Guten Morgen allerseits!

Matthias Göritz – Träumer und Sünder

buchleser Ein Inter­viewer beschäf­tigt sich mit einem deut­schen Film­pro­du­zen­ten zu Zei­ten des­sen letz­tem gro­ßen Fil­mes. Ganz unter­halt­sam lesen sich die Bemer­kun­gen des Fil­me­ma­chers, aber der Inter­viewer und des­sen Geschichte bleibt farb­los und unin­spi­riert.
Man kann aus die­sem Schin­ken sicher­lich einen guten Film machen, in dem eine Fil­me­ma­cher sein eige­nes Fach aus­ein­an­der­nimmt. Als Buch hat mich die Geschichte nicht gefes­selt und nur ab und an inter­es­siert.

Christian Wulff – Ganz oben, ganz unten

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Man muss die ers­ten 100 Sei­ten die­ses Schmö­kers über­le­ben, sowie die unkri­ti­sche Hal­tung zu Par­tei­en­de­mo­kra­tie und der eige­nen Rolle als Bun­des­prä­si­dent nicht auf die Gold­wage legen, dann geht es bei Chris­tian Wulff zur Sache:

  1. Seine Aus­füh­run­gen zum Thema Inte­gra­tion lie­fern den Unter­bau zur Behand­lung des The­mas als Bun­des­prä­si­dent und zei­gen, dass er mit die­sem Thema bis­lang bes­ser punk­ten konnte als sein Nach­fol­ger Gauck mit dem Thema “Frei­heit”.
  2. Seine Aus­füh­run­gen zur christ­li­chen Inter­pre­ta­tion vom gesell­schaft­li­chen Mit­ein­an­der sind beach­tens­wert – gerade in direk­ter Kon­fron­ta­tion zu fundamentalistisch-christlichen Stim­men aus Deutsch­land.
  3. Seine Manö­ver­kri­tik vor allem an “Blöd­zei­tung” (Paul Stö­ver), SPIEGEL und FAZ wer­fen die Frage auf, wes­we­gen es bei den ent­spre­chen­den Ver­la­gen nichts, aber auch gar nicht gege­ben hat, um den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus nicht an der Nase durch die Manege zu schlei­fen; Gerüchte wur­den wie Tat­sa­chen behan­delt, Ent­las­ten­des unter den Tisch fal­len gelas­sen, dro­hende Nega­tiv­schlag­zei­len als Erpres­sungs­ge­gen­stand genutzt. Man hat ohne Zwang die Hosen run­ter gelas­sen.

Und so schreibt Peer Stein­brück über das Buch:

Mit einem gewis­sen Abstand stel­len sich der ‘Abschuss’ und die Ent­wür­di­gung von Chris­tian Wulff als Skan­dal eines gewalt­tä­ti­gen Jour­na­lis­mus im Umgang mit einem Poli­ti­ker dar. [...] Die Spiegel-Affäre vor über 50 Jah­ren war schlecht­hin der Skan­dal der Poli­tik im Umgang mit einem kri­ti­schen Jour­na­lis­mus und der Pres­se­frei­heit. Jetzt ist es umge­kehrt.

Bei der FAZ ist Jür­gen Kaube vom Buch nicht begeis­tert. Wen wundert’s.

Akif Pirinçci – Deutschland von Sinnen: Shitstorm in Buchform

Da hat es ein Ibben­bü­re­ner mal wie­der in die ZEIT geschafft. Es geht um Ijoma Man­golds Ver­riss von Akif Pirinçcis Deutsch­land von Sin­nen.

