Weihnachtsbuchgeschenktipps

Wer kurz vor Weih­nach­ten noch ein Geschenk braucht, nicht irgend­was schen­ken will und Büchern nicht abge­neigt ist, dem sei fol­gen­des emp­foh­len:

Lite­ra­tur / Thril­ler
Mei­ne Tan­te beschwert sich mal, dass sie seit­dem sie 80 ist nur noch Bücher übers Älter­wer­den und den Tod bekä­me. Des­we­gen bekommt sie nun Fumi­no­ri Naka­mu­ra — Der Dieb. Eine span­nen­de Geschich­te aus dem All­tags­le­ben eines Taschen­die­bes in Tokio, den sei­ne Ver­gan­gen­heit ein­holt.

Lite­ra­tur / Lie­bes­ge­schich­te
Tho­mas Mey­er — Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Rei­se in die Arme einer Schick­se. War in der Schweiz ein Best­sel­ler und beschreibt wit­zig das jüdi­sche All­tags­le­ben in der Schweiz.

Lite­ra­tur / Fami­li­en­ge­schich­te
Ali­na Bron­sky — Baba Dun­jas letz­te Lie­be. Baba Dun­ja schreibt Brie­fe an ihre Toch­ter Iri­na, die Chir­ur­gin bei der deut­schen Bun­des­wehr ist, über das Leben in ihrem rus­si­schen Dorf: Was­ser gibt es aus dem Brun­nen, Elek­tri­zi­tät an guten Tagen und Gemü­se aus dem eige­nen Gar­ten. Doch dann kommt ein Frem­der ins Dorf und bedroht die Dorf­ge­mein­schaft.

Kin­der­buch ab 4 Jah­ren
Ali­ce Mel­vin — Emma kauft ein. Sehr schön bebil­der­te Kurz­ge­schich­te.

Kin­der­buch
Oren Lavie — Der Bär, der nicht da war. “Da ist er, der Bär, der gera­de noch nicht da war, und zieht aus sei­ner Tasche einen Zet­tel, auf dem steht: »Bist du ich?« Gute Fra­ge, denkt er sich, fin­den wir es her­aus! Sofort macht er sich auf und wan­dert in den wun­der­sa­men Wald.” Ein­falls­rei­che Geschich­te mit wun­der­vol­ler Bebil­de­rung — auch für Erwach­se­ne.

Eng­li­scher Schmö­ker
Ein mys­te­riö­ser Mann gibt Zwil­lin­gen einen Con­trol­ler, der aber nicht für ihre bis­he­ri­gen Video­spie­le geeig­net ist. Als sie ver­ste­hen, was man über ihn beein­flusst, wäh­nen sie sich im Land ihrer Träu­me. David Bad­diel — The Per­son Con­trol­ler.

Nie­der­län­di­sche Bio­gra­phie
Isa Hoes — Toen ik je zag. Die Lebens­ge­fähr­tin von Anto­nie Kamer­ling ali­as Hero beschreibt ihr Leben im Medi­en­zir­kus der 90er Jah­re und die Krank­heit von Kamer­ling, die in einer Tra­gö­die ende­te.

Klo­lek­tü­re
Es ist wahrschein­licher, irgen­deine Tele­fon­num­mer anzu­rufen, “Gesund­heit” zu sagen und der­jenige, der den Hörer abgenom­men hat, hat ger­ade tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu krie­gen. Die­se und mehr merk­wür­di­ge Weis­hei­ten fin­den sich in: Rand­all Mun­roe — What if?

Für Reise­in­ter­es­sier­te / klei­ner Preis
Einen unge­mein unter­halt­samen Kennnlern­schmöker hat Mile­na Moser da geschrie­ben. Die gebür­tige Zür­che­rin beschreibt ihre Geburts­stadt Zürich anek­doten­re­ich und ohne Aus­las­sung der Macken ihrer Ein­wohner oder den Nach­tei­len der Stadt. Abgerun­det wird Gebrauchs­an­wei­sung für Zürich mit Krim­i­le­setipps und Heimatliebe­bekun­dun­gen einge­sessener Zür­cher. Unter­halt­sam, selbst wen man nicht in nächs­ter Zeit nach Zürich rei­sen möch­te.

