ihm den Impe­ra­tiv Lachen mit­ge­ge­ben. Und bei­de hal­ten dar­an fest.

Der Ein­druck, den das Buch hin­ter­lässt ist etwas zwie­spal­tig: Der gera­de­zu intel­lek­tu­el­le Ant­worten­ge­ber aus Geni­al dane­ben ist hier nicht zuge­gen, viel mehr der Gauk­ler, der sich durchs Leben lava­riert. Ab und an wünscht man sich, dass Bal­der mal schreibt, was er zu dem gera­de Gesag­ten denn eigent­lich sel­ber denkt, wo sei­ne Ängs­te sind. So bleibt nur die Geschich­te eines Hans im Glück, der diver­se Geschich­ten zu erzäh­len hat. Aber immer­hin.

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Schlingensief, Christoph – So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

Seit­dem ich Chris­toph Schlin­gen­siefs Arbeit ken­ne, ver­fah­re ich immer auf die­sel­be Wei­se: Sofern ich zu ihr Zugang habe, beschöf­ti­ge ich mich so lan­ge damit, bis ich mei­ne zu wis­sen, was dahin­ter steckt oder bis sie mir etwas sagt.

Nun hat er ein Tage­buch wäh­rend sei­ner Krebs­er­kran­kung ver­fasst. Es ist eine Auf­nah­me sei­ner Wut, des Angriffs auf sei­ne Per­son, der The­ma­ti­ken, die sich ihm auf­drän­gen. Er schwimmt sich frei und man bekommt den Ein­druck: Dadurch bekommt er ein Stück­chen mehr Lebens­qua­li­tät.

Das Buch ist ein lesens­wer­tes Doku­ment der Nicht­auf­ga­be sei­ner eige­nen Per­son, das einem Auf­ruf gleich­kommt, um sein Leben zu kämp­fen.

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Herz-Sommer, Alice — Ein Garten eden inmitten der Hölle

Dei­ses Buch ist eine von Melis­sa Mül­ler und Rein­hard Piecho­cki erstell­te Bio­gra­phie der in weni­gen Tagen 105 Jah­re alt wer­den­den Ali­ce Herz-Sommer.
An die­sem Buch gibt es eigent­lich gar nichts her­um­zu­mä­keln. Herz-Sommer prä­sen­tiert ein Leben, in dem sie durch die Höl­le, d.h. in die­sem Fall das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger The­re­si­en­stadt, gehen muss­te, und wie sie die­se auf ganz erstaun­li­che Wei­se durch Opti­mis­mus und ihre Kla­vier­kunst zu über­ste­hen ver­stand. Mül­ler und Piecho­cki erzäh­len die­ses dra­ma­ti­sche Leben mit leicht ver­ständ­li­chen Wor­ten, so dass man fast ein leicht les­ba­res Buch in Hän­den zu haben scheint.

Mehr dazu:
Ali­ce Herz-Sommer: Sur­vi­ving the Holo­caust.

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