Pirinçci hat 1989 mit Fel­i­dae einen lesens­wer­ten Kat­zen­krimi geschrie­ben, der ein Best­sel­ler wurde. Danach ver­suchte er diese Roman­tier­form am Köcheln zu hal­ten, was leid­lich gelang. Lesens­wert ist das alles nicht. Nun hat er seine Homo­pho­bie oder sein homo­pho­bes Geschwätz, denn als homo­phob sieht er sich nicht, zusam­men mit sei­ner Isla­mo­pho­bie zwi­schen Buch­de­ckel gepresst. Es ist das argu­men­ta­ti­ves Armuts­zeug­nis eines Haupt­schul­ab­sol­ven­ten, dem wei­tere Bil­dung nie ein Bedürf­nis war, so dass er zu einer Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Begriff des Recht­staats nie gelangt ist. Seine Argu­men­ta­ti­ons­form begrenzt sich auf das Dif­fa­mie­ren der als fun­da­men­ta­lis­tisch gekenn­zeich­ne­ten Gegen­po­si­tion, was seine eigene, ebenso bloß daher­be­haup­te­ten Posi­tio­nen als rech­tens erwei­sen soll. Tut es aber nicht. Ein Pam­phlet für die Deine-Mudda-Gene­ra­tion und für den Rest ein Fall fürs Alt­pa­pier:

Es ist ohne­hin ein Skan­dal und eine boden­lose Frech­heit, die indi­gene Bevöl­ke­rung als einen Hau­fen von reak­tio­nä­ren, Nazis, ja, ver­hin­der­ten Mör­dern zu ver­un­glimp­fen, sobald sie mit­be­stim­men möchte, mit wel­cher Sorte von Men­schen sie in ihrem eige­nen Land zusam­men­le­ben wünscht und mit wel­cher nicht. (Akif Pirinçci, Deutsch­land von Sin­nen, S. 27 in der epub-Version)

Sowas kann man nur ohne Hirn­in­farkt schrei­ben, wenn man nicht ver­stan­den hat, was ein Rechts­staat im Kern ist.

Man­gold lässt sich lei­der von die­sem auf­ge­wie­gel­ten Geschwätz anhei­zen und ver­gleicht das Mach­werk allen Erns­tes, unnö­ti­ger Weise und völ­lig unüber­zeu­gend mit Hit­lers Mein Kampf:

Die­ses Buch ist das Pro­dukt eines wild gewor­de­nen Auto­di­dak­ten. Im Bra­mar­ba­sie­ren über alles und jedes, in der schein­bar wider­stands­lo­sen Her­stel­lung von Evi­denz und Zusam­men­hang, in der tri­um­pha­lis­ti­schen Geste der Ent­lar­vung von media­len Lügen­ge­spins­ten, in sei­ner Mischung aus Bru­ta­li­tät und Heu­le­rei erin­nert das Buch – ich schwöre, ich habe noch nie einen Hitler-Vergleich gezo­gen in mei­nem Berufs­le­ben – an Adolf Hit­lers Mein Kampf.

Das tut es nicht. Hit­ler hatte eine Agenda, setzte ent­spre­chend um, was er in sei­nem Buch anspinnte, so höl­zern geschrie­ben es auch ist. Pirinçci schreibt nicht höl­zern, son­dern er argu­men­tiert brech­stan­gen­ar­tig. Man­gold heizt so den Shits­torm, den das eigent­lich in Rede ste­hende Buch ver­kör­pert, nur wei­ter an.

Ste­fan Wil­leke rea­giert auf die Empö­run­gen zu Man­golds Kri­tik, indem er Auf­müp­fige kon­tak­tiert. Dar­un­ter Herrn H. aus Ibben­bü­ren, der Man­golds Text wohl als “geis­ti­gen Dünn­pfiff” cha­rak­te­ri­siert hat. In die Fäkal­spra­che hatte aller­dings auch Man­gold schon ein­ge­stimmt. Der ange­ru­fene Herr H. legt zunächst ein­fach auf, wird aber ein zwei­tes Mal ange­ru­fen:

Dies­mal sagt er, bevor er auf­legt: “Mich inter­es­siert Ihre Zeitgeist-Postille nicht.”

Schöne Replik, aller­dings nicht ganz so über­zeu­gend, wenn man eigens Leserbrief-Mails an die Redak­tion schreibt.

