Kuttner, Sarah — Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart

Sarah Kutt­ner fand ich immer nett und woll­te nie ein Buch von ihr Lesen. Da ich dann die­sen Schmö­ker fand, wan­der­te er zumin­dest ganz kurz mal aufs Klo. Und dann blät­tert man da rein, ist ent­täuscht, weil der quiet­schi­ge Inhalt so flach wie die Schreib­kunst ist, blät­tert wei­ter und wei­ter, weil viel­leicht doch noch was Inter­es­san­te­res kom­men könn­te, kommt dann zu län­ge­ren, aber eben nicht tief­schür­fe­ren­den Tex­ten — anfangs wer­den nur kolumm­nen­ar­tig Fra­gen beant­wor­tet — und schwupps ist das Büch­lein am Ende. Dass es sol­che Tex­te ernst­haft in die Süd­deut­sche Zei­tung geschafft haben, ist wohl nur dem Ver­mark­tungs­wert geschul­det. Ein ande­rer Leser ver­reißt die­ses Kau­gum­mi­werk so:

Bei der Beant­wor­tung jeder Fra­ge greift sie das The­ma auf, nimmt ein Wör­ter­buch zur Hand und ent­nimmt die­sem irgend­ei­nen x-beliebigen Begriff. Die­sen lässt sie dann zusam­men mit eini­gen Tri­via­li­tä­ten ihres All­tags in die Ant­wort ein­flie­ßen. Was bis­wei­len als frech, unkon­ven­tio­nell und post­mo­dern geprie­sen wird, ist bei nüch­ter­ner Betrach­tung blan­ker Non­sens. Da die begriff­li­chen Ver­bin­dun­gen (Weihnachtsmann-Mundgeruch, Frank Elstner-Epiliergeräte, etc.) kei­ner Geis­tes­leis­tung, son­dern eher dem Zufall geschul­det sind, fehlt der intel­lek­tu­el­le Mehr­wert in dem Buch fast voll­stän­dig.

Das Cover ist noch das Bes­te an die­sem Bänd­chen, daher gibt es für die­sen lah­men Schmö­ker von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn

Die­ser Schmö­ker ist eigent­lich ein Jugend­buch, aber wegen sei­nes Wit­zes und der Kür­ze sei­ner Ein­zel­epi­so­den durch­aus auch für Erwach­se­ne Broi­ler inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beer­di­gung als ein­zi­ger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arsch­loch war, wird Herc zur Stra­fe zu sei­nem Onkel geschickt, der ihm wie sei­nem Namens­ge­ber für die Zeit sei­nes Auf­ent­halts 12 Tag für Tag abzu­ar­bei­ten­de Auf­ga­ben stellt:

  1. Such dir eine Auf­ga­be.
  2. Fin­de den bes­ten Pizza­la­den der Stadt.
  3. Räum die Gara­ge auf.
  4. Mis­te die Stäl­le auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pet­tes Buch.
  6. Begib dich an einen Ort der Hul­di­gung und des Gebets.
  7. Geh zu sie­ben Bewer­bungs­ge­sprä­chen.
  8. Ver­bring den Tag mit gro­ßen Gedan­ken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahl­zeit mit einem Uneb­kann­ten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nachts­ly­rik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Been­de dei­ne Auf­ga­be.

Die Geschich­ten behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzsch­hahn den mit­un­ter schrof­fen Stil des Ori­gi­nals und erhei­tern durch wie­der­hol­te Aus­he­be­lung der Erwar­tun­gen des Lesers. Der auf­hei­tern­de Schmö­ker bekommt von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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von der Lippe, Jürgen — Beim Dehnen singe ich Balladen

Jür­gen von der Lip­pes Schmö­ker haben nicht sel­ten die Eigen­schaft, dass sie in der eige­nen Wie­der­ga­be nicht so lus­tig sind, als wenn der Autor selbst sein Werk wie­der­gibt. Dahin­ge­hend scheint auch der etwas brä­si­ge Titel die­ses Schin­kens zu ver­wei­sen. Aller­dings soll­te man sich in die­sem Fall nicht täu­schen las­sen: Der Enter­tai­ner unter­hält den geneig­ten Leser durch­aus gut mit absur­der Situa­ti­ons­ko­mik — wenn auch die Geschichts­en­den, von denen er anfangs schreibt, dass sie gut sein müs­sen, reih­nen­wei­se ent­täu­schen.

Auch wenn die Geschich­ten in vor­ge­tra­ge­ner Form erst ihren eigent­li­chen Reiz ent­fal­ten — das Hör­buch mit Caro­lin Kebe­kus und Jochen Malms­hei­mer sei an die­ser Stel­le wärms­tens empfohlen-, gibt es für die­sen gelun­ge­nen, kurz­wei­igen Schmö­ker von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Homering-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst: Perlen des Lokaljournalismus

Die Facebook-Seite Per­len des Lokal­jour­na­lis­mus hat mitt­ler­wei­le über 190.000 Fans, jetzt gibt es den Schmö­ker zur Sei­te. Aber wer die Sei­te schon kennt, wird nicht son­der­lich begeis­tert sein: Das Buch beinhal­tet nur Alt­be­kann­tes und die Kom­men­ta­re zu den Zei­tungs­schnip­seln sind doch sehr kurz.

Die­ser Schmö­ker ist wohl nur was für Leu­te ohne Inter­net­an­schluss, aber wegen der guten Aus­gangs­idee gibt es von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Munroe, Randall — What if?

