Tim Mälzer beschäftigt sich mit der sogenannten schnellen Küche: Essen, das aus Tüten, das bedeutet: vorgefertigt von der Lebensmittelindustrie, gemacht wird. Die ganze sehenswerte Dokumentation findet sich noch in der Mediathek des NDR.
Der Philosoph René Descartes kam auf den bahnbrechende Gedanken, alles, was er so annahm, in Frage zu stellen, weil er gemerkt hatte, dass er oft irrte, in dem, was er annahm. Zwar ist sein “Ich denke, also bin ich” heutzutage für die wenigsten ein überzeugender Satz, weil kritisiert wird, dass die Existenzannahme “ich bin” in der Zustandsbeschreibung “ich denke” schon enthalten ist – aber der Gedanke des grundsätzlichen Infragestellens eigener Haltung ist geblieben.
Nichts anderes macht Tim Mälzer: Er beschäftigt sich mit Produkten wie Tütensuppen und stellt dabei heraus, dass durch die chemischen Zusätze Geschmacksimitationen ziemlich überzeugend hergestellt werden, dass andererseits diese Produkte Mittel enthalten, die man grundsätzlich oder auch nur in dieser Konzentration so nicht esse würd. Ein Beispiel:
Das Gute an Mälzers Präsentation ist, dass er nicht schlicht die Essensgewohnheiten, die auf solche Produkte zurückgreift, verdammt. Andererseits kann man ja Schritt für Schritt auf einzelne Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die man so konsumiert, achten und bei Gelegenheit darauf verzichten, indem man auf andere Lebensmittel zurückgreift.
Und wer einmal wissen möchte, wie 200 Kalorien in unterschiedlichen Nahrungsmitteln aussehen, der kann sich das bei BoredPanda anschauen.
Ich weiß noch, wie mein Geschichtslehrer in der 8. Klasse nach Betrachten von Die Welle und Befassung mit der Thematik soziologischer und psychologischer Züge im Dritten Reich uns fragte, ob wir uns vorstellen könnten, dass so etwas noch einmal passiert. Und wie ins Mark erschüttert war, als wir das größtenteils bejahten.
Und jetzt sehe ich diesen Film über Amazon, der zeigt, wie Leute in Naziklamotten entrechtete Arbeiter bewachen und schikanieren, und mir stehen die Tränen in den Augen. Es ist so bitter.
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Sueddeutsche.de: Amazon im Shitstorm
Faz.net: Amazon im Ausnahmezustand
chsbooks.de: Adieu Amazon
Golem.de: Stellungnahme von Amazon
hr-online.de: Arbeitsagentur: Ansehen Deutschlands zutiefst beschädigt
“Die in der Fernsehdokumentation geschilderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der spanischen Saison-Arbeitskräfte beschädigen das Ansehen Deutschlands zutiefst”, so Martin. Er habe große Sorge, “dass wir, wenn sich solche Beispiele häufen, beim Wettbewerb um gute Fachkräfte abgeschlagen werden”.
Man strampelt wieder bei der CDU, wird aber kaum verhindern können, dass mit der aktuellen Regierung zweifelhaften Doktorgrade verbunden werden. Und so wirft man noch mal hastig Nebelkerzen wie Michael Kretschmer:
Wir brauchen jetzt einheitliche Standards, mit denen nicht nur Doktorarbeiten, sondern auch die Prüfungen von Dissertationen bewertet werden.
Als ob’s die nicht gäbe. Die Jungs nervt es wohl, dass da dauernd Doktorarbeiten zerbröseln, sobald man sie kritisch betrachtet. Mal schauen, ob noch einmal sich jemand aus der Deckung traut, um den Kritikern Schavans Bestechlichkeit zu unterstellen.
Die Cover des Sterns im Zeitraum des angeblichen Vorfalls mit Herrn Brüderle: Die STERN-Titelblätter vom entsprechendem Zeitraum, d.h. vom 5., 12., 19. und 26. Januar 2012:

Das Thema “Sexismus” hätte, glaube ich, irgendwie nicht auf die Titelblätter des STERN im Januar 2012 gepasst.