Für Reise­in­ter­es­sier­te / geho­be­ner Preis
Jud­tih Schalan­sky — Atlas der abge­le­ge­nen Inseln: Fünf­zig Inseln, auf denen ich nie war und nie­mals sein wer­de. Groß­ar­ti­ger Schmö­ker mit beein­dru­cken­den Gra­fi­ken der Auto­rin, in dem genau das ist, was der Titel ver­spricht.

Geschich­te
Mar­tin Kit­chen — Speer: Hilter’s Archi­tekt. Es ist so beein­dru­ckend wie merk­wür­dig, dass es nach der Bio­gra­phie von Joa­chim C. Fest, des­sen Ansich­ten getrübt sind, noch kei­ne bes­se­re Bio­gra­phie zu Albert Speer gege­ben hat. Bis zu die­ser.

Kochen
Roland Trettl — Ser­viert – Die Wahr­heit über die bes­ten Köche der Welt. Kurz­wei­li­ge Abrech­nung des Star­kochs mit den bes­ten Köchen sei­ner Zunft, das am bes­ten ist, wenn er ein paar der bes­ten Rezep­te die­ser Meis­ter ver­rät.

Hör­buch
Pas­tew­ka & Kom­pli­zen — Paul Temp­le und der Fall Gre­go­ry. Bas­ti­an Pas­tew­ka kla­mü­sert sich einen fast ver­lo­ren gegan­ge­nen Fall von Fran­cis Durbridge zusam­men und ver­setzt ihn mit etwas Humor. Sehr lus­tig.

[ Die Links zu den Büchern sind Wer­be­links. ]

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Moser, Milena — Gebrauchsanweisung für Zürich

Einen unge­mein unter­halt­sa­men Kennn­lernschmö­ker hat Mile­na Moser da geschrie­ben. Die gebür­ti­ge Zür­che­rin beschreibt ihre Geburts­stadt anek­do­ten­reich und ohne Aus­las­sung der Macken ihrer Ein­woh­ner oder den Nach­tei­len der Stadt. Abge­run­det wird die Rund­rei­se mit Kri­mi­le­se­tipps und Hei­mat­lie­be­be­kun­dun­gen ein­ge­ses­se­ner Zür­cher. Eine Stadt, die unmo­dern blei­ben will, was den einen oder ande­ren Leser befrem­den wird. Aber inter­es­sant ist es alle­mal.
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Meyer, Thomas — Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Bei die­sem Schin­ken han­delt es sich um einen schwei­zer Best­sel­ler um einen jun­gen jüdi­schen Stu­den­ten, der sich in eine nicht­jü­di­sche Mit­stu­den­tin ver­knallt — zum Leid­we­sen sei­ner Mut­ter. Tho­mas Mey­er gelingt ein ver­gnüg­li­cher Ein­blick in eine jüdi­sche Fami­lie in Zürich, wenn auch die Lie­bes­ge­schich­te etwas über­kan­di­delt daher kommt. Aber eini­ge sehr gute Lacher sind drin.
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Homering-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst: Perlen des Lokaljournalismus

Die Facebook-Seite Per­len des Lokal­jour­na­lis­mus hat mitt­ler­wei­le über 190.000 Fans, jetzt gibt es den Schmö­ker zur Sei­te. Aber wer die Sei­te schon kennt, wird nicht son­der­lich begeis­tert sein: Das Buch beinhal­tet nur Alt­be­kann­tes und die Kom­men­ta­re zu den Zei­tungs­schnip­seln sind doch sehr kurz.

Die­ser Schmö­ker ist wohl nur was für Leu­te ohne Inter­net­an­schluss, aber wegen der guten Aus­gangs­idee gibt es von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Munroe, Randall — What if?