Wil­leke selbst ver­fängt sich im Shits­torm dann noch wie folgt:

Sind wir, die Jour­na­lis­ten der gro­ßen Zei­tun­gen, unehr­lich? Man muss über uns keine Stu­dien anfer­ti­gen, um zu erken­nen, dass wir stär­ker zum rot-grünen Milieu ten­die­ren als die meis­ten Wäh­ler. Natür­lich stammt kaum jemand von uns aus einer Hartz-IV-Familie. Natür­lich leben wir viel zu oft in den­sel­ben bür­ger­li­chen Stadt­tei­len der­sel­ben Groß­städte, in Berlin-Prenzlauer Berg oder in Hamburg-Eppendorf. Alt­bau, hohe Decken, Fisch­grät­par­kett. Natür­lich lei­det unser Blick auf die Welt unter dem Eppendorf-Syndrom. Aber nur, weil wir selbst in einer Homo­ge­ni­täts­falle der urba­nen Mit­tel­schicht ste­cken, wird nicht der Umkehr­schluss zuläs­sig, Pirinçci leiste auf­rich­tige Basis­ar­beit. Viel unheil­vol­ler ist es, wenn der Dem­agoge Pirinçci von sei­ner Bon­ner Villa aus die Geräu­sche der Straße imi­tiert, um damit reich zu wer­den.

Ach Gott­chen. Wer Pirinçci Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter nicht pas­send ana­ly­sie­ren kann, ohne ihm der­art Dinge zu unter­stel­len, der argu­men­tiert für Leser nicht grund­le­gend anders als Pirinçci selbst. Und wer bit­te­schön hat nach die­ser selbst­ver­lieb­ten Jour­na­lis­ten­flanke gefragt?

Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt

buchleserDie­ser Schin­ken wird jetzt schon als Welt­best­sel­ler gehan­delt, was nichts über die Qua­li­tät aus­sagt: Autis­tisch ver­an­lag­ter Autismus-Wissenschaftler geht per aus­ge­klü­gel­tem Fra­ge­bo­gen auf Braut­schau und ver­liebt sich in die Fal­sche, der er bei ihrer Vater­su­che behilf­lich ist. Die Irri­ta­tio­nen, die er als autis­tisch Ver­an­lag­ter in Situa­tio­nen her­vor­ruft, wenn er sich poli­tisch kor­rekt ver­hal­ten möchte, sind der Witz an die­ser Geschichte – lei­der der ein­zige.

Wer sich die Geschichte doch vor­neh­men möchte, dem sei das von Robert Stad­lober vor­ge­le­sene Hör­buch ans Herz gelegt.

Daniel Wichmann: Ella – Die abgestumpften Leiden des jungen W.

wichmannella Daniel Wich­mann hat ein auto­bio­gra­phisch anmu­ten­des Buch über einen Daniel Wich­mann geschrie­ben, der aus Ibben­bü­ren stammt und sein Leben in Ber­lin durch Anschaf­fung eines Hun­des ver­sucht zu ändern.

Jener Daniel Wich­mann lebt mit sei­ner Freun­din in der Bun­des­haupt­stadt und gerade scheint er defi­ni­tiv ins Erwach­se­nen­le­ben hin­ein­zu­schlid­dern: Seine Freun­din ist auf dem Weg in eine weg­wei­sende beruf­li­che Posi­tion, er schließt sein Stu­dium ab und gelangt an sei­nen ers­ten Job, und in der Bezie­hung bahnt sich an, dass klar wer­den soll, wohin die Reise geht. Aller­dings krie­selt es etwas, die Freun­din ver­misst am Ver­hal­ten ihres Freun­des etwas, er beschließt einen Hund zu kau­fen, um zu zei­gen, dass er bereit ist, für die Bezie­hung etwas zu ris­kie­ren – denn er lei­det unter einer Angst vor Hun­den. Da bricht das Unheil auf ihn ein: Seine Freun­din zieht es beruf­lich nach Ham­burg, sein Job nimmt ihm die Zeit, sich pas­send um den Hund zu küm­mern. Er nimmt unan­ge­mel­det einen trink­freu­di­gen und auch sonst chao­ti­schen Unter­mie­ter auf und ver­liert wegen Hund und Unter­mie­ter Job und Woh­nung. Für unse­ren Dandy ist dies aller­dings ein Schritt in die rich­tige Rich­tung, denn erfin­det ein miet­ba­res Haus in der Umge­bung Ber­lins, in das er samt Freun­din, die es in Ham­burg alleine nicht aus­hält, und Hund ein­zu­zie­hen gedenkt.