Die gestrige Folge von Markus Lanz war überraschend gut. Und nein, das hatte nichts mit dem Moderator zu tun, der hat das warscheinlich gar nicht gemerkt. Wenn die Sendung passend nach dem Moderator bennant worden wäre, würde sie auch Voll daneben heißen oder sowas. In der Sendung traten der Journalist Hans-Ulrich Jörges und der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki auf und Lanz stand immerhin nicht im Weg – vermochte es aber auch nicht, den Knackpunkt der Sendung zu erkennen und in den Fokus zu stellen. Für den Zuschauer ist die Ausgangslage einer so besetzten Sendung schon mal schwierig: Das sich immer wiederholende Fernsehen wartet mit wiederholt auftretenden Gästen auf, Jörges und Kubicki sind da Paradebeispiele. Dennoch war es dieses Mal anders.
Hans-Ulrich Jörges ist nicht grundsympathsisch. Dafür ist er zu hektisch, dafür ist er von sich selbst zu begeistert, dafür trifft er manchmal nicht den Punkt genau genug, dafür ist seine Art zu kauzig.
Der #Jörges ist aber auch schwer zu ertragen #Lanz
— Sven Hennig ✈ (@svhennig) Januar 22, 2013
Das muss aber nicht bedeuten, dass er immer unbedingt falsch liegt. Manchmal ist auch er auf der richtigen Spur. Gestern nagelte er ohne Hilfe des Moderators oder anderen Anwesenden Wolfgang Kubicki fest und wirkte dabei unsympathisch wie eh und je. Wer nimmt schon den lustigen Wolfgang Kubicki in den Schwitzkasten? Ja, wer eigentlich – außer Hans-Ulrich Jörges?
Die Argumentationslage zwischen Jörges und Kubicki war geradezu klassisch: Drängen Sie jemanden in die Ecke und versuchen Sie ihm das Standbein wegzuhauen. Wenn das klappt, haben Sie die Argumentation gewonnen. Wolfgang Kubicki stellte sich gestern auf sein symptaschies, qua humorvolles Rhetorik-Standbein, mit dem er sympatischer rüberkommt als Jörges. Aber genau das entlarvt ihn.
Aber worum ging es überhaupt? Die Diskussion rankte um den Zustand der FDP rund um die Neidersachsen-Wahl. Kubicki stellte es so dar, als gäbe es keine Überraschungen, als wäre die Rösler-Brüderle-Charade seit Wochen abgesprochen und geplant. Die FDP als überlegene Wise-Men-Fraktion. Was für ein schönes Bild. Jörges hob als einziger in die Kerbe, dass diese Darstellung nicht überzeugend sei, genauer: Das diese Darstellung nicht wahrheitsgemäß sei.
Wie auch? Bei der Niedersachsenwahl ging es medial darum, ob Philip Rösler gestürzt werde. Den Eindruck, dass dieser wackele, erweckten Politiker wie Rainer Brüderle und Dirk Niebel. Das war keine mediale Erfindung. Dass es Querelen um die personelle Aufstellung gab, bezeugen FDP-Politiker. Dass Philipp Rösler im Zuge der Aufstellung Brüderles zum Spitzenkandidat – eine Position, die es für Zippert in der FDP gar nicht gibt – seinen Parteivorsitz zur Verfügung stellte, bezeugen angebliche innere Kreise der FDP. Solche unbenannten Personen sind natürlich leichte Angriffsziele.
Und genau auf diese Informationsquelle schoss sich Kubicki ein. Man solle doch eher ihm glauben als Informationsquellen, die genausogut erfunden sein könnten und nicht alle Darstellungen von FDP-Politikern seien konform. Deswegen solle man ihm, den wahrhaftig dort Sitzenden, glauben. Dass es ihm allerdings näher stehen dürfte, seine Partei in schönem Licht darzustellen, als kritisch zu beleuchten, kann sich jeder ausrechnen.
Kubickis Darstellung des innernen Kreises der FDP als mediale Spin doctors ist so reizend wie unglaubwürdig. Niemand Prominentes außer ihm in der FDP hat der Darstellung widersprochen, Rösler habe nicht seinen Führungsposten zur Verfügung gestellt. Jörges haute genau in diese Kerbe: Wenn die Charade ausgemacht gewesen wäre, hätte Rösler nicht sein Amt zur Verfügung stellen müssen. Treffer, versenkt.