Dies ist die zwei­te Webcomic-Reihe von Rand­all Mun­roe nach xkcd in Buch­form. Es wer­den diver­se außer­ge­wöhn­li­che Fra­gen so ernst wie mög­lich behan­delt. Jetzt weiß ich also, dass es wahr­schein­li­cher ist, irgend­ei­ne Tele­fon­num­mer anzu­ru­fen, “Gesund­heit” zu sagen und der­je­ni­ge, der den Hörer abge­nom­men hat, hat gera­de tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu krie­gen. Und dass 2060 Face­book wahr­schein­lich mehr Pro­fi­le Toter als Leben­di­ger hat. Und dass ich durch Tee­um­rüh­ren das Tee­was­ser nicht zum Kochen brin­gen kann. Wie wun­der­voll!

Die­ser Schmö­ker ist ein erhel­len­der, nicht ganz anspruchs­lo­ser Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält, da er wohl für jeden etwas Inter­es­san­tes birgt, von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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Moers, Walter — Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

Dies ist ein Schin­ken, der schon 15 Jah­re in mei­nem Bücher­schrank war­te­te, gele­sen zu wer­den. Das heißt, anfangs habe ich einen Ver­such gemacht, den aber abge­bro­chen. Ich war Sym­pa­thi­sant der Fern­seh­se­rie, ein Buch in nicht gera­de kur­zer Form schreck­te mich nicht. Die Serie moch­te ich wegen ihres erwach­se­nen­taug­li­chen Humors. So erklär­te dort Käpt’n Blau­bär mal

Mit Kaker­la­ken auf dem Schiff ist das so: Siehst du eine — dann sind da noch neun­und­neun­zig ande­re. Siehst du kei­ne — sind da noch hun­dert.

Wer jetzt auf Wiki­pe­dia schreibt, das Buch sei im Gegen­teil zur Serie auch für Erwach­se­ne, scheint mir die Serie miss­zu­ver­ste­hen. Man fand und fin­det dort immer auch Spit­zen, die Jün­ge­re gar nicht so schnell erfas­sen, wenn über­haupt.

Der Schmö­ker nun an sich befrem­de­te mich damals: Er war weit­aus weni­ger humor­voll, weit­aus mehr auf’s Phan­tas­ti­sche aus. Nicht mein Rei­se­ziel, also wie­der ab in den Bücher­schrank. Und hät­te ich jetzt nicht das Hör­buch von Dirk Bach zur Ver­fü­gung, ich hät­te das Buch wie­der nicht ganz gele­sen, da bin ich mir ziem­lich sicher. Der Schmö­ker ist lei­der weder geist­reich noch son­der­lich humor­voll, dafür aus­ge­spro­chen ein­falls­reich, bei allen Anleh­nun­gen an lite­ra­ri­sche Gigan­ten.

Wenn das eher für Erwach­se­ne, weni­ger für Kin­der sein soll, bleibt doch die Fra­ge: Muss man von Geschich­ten aus­ge­rech­net den Humor sub­tra­hie­ren, um für Erwach­se­ne zu schrei­ben?

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Zimmermann, Eduard — Auch ich war ein Gauner

Es ist schon ganz inter­es­sant zu lesen, wie Edu­ard Zim­mer­mann vor dem Zwei­ten Welt­krieg leb­te und nach dem zwei­ten Welt­krieg ein wenig rum­gau­ner­te. Aber so schlimm war es dann doch nicht. Dass damals viel gehehlt wur­de, mach­te bestimmt vie­le zu Gau­nern, die spä­ter davon ablie­ßen. So ganz spek­ta­ku­lär will mir das nicht vor­kom­men.

Dass er danach aller­dings in hals­bre­che­ri­scher Art und Wei­se in Fracht­räu­men von Schif­fen als blin­der Pas­sa­gier gen Schwe­den schip­per­te, beißt sich für mich fast ein wenig mit sei­nen spä­te­ren War­nun­gen in Akten­zei­chen XY … unge­löst vorm Tram­pen, was etwas bie­der daher­kam.

Die letz­ten 35 Jah­re sei­nes Lebens kom­men viel­leicht gen Ende des Buches etwas kurz, aber man gewinnt einen guten Ein­blick in sei­ne Auf­fas­sung der Kri­mi­nal­sen­dung, die ihn so berühmt mach­te. Alles in allem ein unter­halt­sa­mer Blick in eine jüngst ver­gan­ge­ne Zeit.