Dies ist die zwei­te Webcomic-Reihe von Rand­all Mun­roe nach xkcd in Buch­form. Es wer­den diver­se außer­ge­wöhn­li­che Fra­gen so ernst wie mög­lich behan­delt. Jetzt weiß ich also, dass es wahr­schein­li­cher ist, irgend­ei­ne Tele­fon­num­mer anzu­ru­fen, “Gesund­heit” zu sagen und der­je­ni­ge, der den Hörer abge­nom­men hat, hat gera­de tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu krie­gen. Und dass 2060 Face­book wahr­schein­lich mehr Pro­fi­le Toter als Leben­di­ger hat. Und dass ich durch Tee­um­rüh­ren das Tee­was­ser nicht zum Kochen brin­gen kann. Wie wun­der­voll!

Die­ser Schmö­ker ist ein erhel­len­der, nicht ganz anspruchs­lo­ser Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält, da er wohl für jeden etwas Inter­es­san­tes birgt, von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Gottwald, Caroline — Ist der Hahn tot, wenn man ihn zudreht?

Wit­zi­ger als im Buch­ti­tel wird die­ser Schmö­ker nicht. Die Auto­rin greift irgend­wann nach jedem Stroh­halm, um Fra­gen stel­len zu kön­nen. Das ist bemüht, aber eben völ­lig geist­los.

Die­ser Schmö­ker ist zwar kein erhel­len­der, schnell ner­ven­der Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Berlin, Katja und Peter Grünlich — Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt

Dies ist der Nach­fol­ger

von Was wir tun, wenn der Auf­zug nicht kommt und steht die­sem in Sachen Humor in nichts nach. Die ein­zel­nen Gra­fi­ken sind schnell erfass­bar und das Buch als sol­ches schnell durch­blät­ter­bar, ohne dass es die Schmun­zel­ge­fahr außer Kraft set­zen wür­de.

Die­ser Schmö­ker zwar kein erhel­len­der, dafür unge­mein unter­halt­sa­mer Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Kühn, Totte — Am Ende der Wels

Geburts­tags­ge­schen­ke in Buch­form kön­nen auch Über­ra­schungs­tref­fer sein, des­we­gen rate ich eigent­lich kaum jemand, außer den erfah­re­nen Fehl­schen­kern, von Buch­ge­schen­ken ab. Eigent­lich kann man die Schin­ken ja auch dann noch irgend­wie ver­wurs­ten als Wei­ter­ge­schenk­tes oder so.

Am Ende des Wels von Tot­te Kühn, der auch bei den Mons­ters of Lie­der­ma­ching — hier mal eine Kost­pro­be — singt, ist so ein Schmö­ker.

Der Erst­ling ent­hält diver­se Erzäh­lun­gen aus dem Leben eines Musi­kers, rea­lis­tisch oder erspon­nen, da greift alles mal inein­an­der. Die Geschich­ten kom­men aber so ent­spannd und nicht über­am­bi­tio­niert daher, dass das Lesen immer wie­der Freu­de berei­tet. Auch hebt sich das Sprach­ni­veau und der Ein­falls­reich­tum Kühns ange­nehm von denen vie­ler sei­ner aktu­ell deutsch sin­gen­den Kol­le­gen ab.

Die­ser Schmö­ker ein kurz­wei­li­ger, über­ra­schend unter­halt­sa­mer Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Birr, Tilman — Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern zu Besuch hinfahren

Der Schin­ken war ein Geburts­tags­ge­schenk. Man soll mir ja eher nicht so Bücher schen­ken. Sowas ist immer schwie­rig, wenn der Beschen­ker den Beschenk­ten nicht so kennt. Aber ab und zu pas­siert das dann doch. Und man liest das dann. War ja ein Geschenk. Und man ver­zwei­felt.

Birr ist Slam Poet. Wobei: Heut­zu­ta­ge schimpft er sich Kaba­ret­tist, weil das wohl erwach­se­ner klingt. Und er hat die­ses Buch irgend­wie geschrie­ben, was man nur lesen soll­te, wenn man sich selbst inner­lich einen auf­ge­brach­ten Slam Poe­ten auf­le­ben lässt.

Nüch­tern geht’s nicht. Das Buch will hip sein und kommt mit Städ­te­be­schimp­fun­gen an, die ande­re schon bes­ser vor­ge­macht haben. Das Buch will lus­tig sein. Ist es nicht. Zum Ver­re­cken nicht. Es ist unge­fähr so, als wür­de Jan Hofer das Hör­buch zu Die Super­na­sen ein­spre­chen. Das klingt dann so:

Was haben Sta­lin, Hit­ler und Jack the Rip­per gemein? Sie alle waren mal Kin­der. Das kann doch kein Zufall sein!

Grot­tig.

Die­ser Schmö­ker ein öder Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Gsella, Thomas — Reiner Schönheit Glanz und Licht Ihre Stadt im Schmähgedicht

Tho­mas Gsel­la hat divers­te Städ­te mit Schmäh­ge­dich­ten bedacht und — sage Bub — Ibben­bü­ren ist auch mit dabei. Bes­ser gefällt mir ja Düs­sel­dorf, aber das ist sicher auch Geschmacks­sa­che.

Das Gan­ze gibt es online, aber auch zwi­schen Buch­de­ckeln

. Die Gedich­te ins­ge­samt sind mal mehr, mal weni­ger wit­zig, oft­mals zeigt Gsel­la aller­dings, dass er etwas vom raf­fi­nier­ten Gedicht­schrei­ben ver­steht.

Somit ist die­ser Schmö­ker ein kurz­wei­li­ger, aber respek­ta­bler Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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