Schill, Nadine — Hochzeitsplanung für Dummies

Einen ganz guten Über­blick über diver­se The­men einer Hoch­zeit, so wie man sie heut­zu­ta­ge ange­hen soll­te, bie­tet die­ser Schmö­ker der Dummies-Reihe. Wobei die Rat­schlag­ge­be­rei im Detail lei­der schon wie­der etwas schwach aus­fällt:

Eine Band kos­tet in etwa das Drei- bis Vier­fa­che eines DJs. (…) Eine gute Band hat ein­fach ihren Preis. Hier muss man schon ein wenig den Namen mit­be­zah­len. Aus ver­schie­de­nen Grün­den ist ein DJ aber ohne­hin fast immer die bes­se­re Wahl: Bands ver­fü­gen oft über kein so gro­ßes Reper­toire. Der DJ kann hin­ge­gen die Charts der letz­ten 30 Jah­re aus sei­nem Kof­fer zau­bern. Zudem benö­tigt eine Band viel Platz und sie pro­du­ziert eine gewis­se Grund­laut­stär­ke.

Also da haben wir gera­de eine gegen­tei­li­ge Erfah­rung gemacht: DJs unter 1000€ – sofern man sie nicht schon kennt – sind kaum zu bekom­men, wenn man sicher gehen möch­te, dass der- oder die­je­ni­ge in der Lage ist, Hoch­zei­ten musi­ka­lisch im Griff zu haben. Eine Band liegt da nicht weit von ent­fernt, man muss auch gera­de nicht den Namen mit­be­zah­len, mei­ner Mei­nung nach sind pas­sen­de Bands mit­un­ter preis­wert.

Und was den Hoch­zeits­fo­to­gra­fen angeht:

Der Ama­teur (…) ist unschlag­bar güns­tig. Das wer­den Sie sei­nen Bil­dern jedoch auch stets anse­hen. (…) Schlech­te Bil­der jedoch wer­den Sie ein Leben lang beglei­ten!

Das ist der Pos­ten, den wir gera­de auf Null geschraubt haben, eben weil wir pro­fes­sio­nel­le Foto­gra­fen, die wir bis­lang erlebt haben, so gar nicht gut fan­den. Wir set­zen auf den Ama­teur, der Spaß dar­an hat, sicher nicht nur Fotos machen wird, aber auch, und der sehr wohl pro­fes­sio­nel­le Fotos hin­be­kommt.

Kurz­um: Die Band­brei­te der The­men lässt nichts fast nichts zu wün­schen übrig, aller­dings hät­ten Tipps, wie man ohne Qua­li­täts­ver­lust Ein­spa­run­gen machen kann, dem Buch – das für sich abso­lut preis­wert ist — gut getan. Das Buch ist im Umfang der auf­ge­stell­ten Fra­gen und mit diver­sen unter­schied­li­chen Mei­nun­gen sehr emp­feh­lens­wert. Die Ant­wor­ten – abge­se­hen vom recht­li­chen Bereich — gibt man sich dann aber bes­ser ein­fach selbst.

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Emcke, Carolin — Gegen den Hass

Ich dach­te erst, man müss­te die Auto­rin even­tu­ell gegen ihre Kri­ti­ker in Schutz neh­men, aber all­zu schlimm fand ich die Kri­tik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktu­el­len Buch mit den auf­kei­men­den und gedie­he­nen natio­na­lis­ti­schen Posi­tio­nen in Deutsch­land und dar­über hin­aus, wobei sie einen Akzent set­zen möch­te für die Ver­tei­di­gung von Min­der­hei­ten im Lich­te des Popu­lis­mus die­ser Zeit. Sie bril­liert an den Stel­len, an denen sie Posi­tio­nen als dis­kri­mi­nie­rend und pole­mi­sie­rend demas­kiert, indem sie die Posi­ti­on unauf­ge­regt ent­schlüs­selt. Weni­ger über­zeu­gend ist Emcke aller­dings in ihrer Ein­ord­nung von Posi­tio­nen in einen his­to­ri­schen oder wis­sen­schaft­li­chen Kon­text. So bestimmt sie die “Par­tei­lich­keit der Ver­stan­des­waa­ge” aus einer Text­stel­le aus Kants “Träu­me eines Geis­ter­se­hers”, d.i. ein Text vor des­sen so genann­ter kri­ti­schen Pha­se, als “Vor­ein­ge­nom­men­heit durch die Hoff­nung”, wobei es an der betref­fen­den Stel­le im Kan­ti­schen Text über­haupt nicht um Hoff­nung geht. Um Hoff­nung geht es bei Kant in der Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie. So ein Name­drop­ping ist so wenig über­zeu­gend wie beein­dru­ckend. Und auch wenn ande­re Stel­len in ihrer gewoll­ten Beleh­rung eher ner­ven als ein­neh­men, ist das Buch wegen der Ana­ly­se­fäh­rig­keit der Auto­rin emp­feh­lens­wert.