Kubicki versuchte noch ad auditores, Jörges als spekulierenden Kaffeesatzleser darzustellen, der ohne dabei gewesen zu sein besser Bescheid zu wissen glaubte, als Personen, die dabei waren. Das machte Jörges zwar noch handknetend nervös, überzeugte allerdings höchstens noch Markus Lanz. Sachlich hatte Kubicki da schon längst verloren.
Der Auftritt der FDP in letzter Zeit, der mit seinen Querelen und Führungsdebatten ungeschlossen wirkte, zeugte eher von Ungeschlossenheit als von medialem Spindoktorentum. Bliebe die Frage, ob es schwerer wiegt, wenn die FDP sich selbst täuscht oder das Publikum. Überlassen wir das doch einfach mal den spinnenden Doktoren der FDP.
Die so genannte “Argumentation” Christoph Keeses für ein Leistunggsschutzrecht wird immer obskurer:
Viele Leser klicken von Google News aus nicht mehr auf die Originalseiten durch, weil ihnen der Überblick dort schon reicht. Über Leser, die Google ihnen schickt, freut sich jeder Verlag. Dafür möchte er kein Geld bekommen, denn er kann mit diesen Lesern ja Geld auf seiner eigenen Seite verdienen. Aber jene Leser, die beim Verlag gar nicht mehr ankommen, weil sie mit Hilfe von kopierten Verlagsprodukten bei Aggregatoren finden, was sie suchen, sind Grund genug zur Sorge. Für diesen Anteil des Besucherverkehrs bei Aggregatoren sollten Verlage einen fairen Ausgleich erhalten.
Herr Keese meint demnach, die Intention eines Internetnutzers beim Nichtklicken eines Links zu kennen. Ich für meinen Teil gehöre auch zu den Nichtklickern der Seiten der Axel-Springer-Zeitungen. Allerdings weniger des Inhalts wegen, mir reicht die Information, dass ein Link auf welt.de oder bild.de führt. Soll Google jetzt auch für das negative Image des Axel-Springer-Verlags haften?
Dass ein Überblick von Nachrichten, d.h. ein Anriss von Nachrichtentexten, vielen Lesern schon reicht, verweist eben auch nur darauf, dass ungemein viele Texte, gerade auf Springerseiten so flach sind, dass eine Minimalstbeschreibung zu einer korrekten Einschätzung des Inhalts führt. An dieser Entwicklung sind aber auch die Verlage Schuld, nicht Google.
Zudem muss man sich eigentlich als Verlag bei Google News, worüber Keese da spricht anmelden. Mir ist gar nicht bekannt, dass der Axel-Springer -Verlag sich beklagt, dass man ohne Anmeldung aufgenommen worden sei.
Mir kommt das alles so vor, als leuchtete jemand mit seiner Taschenlampe in ein Haus hinein und möchte dann dem Eigentümer eine Stromrechnung unterjubeln.
Es ist ja nicht nur so, dass die Zeitungen gerade, was die Berichterstattung über das Leistungsschutzrecht angeht, auf eine angemessene Darstellung der Gegen-Argumente verzichtet, sondern sie durchleuchten die Pro-Argumente auch nicht.
Es wird gesagt, Google verdiene durch Verlagstext-Snippets Geld. Mittlerweile wird weniger Google News dafür angeführt, sondern die Suchfunktion Googles. Und in der Tat tauchen in der Suchanzeige Googles Snippets auf und Werbeanzeigen Googles. Weiterführend wird gesagt, Google halte durch die Snippets Leser auf, die eigentliche Seite zu besuchen. Das ist ein merkwürdiges Argument.
Es ist merkwürdig, weil – gegen den Fall, es wäre ein sinnvolles Argument – es dazu führen würde, dass der Umstand, dass eine Information jemanden anders davon abhält eine Seite anzusteuern, unrechtens wäre. Genauso müsste dann ein Satz der Form “x ist ein schlechter Artikel” unrechtens sein. Und so kämpften die Verlage gegen die Meinungsfreiheit.