Die Span­nung des Buches speist sich natür­lich etwas aus der Frage, inwie­weit Wich­mann hier auto­bio­gra­phisch vor­geht und was erfun­den ist. Zumin­dest – und das ist die große Stärke des Buches – betreibt er keine Schön­fär­be­rei. Seine Haupt­fi­gur ist ein ziem­li­cher Kauz, fast apa­tisch im Umgang mit sei­ner Umwelt. In den eige­nen vier Wän­den fährt er schon mal aus der Haut, wäh­rend er außer­halb den Schwanz ein­zieht. Sei­ner Freun­din kauft er einen Hund, um die Bezie­hung zu ret­ten, was ein doch sehr selt­sa­mer Schritt ist, wie auch die Freun­din spä­ter anmerkt und in Trä­nen aus­bricht. Und ob das Vor­ha­ben so über­haupt gelingt, steht in den Ster­nen. Sein Unter­mie­ter ist im Gegen­satz zu sei­ner eige­nen Spie­ßig­keit ein Bon­vi­vant, mit dem der Buch-Daniel aber wenig anzu­fan­gen weiß. Den Leser lässt er gerade anfangs mit vie­len Ver­glei­chen, die uner­klärt in der Luft hän­gen blei­ben, und den Kapi­teln vor­an­ge­stell­ten Zier­zi­ta­ten alleine. Aber warum sollte es dem Leser auch anders erge­hen als den Per­so­nen im Buch?

Wich­mann ver­kauft seine Leser nicht für blöd, ris­kiert eini­ges mit einer so auto­bio­gra­phi­schen Geschichte und lie­fert ein durch­aus inter­es­san­tes Ibbenbüren-Bild. Über­haupt sollte Ibben­bü­ren öfter in der Lite­ra­tur auf­tau­chen, wenn man mich fragt. Also: Lesen Sie diese Geschichte!

Daniel Wich­mann – Ella: Ein Hund fürs Leben , ISBN: 3855357943, Erschei­nungs­ter­min: 20.02.2014

Jens Mühling – Mein russisches Abenteuer

buchleserDie­ses Buch ist eine Art Road-Movie zwi­schen Buch­de­ckeln quer durch Russ­land und die Ukraine. Müh­ling ist auf der Suche nach wah­ren Geschich­ten, von denen ihm ein Freund mal sagte, es gäbe sie nur in Russ­land zu fin­den. So macht er sich eines Tages auf den Weg, Agafja Lykowa zu tref­fen, was sich als wag­hal­si­ges, wenn nicht gar lebens­ge­fähr­li­ches Aben­teuer erweist.

Man lernt in die­sem Buch vie­les über die Geschichte Russ­lands und eini­ges über den Umgang mit Rus­sen. Agafja Lykowa ist wohl die Dame in die­sem Video:

Ein sehr lesens­wer­ter Schmö­ker für alle, die mal einen Blick über den Tel­ler­rand wagen wol­len.

Was nicht passt

Sams­tag, 11.03 Uhr, Klin­ge­lin­ge­ling.

Ich: „Guten Tag. Haben Sie Schrau­ben?”

Laden­che­fin „Was wären wir wohl für ein Elek­tro­la­den, wenn wir keine Schrau­ben hät­ten?”

Ich „Dann bräuchte ich mal vier Ach­ter und pas­sende Dübel.”

