Meyer, Thomas — Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Bei die­sem Schin­ken han­delt es sich um einen schwei­zer Best­sel­ler um einen jun­gen jüdi­schen Stu­den­ten, der sich in eine nicht­jü­di­sche Mit­stu­den­tin ver­knallt — zum Leid­we­sen sei­ner Mut­ter. Tho­mas Mey­er gelingt ein ver­gnüg­li­cher Ein­blick in eine jüdi­sche Fami­lie in Zürich, wenn auch die Lie­bes­ge­schich­te etwas über­kan­di­delt daher kommt. Aber eini­ge sehr gute Lacher sind drin.
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Moers, Walter — Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

Dies ist ein Schin­ken, der schon 15 Jah­re in mei­nem Bücher­schrank war­te­te, gele­sen zu wer­den. Das heißt, anfangs habe ich einen Ver­such gemacht, den aber abge­bro­chen. Ich war Sym­pa­thi­sant der Fern­seh­se­rie, ein Buch in nicht gera­de kur­zer Form schreck­te mich nicht. Die Serie moch­te ich wegen ihres erwach­se­nen­taug­li­chen Humors. So erklär­te dort Käpt’n Blau­bär mal

Mit Kaker­la­ken auf dem Schiff ist das so: Siehst du eine — dann sind da noch neun­und­neun­zig ande­re. Siehst du kei­ne — sind da noch hun­dert.

Wer jetzt auf Wiki­pe­dia schreibt, das Buch sei im Gegen­teil zur Serie auch für Erwach­se­ne, scheint mir die Serie miss­zu­ver­ste­hen. Man fand und fin­det dort immer auch Spit­zen, die Jün­ge­re gar nicht so schnell erfas­sen, wenn über­haupt.

Der Schmö­ker nun an sich befrem­de­te mich damals: Er war weit­aus weni­ger humor­voll, weit­aus mehr auf’s Phan­tas­ti­sche aus. Nicht mein Rei­se­ziel, also wie­der ab in den Bücher­schrank. Und hät­te ich jetzt nicht das Hör­buch von Dirk Bach zur Ver­fü­gung, ich hät­te das Buch wie­der nicht ganz gele­sen, da bin ich mir ziem­lich sicher. Der Schmö­ker ist lei­der weder geist­reich noch son­der­lich humor­voll, dafür aus­ge­spro­chen ein­falls­reich, bei allen Anleh­nun­gen an lite­ra­ri­sche Gigan­ten.

Wenn das eher für Erwach­se­ne, weni­ger für Kin­der sein soll, bleibt doch die Fra­ge: Muss man von Geschich­ten aus­ge­rech­net den Humor sub­tra­hie­ren, um für Erwach­se­ne zu schrei­ben?

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Teller, Jane — Nichts

Die­ses Buch wur­de in Däne­mark schon 2000 auf­ge­legt, schaff­te es aber erst 2010 in deut­scher Über­set­zung in hie­si­ge Bücher­lä­den. In Däne­mark ver­ur­sach­te das Buch einen klei­nen Skan­dal — und das nicht ohne Grund.

Das Buch han­delt von einer Grup­pe Jugend­li­cher, die sich von einem ihre Mit­schü­ler pro­vo­ziert fühlt. Die­ser steht ein­ges Tages in der Klas­se auf und ver­kün­det, dass sei­ner Mei­nung nach nichts in der Welt von Bedeu­tung sei. Dar­auf­hin schaf­fen die Jugend­li­chen einen Schrott­berg, auf dem sie Din­ge ver­bren­nen, die ihnen wich­tig sind. Die Akti­on artet in psy­chi­scher und kör­per­li­cher Gewalt aus.

Jan­ne Tel­lers Roman, zu dem es bei Wiki­pe­dia eine aus­führ­li­che Inhalts­an­ga­be gibt, besticht durch sprach­li­che Prä­zi­si­on und einer ner­ven­auf­rei­ben­den Geschich­te. In bezug auf Jugend­ge­walt ist der Roman nicht zim­per­lich, was für eini­ge, aber sicher­lich nicht alle Jugend­li­che rea­li­täts­fern ist. Inso­fern ist die­ser Buch­tipp viel­leicht nicht für jeden Schü­ler etwas, aber gera­de für eine Befas­sung mit dem The­ma Jugend­ge­walt und Wer­te ist das Buch eine geeig­ne­te Vor­la­ge.

