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Was nicht passt

Sams­tag, 11.03 Uhr, Klin­ge­lin­ge­ling.

Ich: „Guten Tag. Haben Sie Schrau­ben?”

Laden­che­fin „Was wären wir wohl für ein Elek­tro­la­den, wenn wir keine Schrau­ben hät­ten?”

Ich „Dann bräuchte ich mal vier Ach­ter und pas­sende Dübel.”

Laden­che­fin „Bitte, hier. Sonst noch was? Nein? Dann schö­nen Tag noch.”

Ich „Na, ich weiß nicht, ob das mein letz­ter Besuch heute war.”

Laden­che­fin „Wir haben noch bis 14 Uhr auf. Bis dann.”

11.40 Uhr
, Klin­ge­lin­ge­ling.

Laden­che­fin „Ach, Sie schon wie­der.”

Ich „Ich bräuchte noch mal vier Neue von denen da:”

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Laden­che­fin „Meine Güte, wat hamse denn damit gemacht?!”

Ich „Öhhh…

Juni­or­chef „Gebohrt, rein­ge­stopft und mit dem Ham­mer hin­ter­her­ge­hauen, dass der wohl doch noch rein­geht.”

Ich „Ja, sicher.”

Laden­che­fin ver­dreht die Augen.

Juni­or­chef „Ist ja nicht so, dass ich das noch nie gebohrt hätte.”

Vertrauen

kannitverstanIn zwei unter­schied­li­chen Blogs war gerade die Rede von Ver­trauen: Bei Had­mut Danisch und Felix Schwen­zel. Zwei sehr unter­schied­li­chen Blogs. Hart­mut Danish nahm die Feder auf, dass selbst unter Kri­mi­nel­len Ver­trauen herr­schen müsse, damit Sys­teme wie das der Mafia funk­tio­niere. Felix Schwen­zel schreibt dar­über, dass Ver­trauen gegen­über Fir­men dar­über ent­scheide, wie groß der Zuspruch ihrer Kun­den sei. Was bedeu­tet nun eigent­lich Ver­trauen?

Ver­trauen ist die zwi­schen­mensch­li­che, nicht­ver­trag­li­che Annahme, mein Gegen­über bekenne sich einer mora­li­schen Ver­ant­wor­tung´, sei daher mir gegen­über auf­rich­tig und wolle mir durch das, was er tut, nicht scha­den. Inso­fern ist Miss­trauen sicher­lich das Gegen­stück zu Ver­trauen, aber Ver­trauen ist mehr als die Abwe­sen­heit von Miss­trauen, was auch ledig­lich Unbe­küm­mert­heit sein kann: Man hegt kei­nen Arg­wohn.

Im eigent­li­chen Kon­text bezieht sich Ver­traue auf ein sozia­les Ver­hält­nis zwi­schen mora­li­schen Per­so­nen. Es rich­tet sich nicht auf juris­ti­sche Per­so­nen.

Der Feh­ler, der im Mafia-Beispiel began­gen wird, das Danisch auf­greift, ist, dass Ver­trauen ledig­lich als funk­tio­nie­ren­des Netz­werk ange­se­hen wird. Die Mafia ist oft­mals ein funk­tio­nie­ren­des Netz­werk, beruht aber grund­le­gend auf Miss­trauen, Angst und Geld­gier. Sofern ein Teil des Netz­wer­kes die Spiel­re­geln die­ses Netz­werks kennt, weiß er, dass er nie­man­dem inner­halb des Netz­wer­kes, außer even­tu­ell sei­ner gene­ti­schen Fami­lie, d.i. Per­so­nen, die in einem grunf­sätz­li­chem sozia­len Ver­hält­nis ihm gegen­über ste­hen, ver­trauen sollte. Zwar kann er davon aus­ge­hen, dass es bestimmte Funk­ti­ons­wei­sen inner­halb die­ses Netz­wer­kes gibt, mit ande­ren Wor­ten: Er kann dar­auf ver­trauen, dass bestimmte Hand­lungs­wei­sen von stat­ten gehen, aller­dings ist diese Rede von Ver­trauen nur eine über­tra­gene. Kurzum: Im Kern heitß Ver­trauen inner­halb des Mafia-Beispiels: Die Mafia ist ein funk­tio­nie­ren­des Netz­werk, weil das Netz­werk funk­tio­niert. Rede ich davon, dass selbst die Mafia Ver­trauen brau­che, ver­mi­sche ich zwei Rede­wei­sen von Ver­trauen: Die ursprüng­lich mora­li­sche und die über­tra­ge­nen, bloß tech­ni­sche.