Laden­che­fin „Bitte, hier. Sonst noch was? Nein? Dann schö­nen Tag noch.”

Ich „Na, ich weiß nicht, ob das mein letz­ter Besuch heute war.”

Laden­che­fin „Wir haben noch bis 14 Uhr auf. Bis dann.”

11.40 Uhr
, Klin­ge­lin­ge­ling.

Laden­che­fin „Ach, Sie schon wie­der.”

Ich „Ich bräuchte noch mal vier Neue von denen da:”

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Laden­che­fin „Meine Güte, wat hamse denn damit gemacht?!”

Ich „Öhhh…

Juni­or­chef „Gebohrt, rein­ge­stopft und mit dem Ham­mer hin­ter­her­ge­hauen, dass der wohl doch noch rein­geht.”

Ich „Ja, sicher.”

Laden­che­fin ver­dreht die Augen.

Juni­or­chef „Ist ja nicht so, dass ich das noch nie gebohrt hätte.”

Agnes Hammer: Ich blogg dich weg!

Ich blogg dic weg!Jule ist ein jun­ges Mäd­chen, das mit ihrer Band beim Schul­fest auf­tre­ten soll. Dann erhält sie jedoch anonyme E-Mails, Beschimp­fun­gen und Dro­hun­gen. Ein Fake-Profil von ihr taucht im Inter­net auf und ihr wird nahe gelegt, die Band zu ver­las­sen. In die­ser star­ken Bedräng­nis kommt es schließ­lich zur gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung.

Das Buch von Agnes Ham­mer behan­delt ein sehr aktu­el­les Thema: Die Pro­ble­ma­tik, dass Jugend­li­che einer­seits in der rea­len und ande­rer­seits in der vir­tu­el­len Welt unter­wegs sind, und es schwie­rig wird, wenn Pro­bleme der einen Sphäre mit der ande­ren in Berüh­rung kom­men, indem anony­mes Mob­bing betrie­ben wird.

Was der Leser schnell merkt, ist, dass es sich hier­bei um eine klas­si­sche Schul­lek­türe han­delt, und das ist auch schon das Manko des Buches, wenn man so will: Die Geschichte ist über­ra­schungs­arm, vor­her­seh­bar, das klas­si­sche Pro­blem, dass die jugend­li­che Erzäh­le­rin mit mit­un­ter arg ver­schach­tel­teln Sät­zen alles andere als jugend­lich klingt, sowie dass sich die Akteure für Jugend­li­che doch sehr abge­klärt ver­hal­ten. Bei ero­ti­schen Situa­tio­nen wirkt die poli­ti­cal cor­rect­ness dann schon mal belus­ti­gend.

Aber als Schul­lek­türe, und für eine kom­mu­ni­ka­tive Behand­lung durch Jugend­li­che ist das Buch, das einen für Jugend­li­che sehr fai­ren Preis hat, sicher­lich her­vor­ra­gend geeig­net.

Zürich im Herbst

Am Wochen­ende waren wir zu Besuch in der Schweiz. Und wie der Zufall es so will, haben wir auch in der Woche vor die­sem Kurz­ur­laub Kul­tur­zeit ange­schaut. Ange­prie­sen wurde die Karl der Große und die Schweiz-Aus­stel­lung. Da wir zei­tig anka­men, noch ein paar Minu­ten übrig hat­ten und der Ein­tritt eh in unse­rer Fahr­karte mit drin war, wid­me­ten wir uns die­ser Zusam­men­stel­lung im Schwei­ze­ri­schen Lan­des­mu­seum:

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Einen Blick auf die Aus­stel­lung darf man schon ver­schwen­den, aber oft­mals wurde der Zusam­men­hang zwi­schen Karl dem Gro­ßen, den Aus­stel­lugns­stü­cken und der Schweiz nicht deut­lich. Irgend­was schien grö­ßer gemacht wer­den zu wol­len. Wie auch immer, wir ver­schwan­den wie­der und pro­me­nier­ten durch die Innen­stadt:

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Man muss sich schon expli­zit ein­groo­ven auf Zürich. Wenn man sich so wie wir blind­links ins gemenge stürzt sieht man nur teuere Ein­kaufs­lä­den und Preise. Und irgend­wie denkt man die ganze Zeit, das alles gäbe es daheim eh bil­li­ger, wieso also den Blick ver­wei­len las­sen, wenn die beson­de­ren Hin­gu­cker in den Schau­fens­tern aus­blei­ben?