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Venske, Henning — Es war mir ein Vergnügen

Hen­ning Vens­ke hat sei­ne Auto­bio­gra­phie nie­der­ge­schrie­ben, was viel­leicht weni­ger eine genaue Bio­gra­phie ist als viel­mehr ein Beglei­ten der poli­ti­schen Ver­än­de­run­gen in der Bun­des­re­pu­blik und des ver­ein­ten Deutsch­lands seit dem Krieg.

Es ist beein­dru­ckend zu erfah­ren, wie er als Jun­ge sich aus Stet­tin zu Fuß mit Mut­ter, Tan­te und Bru­der nach Ham­burg durch­schlägt und den­noch eine so mun­te­re Kind­heit und Jugend erfährt. An vie­len Stel­len kommt die Bis­sig­keit des Kaba­ret­tis­ten Vens­ke durch, sein Aus­schei­den bei der Sesamsta­ße — woher ich ihn neben Als die Autos rück­wärts fuh­ren als Kind kann­te — hat­te wohl auch poli­ti­sche Grün­de.

Die Geschich­ten aus den spä­te­ren Jah­ren als Kaba­ret­tist, den ich aus dem Fern­se­hen kann­te, lie­fer­te mir net­tes Hin­ter­grund­wis­sen zur Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft. Ein net­tes Lese­ver­gnü­gen zu einem der Stars mei­ner Kind­heit.

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Steinbeck, Michelle — Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mit­ge­nom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dys­to­pi­sche Traum­welt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­la­den und irri­tiert. Das alles folgt dem Syrea­lis­mus, den man aus Träu­men kennt, der gegen rea­lis­ti­sche Ein­schät­zun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als sei­en auch die sku­rils­ten Situa­tio­nen nor­mal. Stein­becks Spra­che ist aus­ufernd, so wie es für einen Traum nicht unpas­send ist, unge­mein varia­bel und nie­mals platt. Auch auf Wit­ze­lei­en wird gott­sei­dank ver­zich­tet. Das ergibt am Ende viel­leicht nicht einen ganz gro­ßen lite­ra­ri­schen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­tü­re.
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Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn

Die­ser Schmö­ker ist eigent­lich ein Jugend­buch, aber wegen sei­nes Wit­zes und der Kür­ze sei­ner Ein­zel­epi­so­den durch­aus auch für Erwach­se­ne Broi­ler inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beer­di­gung als ein­zi­ger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arsch­loch war, wird Herc zur Stra­fe zu sei­nem Onkel geschickt, der ihm wie sei­nem Namens­ge­ber für die Zeit sei­nes Auf­ent­halts 12 Tag für Tag abzu­ar­bei­ten­de Auf­ga­ben stellt:

  1. Such dir eine Auf­ga­be.
  2. Fin­de den bes­ten Pizza­la­den der Stadt.
  3. Räum die Gara­ge auf.
  4. Mis­te die Stäl­le auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pet­tes Buch.
  6. Begib dich an einen Ort der Hul­di­gung und des Gebets.
  7. Geh zu sie­ben Bewer­bungs­ge­sprä­chen.
  8. Ver­bring den Tag mit gro­ßen Gedan­ken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahl­zeit mit einem Uneb­kann­ten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nachts­ly­rik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Been­de dei­ne Auf­ga­be.

Die Geschich­ten behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzsch­hahn den mit­un­ter schrof­fen Stil des Ori­gi­nals und erhei­tern durch wie­der­hol­te Aus­he­be­lung der Erwar­tun­gen des Lesers. Der auf­hei­tern­de Schmö­ker bekommt von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Biller, Maxim — Der gebrauchte Jude

Maxim Bil­ler ist ein begab­ter Schrift­stel­ler, dem sei­ne Eitel­keit etwas im Weg steht, aber das ist eben auch sein Weg. Die­ser bio­gra­phi­sche Schmö­ker bie­tet einen inter­es­san­ten Ein­blick in das Leben eines jüdi­schen Schrift­stel­lers in Deutsch­land, das zwangs­läu­fig aneckt und wei­ter in Bewe­gung bleibt. An den Stel­len, an denen der Autor intel­lek­tu­ell wir­ken will, ist es aller­dings eher platt.
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Hoes, Isa — Toen ik je zag

Ich war sehr ernüch­tert, als ich vor kur­zem erst mit­be­kam, dass Anto­nie Kamer­ling gestor­ben ist. Sei­ne Ehe­frau schrieb die­ses Buch über ihr Zusam­men­le­ben mit Kamer­ling, die Anfän­ge der Kar­rie­ren der bei­den, das Grün­den der Fami­lie und die bipo­la­re Stö­rung, unter der Kamer­ling litt und nicht über­win­den konn­te. Der Titel ist der sei­nes größ­ten Hits. Das Buch ist so ehr­lich wie bit­ter, weil mehr Fra­gen und Zwei­fel blei­ben, als aus­ge­räumt wer­den kön­nen. Es ist ein Pro­to­koll des Mit­lei­dens und Schei­terns, des Sich-Übergebens an den Tod und des Stand­hal­tens. Es ist eines der bes­ten Bücher in der nie­der­län­di­schen Lite­ra­tur der letz­ten Jah­re.
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Pollatschek, Nele — Das Unglück anderer Leute