Und wenn Felix Schwen­zel “das ange­sichts der unfass­bar­keit all die­ser hin­ter­fot­zig­keit und unauf­rich­tig­keit” von Fir­men sein Pop­corn im Halse steckt, sollte ebenso berück­sich­tigt wer­den, dass es schon ein Feh­ler war, bei Fir­men in mora­li­schem Sinne von Ver­trauen aus­zu­ge­hen. Wie beim Mafia-Beispiel kann man nur davon aus­ge­hen, dass ein Netz­werk funk­tio­niert, wobei die­ses in Rede ste­hende Netz­werk Nut­zer offen­bar als mora­li­sche Per­so­nen aner­ken­nen sollte und nicht ledig­lich als tech­ni­sche Bau­steine. Aus blo­ßer Sicht der Spiel­theo­rie völ­lig unver­ständ­lich.

[ Foto: Rachel Pasch - What part of... | CC BY-NC 2.0 ]

Wie man aus Kant einen Antisemiten macht

zeigt der Reli­gi­ons­stu­dent Mar­kus Voss-Göschel und bekommt dafür den Franz-Delitzsch-Förderpreis für christlich-jüdische Ver­stän­di­gung. Dabei ist die Grund­lage sei­ner Behaup­tun­gen mehr als dürf­tig.

Zum einen ver­weist er auf das Zitat “Jetzo sind sie die Vam­pyre der Gesell­schaft”, das aller­dings nicht in Kants Schrif­ten auf­taucht, soweit ich weiß, son­dern bei J.F.A. Abbeg, der es Kant zuschreibt. Streng genom­men ist es nur Hören­sa­gen und ent­zieht sich so einer ernst­haf­ten wis­sen­schaft­li­chen Erör­te­rung. Für Voss-Göschel ist dies in öffent­li­chen Äuße­run­gen der erste Beleg für Kants Anti­se­mi­tis­mus: Getrat­sche.

Der zweite Beleg ist ein Lese­feh­ler Voss-Göschels

“Kant bezeich­net die Juden als ‘Vam­pyre der Gesell­schaft’ und for­dert ‘die Eutha­na­sie des Juden­tums’!”, nennt Mar­kus Voss-Göschel zwei Bei­spiele für die zum Teil extre­men anti­se­mi­ti­schen Äuße­run­gen in Kants Schrif­ten.

Kant for­dert nichts der­glei­chen. Aller­ding meint er, ein Über­gang zur “rei­nen mora­li­schen Reli­gion” aus dem Jugend­tum her­aus, sei die Eutha­na­sie, d.i. der sanfte Tod, des Jugend­tums:

Die Eutha­na­sie des Juden­th­ums ist die reine mora­li­sche Reli­gion mit Ver­las­sung aller alten Sat­zungs­leh­ren, deren einige doch im Chris­ten­thum (als mes­sia­ni­schen Glau­ben) noch zurück behal­ten blei­ben müs­sen: wel­cher Sec­ten­un­ter­schied end­lich doch auch ver­schwin­den muß und so das, was man als den Beschluß des gro­ßen Drama des Reli­gi­ons­wech­sels auf Erden nennt, (die Wie­der­brin­gung aller Dinge) wenigs­tens im Geiste her­bei­führt, da nur ein Hirt und eine Heerde Statt fin­det.

Voss-Göschel bringt Anti­si­mi­tis­mus in die­sen Kon­text, nicht Kant. Es wird halt das gefun­den, was man fin­den will. Wenn diese Erör­te­run­gen stell­ver­tre­tend sind für die Wis­sen­schaft­lich­keit der Erör­te­rung, dann bleibt da nicht viel. Aber hören wir dem Nach­wuchs wei­ter zu:

Über Kant gibt es so viele Abhand­lun­gen, doch bis­her gab es keine kla­ren Ant­wor­ten dar­auf, wie genau er Reli­gion defi­niert

sagt Voss-Göschel.