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Aber farb­lich ist Zürich recht hübsch in die­sem Herbst und die sich durch Zürich zie­hende Lim­mat har­mo­niert dazu ganz vor­treff­lich:

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Wir waren dann dann auch noch bereit, der Munk-Ausstellung eine Chance zu geben.

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Aller­dings waren da wie­der diese Ein­tritts­preise auf Züri­cher Niveau. Wir ver­scho­ben den Besuch einer Munk-Ausstellung für’s Erste.

Tags dar­auf ver­such­ten wir es noch ein­mal mit der Kunst. Die­ses Mal mit dem Museum Riet­berg. Aus­ge­stellt wur­den die teu­ers­ten, zeit­ge­nös­si­schen asia­ti­schen Künst­ler, die wir allers­amt nicht kann­ten. Daher wird­me­ten wir uns zunächst der blei­ben­den Aus­stel­lung. Und dort zeigte sich, dass man in der Schweiz wohl doch über so etwas wie Humor ver­fü­gen.

Wie bei die­ser Zusam­men­stel­lung zum Bei­spiel:

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Unter die­sem Schau­kas­ten steht geschrie­ben, was wir hier sehen. Ganz rechts sehen sie die Maske eines Dämons. In der Mitte, wenn Sie ihren Blick mal dort hin rich­ten, sehen sie die Maske eines Dämons. Das links da ist ein alter Mann.

Stand da so. Muss man glau­ben. Auch bei die­sen eck­bu­si­gen Tiere-auf-dem-Kopf-Trägerinnen hat­ten die Deko­ra­teure sohl ihren Spaß, denke ich.

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Wieso zielt sonst die linkte auf die rechte und die rechte sinkt getrof­fen in sich?

Ver­wirrt und belus­tigt zogen wir wie­der von Dan­nen und namen einen preis­lich akzep­ta­blen durch Mikro­welle auf­ge­wärm­ten Snack in der Metzger- und Wurste­rei Zgrag­gen zu uns:

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Der gemeine Züri­cher schaute sich der­weil das Auf­ein­an­der­tref­fen von Ruder­mann­schaf­ten der Uni und der Tech­ni­schen Hoch­schule an.

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Oder man ver­speist mit­ge­brachte Brot­zei­ten am Züri­see. Auch ne Mög­lich­keit.

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Peter Buwalda – Bonita Avenue

buchleserMehr als 300.000 Mal wurde die­ser Schmö­ker alleine in den Nie­der­lan­den ver­kauft. Es han­delt vom Ensche­der Hoch­schul­leh­rer Sie­rius, des­sen Kin­der sei­ner Patchwork-Familie im Erwach­se­nen­al­ter Pro­bleme machen, was als heil­lose, gewalt­volle und sexu­elle Kata­stro­phe sein Leben zer­stört.

Der Ver­gleich mit Jona­than Fran­zen hinkt, denn hier­bei han­delt es sich weni­ger um eine gesell­schaft­li­che Ana­lyse über eine Fami­lie als um die Ody­see eines fami­liä­ren Nie­der­gangs. Im Nie­der­län­di­schen reißt der Roman durch seine Wort­ge­walt mit, wel­che in der deut­schen Über­set­zung lei­der oft­mals holp­rig daher kommt. Man braucht sicher­lich einen län­ge­ren Atem, um mit dem Werk zurecht zu kom­men, aber es lohnt sich.

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Vor 5 Jahren