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Houellebecq, Michel — Unterwerfung

Es ist schon ver­wun­der­lich, wie in letz­ter Zeit rund um das Atten­tat auf Char­lie Heb­do der Schrift­stel­ler Michel Hou­el­le­becq als intel­lek­tu­el­les Gegen­ge­wicht zum Isla­mis­mus gehan­delt wur­de. Dabei hat­ten die Wenigs­ten sein Buch gele­sen und ich ver­mu­te, vie­le, die in Zei­ten des Houellebecq-Hypes sei­nen neu­es­ten Schmö­ker ange­schafft haben, wer­den ernüch­tert sein.

Hou­el­le­becq lie­fert kei­nen pro­vo­kan­ten Roman über Ängs­te einer Isla­mi­sie­rung des All­tags. In sei­ner Geschich­te wird in erstaun­lich kur­zer Zeit Frank­reich dank einer Regie­rung einer mus­li­mi­schen Par­tei und dank aus­ge­spro­chen oppor­tu­nis­tisch Mit­bür­ger auf links gekrem­pelt. Und das so unspek­ta­ku­lär wie unglaub­wür­dig. Punk­tet Hou­el­le­becq anfangs noch mit einer Spie­ßer­kri­tik von Uni-Absolventen, die sich nach dem Ende des Stu­di­ums bereit­wil­lig der ätzen­den Ein­glie­de­rung in die Arbeits­welt erge­ben, kippt der Roman spä­tes­tens beim obli­ka­to­ri­schen hou­el­le­bec­q­schen Rum­ge­bum­se: Schon wie­der wer­den da Schwän­ze und Arsch­lö­cher sau­ber­ge­leckt, und Schwän­ze anschlie­ßend in nass­feuch­te Mösen gesto­ßen. Alles schon gehabt, alles unin­spi­rie­rend, nicht pro­vo­kant und ero­tisch soll es wohl gar nicht sein, denn das Leit­mo­tiv lau­tet ja Unter­wer­fung. Es liest sich wie ein Por­no­dreh­buch, nur dass Por­nos eben kei­ne Dreh­bü­cher haben.

Der Rest ist Katho­li­ken­kitsch, Nietz­sche­ge­säu­sel und geleb­te, sich der Anti­auf­klä­rung erge­be­ne Befind­lich­keit. Ein Daw­kins der Lite­ra­tur, nicht mehr, nicht weni­ger.

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Johler, Jens — Kritik der mörderischen Vernunft

Lau­er Kri­mi wür­de die­sem Schin­ken eher gerecht als die Bezeich­nung Thril­ler. Ein Kil­ler namens Kant macht Jadg auf Gehirn­for­scher. So befür­wor­tenswert die Grund­idee man­chem sein mag, so unin­spi­riert ist die Aus­füh­rung die­ser Geschich­te: Span­nung kommt nicht auf, sprach­lich ist das Buch mau und die Kant-Anspielungen ragen über ein Durch­le­sen der Wikipedia-Artikel zu Kant auch nicht hin­aus — viel­leicht abge­se­hen von dem vor­an­ge­stell­ten, und grob miss­ver­stan­den aus­ge­leg­tem Aus­gangs­zi­tat. Kant ist ein plum­per, nicht intel­li­gen­ter Auf­hän­ger und wähnt den Leser in tie­fe­re Sphä­ren als der Schmö­ker ein­zu­lö­sen ver­mag. Für Kri­mi­al­les­le­ser aller­dings durch­aus geeig­net.
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Altaras Ariana — Doitscha