Daher sollte man dieses Argument schleunigstens in der Schublade verschwinden lassen. Kommen wir zur Suchseite. Hier stellt sich die Frage, ob die Kontra-Leistungsschutzrechtler Recht haben mit ihrer Argumentation Volenti-non-fit-inuria.
Verleger werben für ihre Waren mit genau den Angaben, die Google auf der Suchseite darstellt. Durch diese Verlegerwerbung wird der Großteil der Leser überhaupt erst auf die Seiten der Verleger gebracht. Dennoch haben die Verlage nicht ihre Zustimmung dazu gegeben, dass diese Angaben selbst auch auf Google erscheinen und Google neben diesen Angaben durch Werbung Geld finanziert.
Ja, die Verlage könnten durch einen kleinen Handgriff dieses unterbinden, man muss ihnen das aber rechtlich nicht aufdrängen, schließlich ist dies eine von Google initiierte Aktion.
Wir stehen demnach vor der Situation, dass die Verlage weiterhin so von Google indiziert werden wollen wie bislang, allerdings für die Werbeeinnahmen, die Google auf der Suchseite einnimmt, anteilig Geld sehen will.
Nun sind Verlagsseiten nicht die einzige, die in Googles Suchfunktion auftauchen. Genauso zählen private Seiten dazu, nicht verlagskommerzielle und staatliche. Google sollte entsprechend eines Leistungsschutzrechtes dann in jedem Fall zahlen, wenn eine Suchseite eindeutig Verlagsinhalte anzeigt und weil dann eindeutig durch Verlagsinhalte eine Werbung interessant wird, zahlen. Dieser Fall ist kaum auszumachen, welcher Begriff ist schon eindeutig ein Verlagsbegriff, mal abgesehen von “Leistungsschutzrecht”?
Jedem Diskutanten dürfte demnach klar sein, dass eine Argumentation für ein Leistungsschutzrecht eklatant schwieriger wird, wenn man auf die Suchergebnisseite Googles referenziert.
Oftmals sind die Suchergebnisse ganz gemischt, was die Art ihrer Erzeuger angeht. Oftmals verwenden Internetnutzer einen Werbeblocker, der ausschließt, dass Google auf ihrer Suchseite bei diesem Internetnutzer durch Werbung Geld verdienen kann. Man kommt unausweichlich zur Frage: Lässt sich der Vorwurf, den Verleger Google machen, überhaupt anhand eines einzigen Beispiels darlegen oder reden wir hier die ganze Zeit über Windmühlen?
Aktualisierung
Oh, ich glaube, das soll die Antwort auf meine Frage sein:
“Recht gilt auch dann, wenn es nicht algorithmisch abbildbar ist.” /by @christophkeese #LSR #udldigital
— Isarmatrose (@Isarmatrose) Dezember 6, 2012
Mat Honan hat da einen wütenden Artikel über den Irrglauben, seine Passwörter für sicher zu halten, geschrieben. Grundsätzlich ist das ganz richtig und zum wachrütteln sicher auch sinnvoll. Mich hat es auch verleitet, mal etwas kritisch meine Art mit Sicherheitsmaßnahmen zu überdenken. Dass öffentliche Accounts von mir mit E-Mail-Adressen werbefinanzierten Werbedienstleistern zugänglich waren, habe ich dann mal abgestellt. Oft gleiche Passworter zu denselben Nutzernamen, worunter sich oft schlicht der Vorname befindet – alles raus.
Dann habe ich aber den Artikel nochmal gelesen und gesehen: So intensiv kann man mir gar nicht in die Quere kommen. Sicherlich ist computertechnisch irgendwie auch das möglich, aber bei mir bestehen keine Zugänge auf Bankkonten, auf Telefone und Computer über Sicherheitsfragen geschützte, und dadurch leichter knackbare E-Mail-Konten. Wirklich relevante Passwörter habe ich nicht in E-Mail-Accounts online gespeichert.
Also ganz verunsichert hat mich der Artikel nicht, aber vielleicht denkt man in Amerika mal darüber nach, dass das deutsche Ansinnen eines Datenschutzes nicht unbedingt völligster Kokolores ist.