Das bezweifle ich, und viel­leicht hätte er da lie­ber Kant selbst gele­sen als Abhand­lun­gen, denn bei Kant fin­det sich z.B. diese Defi­ni­tion:

Reli­gion ist (sub­jec­tiv betrach­tet) das Erkennt­niß aller unse­rer Pflich­ten als gött­li­cher Gebote *)[Fuß­note aus­ge­las­sen]. Die­je­nige, in wel­cher ich vor­her wis­sen muß, daß etwas ein gött­li­ches Gebot sei, um es als meine Pflicht anzu­er­ken­nen, ist die geof­fen­barte (oder einer Offen­ba­rung benö­thigte) Reli­gion: dage­gen die­je­nige, in der ich zuvor wis­sen muß, daß etwas Pflicht sei, ehe ich es für ein gött­li­ches Gebot aner­ken­nen kann, ist die natür­li­che Reli­gion.

Und weil Voss-Göschel wohl Kants Reli­gi­ons­be­griff nicht geläu­fig ist, ver­steigt er sich laut israelogie.de zu die­ser Äuße­rung

Für Kant ist das Juden­tum ein absur­des und sinn­lo­ses Geset­zes­werk ohne mora­li­schen Bezug und daher eigent­lich keine Reli­gion

und fol­gen­der gänz­lich aus den Fin­gern gezo­ge­nen Behaup­tung

Er [Kant] habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdi­schen Freunde zu fra­gen, worum es im Juden­tum geht, son­dern auf ekla­tan­ten Falsch­in­for­ma­tio­nen auf­ge­baut.

Eine Behaup­tung ohne Beleg, ein­fach mal so raus­spe­ku­liert. Die Aus­sage, Kant hat heim­lich bis ins hohe Alter am Dau­men genu­ckelt, besitzt in etwa den­sel­ben Wahr­heits­wert. Ernst­hafte Wis­sen­schaft ist etwas ganz ande­res.

Das Elternrecht

kannitverstan Mar­kus Pie­per, EU-Parlamentarier aus dem Müns­ter­land, hat sich als einer der weni­gen mal getraut, auf den Punkt zu brin­gen, wie die kon­ser­va­tive Posi­tion der CDU zum Eltern­recht aus­sieht:

Kin­der haben gott­ge­ge­be­nes Recht auf Vater und Mut­ter. Nie­mand ein Recht auf Kin­der.

Gut, wenn man Gott in Spiel bringt, hat man keine son­der­lich große Dis­kus­si­ons­ba­sis. Ver­su­chen wir es mal mit einem etwas zugäng­li­che­ren Mann: Imma­nuel Kant.

Bei Kant ist eine Sor­ge­pflicht der Eltern für ihre Kin­der dadurch gege­ben, dass sie es gewe­sen sind, die ihre Kin­der ohne deren Ein­wil­li­gung in die Welt gesetzt haben. Damit haben Eltern ein ethi­sches, wie juri­di­sches Recht zur Erzie­hung ihrer Kin­der, wie die ethi­sche Pflicht (aber nicht eine juri­di­sche) hierzu. Kin­der sind bei Kant keine Rechts­per­so­nen, daher kommt bei ihm nicht vor, dass diese bestimmte Rechte hät­ten. Wie sollte ein Kind auch das angeb­li­che Recht auf einen Vater in Anspruch neh­men, wenn die­ser gestor­ben oder unaufind­bar ist?

Sicher­lich hat Kant bei Eltern an Vater und Mut­ter gedacht. Aber die Begrün­dung der Rechte und Pflich­ten von Eltern liegt nicht in ihren bio­lo­gi­schen Attri­bu­ten:

da das Erzeugte eine Per­son ist, und es unmög­lich ist, sich von der Erzeu­gung eines mit Frei­heit begab­ten Wesens durch eine phy­si­sche Ope­ra­tion einen Begriff zu machen*): so ist es eine in prak­ti­scher Hin­sicht ganz rich­tige und auch nothwen­dige Idee, den Act der Zeu­gung als einen sol­chen anzu­se­hen, wodurch wir eine Per­son ohne ihre Ein­wil­li­gung auf die Welt gesetzt und eigen­mäch­tig in sie her­über gebracht haben; für wel­che That auf den Eltern nun auch eine Ver­bind­lich­keit haf­tet, sie, so viel in ihren Kräf­ten ist, mit die­sem ihrem Zustande zufrie­den zu machen.