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Gottschalk, Thomas — Herbstblond

Auto­bio­gra­phi­en unter­lie­gen immer der Aus­gangs­schwie­rig­keit, dass der Autor die Sache gar nicht ganz oder gerecht erfasst hat, obwohl er doch selbst meist dabei war. So ist das lei­der auch mit Tho­mas Gott­schalk. Der Erfolgs­mo­de­ra­tor von Wet­ten, dass ..? hat kaum eine Erklä­rung für den Erfolg der Sen­dung, sei­nen Anteil dar­an, und kann die unpas­sen­den Ret­tungs­ver­su­che, mit dem man das Publi­kum ver­schreck­te, nicht pas­send ein­schät­zen. Was sei­ne Aus­füh­run­gen zu Jack­ass in die­sem Schmö­ker zu suchen haben — ein ein­zi­ges Rät­sel. Als zu lesen­des Buch ist die ers­te Hälf­te zudem von aus­ge­such­ter Lang­wei­lig­keit: Sein Publi­kum hat ihn immer geliebt. Der Kri­ti­ker­an­spruch an sei­ne Sofain­ter­views waren zu hoch. Dass ihm vor­ge­wor­fen wur­de, sich nicht für das Gesag­te zu inter­es­se­ren — bei Wet­ten, dass..? wie bei Gott­schalk live — das scheint er nicht erfasst zu haben.

Da ist das Hör­buch wesent­lich bes­ser, das legt man nicht so schnell weg. Tie­fe gewinnt das auch nicht, aber immer­hin hat man am Ende eine Kreisler-Interpretation Gott­schalks, die noch das bes­te am gan­zen Hör­buch ist. Das erin­ner­te mich dann auch an eine Epi­so­de in Gott­schalks Leben, die er unter den Tisch fal­len lässt: Das pein­li­che What hap­pen­ed to Rock ‘n’ Roll. Das war kein Rock ‘n’ Roll, das war unge­lenk, unro­ckig und unpas­send. Man merk­te damals, dass er kein Gespür hat­te, ob das, was er cool fand, in die­ser Form auch cool war. Und dass er damit auch nicht über­zeug­te, so sehr die Fern­seh­na­ti­on ihn lieb­te.

Im zwei­ten Teil des Buches kommt Gott­schalk bes­ser in Fahrt, wenn er Die­ter Boh­len kri­ti­siert. Das ist tref­fend und infor­ma­tiv. Dass er sei­ne Vor­abend­show bes­ser allei­ne hin­be­kom­men hät­te und dass das For­mat School’s out irgend­wie bemer­kens­wert wäre, das sind Gedan­ken, die man ihm las­sen kann, sie inter­es­sie­ren sonst kaum jeman­den.

Aber wenn man Gott­schalk vor­le­sen hört, ist er zwei­feil­soh­ne der sym­pa­thi­sche Thom­mie, da ist er nahe dran an dem Gott­schalk, den Fern­seh­deutsch­land so lieb­te: Der­je­ni­ge, der über­ra­schend in irgend­wel­che Situa­tio­nen gewor­fen wird, aus denen er sich mit Humor, dem rich­ti­gen Gespür für die Situa­ti­on, dem pas­sen­den Ton, einem Lächeln und guter Lau­ne her­aus­win­det. Ist es wirk­lich so schwer, dar­aus heut­zu­ta­ge eine Fern­seh­sen­dung zu machen?

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Gottwald, Caroline — Ist der Hahn tot, wenn man ihn zudreht?

Wit­zi­ger als im Buch­ti­tel wird die­ser Schmö­ker nicht. Die Auto­rin greift irgend­wann nach jedem Stroh­halm, um Fra­gen stel­len zu kön­nen. Das ist bemüht, aber eben völ­lig geist­los.

Die­ser Schmö­ker ist zwar kein erhel­len­der, schnell ner­ven­der Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

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