Die­ses Buch hat mich doch sehr irri­tiert. Es wird von Kri­ti­kern durch­aus gelobt, nur kann ich dem nichts abge­win­nen. Eine jüdi­sche Mut­ter hat ihr Fami­li­en­le­ben, dass von der ener­gi­schen Aus­ein­an­der­set­zung ihres Soh­nes David mit dem müns­ter­län­di­schen Vater geprägt ist, zu orga­ni­sie­ren. Hier­brei tref­fen Tem­pe­ra­ment und Iden­ti­täts­fin­dung auf­ein­an­der.
Es fehlt dem Buch an sprach­li­chem Niveau, wobei es nicht boden­los schlecht for­mu­liert ist, nur eben reiz­arm, nicht erhel­lend, platt. Es ist eine Art Gaby Hau­upt­mann für eine jüdi­sche Prot­ago­nis­tin. Wenn die­se aller­dings jüdisch als gene­tisch ver­erbt betrach­tet und auch sonst jüdisch eher ein Acces­soir als Über­zeu­gung ist, ver­kommt die gan­ze Geschich­te zu Plap­pe­rei.
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Kehrer, Jürgen — Schuß und Gegenschuß

Ein abge­sack­ter Wils­berg hat mit dem nie­de­ren Film­busi­ness zu tun und trifft auf abge­half­ter­te Mit­ar­bei­ter des Gen­res. Span­nung bleibt aus, Über­ra­schungs­ef­fek­te sind nicht vor­han­den, Lokal­ko­lo­rit und Figu­ren­zeich­nung mäßig, aber vor allem sprach­lich ist die­ser Teil der Kri­mi­rei­he ein­schlä­fernd.

Der Autor macht nicht den Ein­druck, als kön­ne er der Figur Wils­berg noch irgend­wel­che inter­es­san­ten Aspek­te abge­win­nen, die Serie hät­te hier enden kön­nen — geht aber noch 12 Tei­le wei­ter.

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Kehrer, Jürgen — Lambertussingen

Dies ist der zwei­te Teil der Bastian-Matt-Reihe vom Wilsberg-Erfinder, die etwas im Müns­te­ra­ner Umfeld spie­len soll: Ein Frau­en­mör­der zieht mit sei­nem Cam­ping­wa­gen durchs Müns­ter­land und ori­en­tiert sich beim Töten am Lied des Lam­ber­tus­sin­gens.

Keh­rer legt in die­sem Fall Wert auf die kor­rek­te Beschrei­bung von Poli­zei­ar­beit und Täter­psy­cho­lo­gie. Lei­der geht dies stark zu Las­ten der eigent­li­chen Geschich­te, denn die ist abge­lutscht, unspan­nend, witz­los und vor­her­seh­bar. Und wenn Keh­rer der asia­ti­schen Gerichts­me­di­zi­ne­rin andich­tet, dass sie dau­ernd deut­sche Sprich­wör­ter anwen­det und dies kon­se­quent falsch, dann nervt das irgend­wann nur noch. Lokal­ko­lo­rit besitzt das Buch kei­nen, die Figu­ren­zeich­nung ist sub­stanz­los, es ist bei aller Span­nungs­lo­sig­keit nicht schlecht geschrie­ben, hier­bei auch bes­ser als der Rest der Müns­ter­land­kri­mis, aber ohne rech­ten Pfiff.

Eine Lese­emp­feh­lung für alle, die bei die­ser Serie am Ball blei­ben wol­len, und für Kri­mi­le­ser, die auf Ner­ven­kit­zel ver­zich­ten möch­ten.

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Kehrer, Jürgen — Kein Fall für Wilsberg

Wei­te­rer Schritt in mei­nem Vor­ha­ben, ein­mal die Wilsberg-Romane durch­zu­le­sen: Der vier­te Schmö­ker der Rei­he . Ein Indus­tri­el­ler eines Vor­orts von Müns­ter wird ermor­det auf­ge­fun­den. Sei­ne Fir­ma ist in Waf­fen­lie­fe­run­gen ver­strickt und er hat ein per­sön­li­ches Geheim­nis. Sämt­li­che Figu­ren bis auf Wils­berg blei­ben farb­los, der Fall haut einen nicht vom Hocker, Lokal­ko­lo­rit ist auch kaum gege­ben, ein­zig die Mord­me­tho­de bleibt viel­leicht etwas im Hin­ter­kopf. Ansons­ten geht sich die­ser Text im Rausch all­täg­li­cher Infor­ma­tio­nen ziel­si­cher unter.
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