Die Auto­rin erzählt schein­bar nahe an ihrer eige­nen Bio­gra­phie die Fami­li­en­ge­schich­te von The­ne, die von sozio­pa­thisch wir­ken­den Eltern groß­ge­zo­gen wird, in Oxford stu­diert, als plötz­lich ihre Mut­ter stirbt — was der Anfang allen Unheils ist. Das Buch hat im zicki­gen Ver­hält­nis zwi­schen Toch­ter und Mut­ter sei­ne Stär­ken und die Schwä­chen dar­in, dass außer der Haupt­fi­gur kein Inter­es­se für ande­re Figu­ren besteht. Auch der Umstand, dass die Geschich­te ohne Witz erzählt wird, wobei sie im Fol­gen­den rea­lis­ti­sche Sphä­ren ver­lässt, lässt Lan­ge­wei­le auf­kom­men.

Die Geschich­te ist nah an Ingrid Noll, Anli­na Bron­sky und Ildikó von Kür­thy, ver­passt aber, ein gutes Buch zu wer­den, weil es Wen­dun­gen Cha­rak­te­ren vor­zieht.

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Sünder, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tante Käthe ausladen

Wer zu hei­ra­ten beab­sich­tigt, darf auch mal ein Buch zur Hand neh­men, wie eine Hoch­zeits­fei­er denn ablau­fen soll. Und da griff ich zu die­sem Schmö­ker von Tho­mas Sün­der, einem Ham­bur­ger DJ.

Der Autor beschreibt ganz tref­fend, dass man sich klar­ma­chen soll­te, dass es sich bei die­ser Fei­er wohl um die teu­ers­te Ver­an­stal­tung han­deln wird, die man pri­vat in sei­nem Leben aus­rich­ten wird. Und zur Unter­maue­rung, dass man es sich allein aus die­sem Grun­de bei den diver­sen Ein­zel­ent­schei­dun­gen nicht zu leicht machen soll, fügt er diver­se unter­hal­ten­de Bei­spie­le an.

Die­se Bei­spie­le wir­ken zwar auf den ers­ten Blick etwas weit weg, weil nicht jeder Vor­fall so bei einem selbst ein­tre­ten wird, aber dafür tre­ten ande­re ein, die die Hei­rats­wil­li­gen vor ver­gleich­ba­re Pro­ble­me stel­len.

Als DJ ist er bei der Fra­ge nach der Musik auf einer Hoch­zeit natür­lich ganz in sei­nem Metier: Man soll­te gera­de auf die Musik­dar­bie­tung ach­ten, da sie einen ganz gro­ßen Teil der Hoch­zeit aus­macht. Sün­der spricht in der Fol­ge von über­teu­er­ten und zu bil­li­gen DJs, von typi­schen Anmach­sprü­chen an DJs und von untaug­li­chen Bewer­bungs­sprü­chen der Musi­kan­ten.

Uns hat die Lek­tü­re nach Durch­schau­en des Inter­net und Infor­ma­tio­nen über das Kön­nen loka­ler DJs dazu bewo­gen, eine Band zu enga­gie­ren. So unge­fähr funk­tio­niert der Schmö­ker und inso­fern ist er nütz­lich.

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von der Lippe, Jürgen — Beim Dehnen singe ich Balladen

Jür­gen von der Lip­pes Schmö­ker haben nicht sel­ten die Eigen­schaft, dass sie in der eige­nen Wie­der­ga­be nicht so lus­tig sind, als wenn der Autor selbst sein Werk wie­der­gibt. Dahin­ge­hend scheint auch der etwas brä­si­ge Titel die­ses Schin­kens zu ver­wei­sen. Aller­dings soll­te man sich in die­sem Fall nicht täu­schen las­sen: Der Enter­tai­ner unter­hält den geneig­ten Leser durch­aus gut mit absur­der Situa­ti­ons­ko­mik — wenn auch die Geschichts­en­den, von denen er anfangs schreibt, dass sie gut sein müs­sen, reih­nen­wei­se ent­täu­schen.

Auch wenn die Geschich­ten in vor­ge­tra­ge­ner Form erst ihren eigent­li­chen Reiz ent­fal­ten — das Hör­buch mit Caro­lin Kebe­kus und Jochen Malms­hei­mer sei an die­ser Stel­le wärms­tens empfohlen-, gibt es für die­sen gelun­ge­nen, kurz­wei­igen Schmö­ker von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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