Wäre es dem­nach denk­bar, dass der Beschluss, ein Kind in die Welt zu set­zen, von zwei gleich­ge­schlecht­li­chen Men­schen aus geht, so wie er von leib­li­chem Vater und leib­li­cher Mut­ter aus­geht?

Ja. Das ist der­selbe Fall wie bei der künst­li­chen Befruch­tung. Auf die Idee, den gesetz­li­chen Eltern eines so gezeug­ten Kin­des, ehe­li­che Rechte zu ent­zie­hen, ist auch noch nie­mand gekom­men.

Bei Kant ist das Eltern­recht ethisch begrün­det, nicht juri­disch, nicht bio­lo­gisch und nicht reli­giös. Juri­di­sche, bio­lo­gi­sche und reli­giöse Umstände mag es geben, sie rüt­teln aber nicht an der ehti­schen Begrün­dung des Eltern­rechts, weil man es hier mit ver­ant­wort­li­chen Erwach­se­nen zu tun hat.

Kant wen­det sich impli­zit gegen Pie­pers Rede vom Gott gege­be­nen Eltern­recht, weil Kin­der Wesen sind, denen es mög­lich sein wird, freie Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wobei es für den Men­schen unmög­lich zu den­ken ist, dass die Mög­lich­keit zu freien Ent­schei­dung auf eine phy­si­sche Ursa­che zurück­führ­bar wäre,

*) Selbst nicht, wie es mög­lich ist, daß Gott freie Wesen erschaffe; denn da wären, wie es scheint, alle künf­tige Hand­lun­gen der­sel­ben, durch jenen ers­ten Act vor­her­be­stimmt, in der Kette der Natur­no­thwen­dig­keit ent­hal­ten, mit­hin nicht frei. Da sie aber (wir Men­schen) doch frei sind, bewei­set der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv in mora­lisch prak­ti­scher Absicht, wie durch einen Macht­spruch der Ver­nunft, ohne daß diese doch die Mög­lich­keit die­ses Ver­hält­nis­ses einer Ursa­che zur Wir­kung in theo­re­ti­scher begreif­lich machen kann, weil beide über­sinn­lich sind.

Demokratiemißverständnisse

Sven Sor­gen­frey bemüht sich um eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Patrick Dörings Aus­spruch “Tyran­nei der Masse”. Aber wer in die­sem Zuge Sätze schreibt wie

Die Netz­ge­meinde hat ihn dafür mit einem Shits­torm bedacht

muss sich nicht wun­dern, wenn er selbst nicht ernst genom­men wird. Um Dörings Punkt stark zu machen, muss man sagen: Der Angriffs­punkt der Pira­ten­par­tei ist, dass Basis­de­mo­kra­tie viel­leicht fai­rer ist als Frak­ti­ons­zwang, aber immer noch latent die Dis­kri­mi­nie­rung der Mehr­heit über die Min­der­heit inne­hat.

Aber auch anderswo stößt der Demo­kra­tie­be­griff wei­ter­hin an begriff­li­che Gren­zen, so schreibt Björn Boeh­ning:

wenn wir nicht dar­auf zäh­len kön­nen, dass demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen auch akzep­tiert wer­den, dann sind wir auch mit mehr Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten kei­nen Zen­ti­me­ter vor­an­ge­kom­men

Wie gesagt: Wenn demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung nur eine Mehr­heits­ent­schei­dung dar­stellt, kann das immer noch eine Dis­kri­mi­nie­rung sein. Der moderne Begriff der Demo­kra­tie ver­weist auf einen Staat als Rechts­staat, der nicht auf fun­da­men­ta­lis­ti­sche, son­dern begrün­dete Argu­men­ta­tio­nen zurück­greift. Ein sol­cher Demo­krat gibt kein Ver­spre­chen ab, Mehr­heits­ent­schei­dun­gen kri­tik­los zu akzep­tie­ren. Das ist auch gar nicht sys­tem­not­wen­dig, wie Boeh­ning meint.