Mahlzeit!

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Das Liebesleben der anderen

Malte Welding, Versiebt, verkackt, verheiratet: Vom Leben nach dem Happy End, 204 Seiten, Piper Taschenbuch (9,99€) und eBook (8,49€), 2012

Der Flieger startet morgen früh nach Berlin. Wir kommen zum Frühstück an, das ist wichtig. Dann arbeitet der gemeine Berliner und die Touristen sind noch nicht ausgeschwärmt. Aber es ist echt früh, der Flieger geht um Sechsuhrirgendwas. Ich beende den Tag vorm Laptop am Schreibtisch, da kommt mir Malte Weldings neues Buch zu. Das letzte war nicht ganz mein Fall. Aber vielleicht das. Vielleicht sollte man es in Berlin lesen. Vielleicht hilft das. Abgemacht. Weldinglesen in Berlin. Der Authentizität wegen. (Vielleicht meint nun der andere oder eine, dass das nicht fair ist: Sein eigenes Empfinden und das Besprechen eines Buches zu vermischen. Wer das auseinanderhalten möchte, lese im Folgenden einfach nur den eingerückten Text.)

Um zunächst etwas zum Autor verlieren: Malte Welding ist Kolumnist der Berliner Zeitung und in Internetkreisen als Blogger bekannt geworden. Er hat schöne Artikel zu Spreeblick beigetragen, solche die man jetzt dem Blog wieder wünscht. Daneben hat er für die Blogs Fooligan, Neue Bodenständigkeit und Deus ex machina geschrieben. 2010 erschien sein erstes Buch Frauen und Männer passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte.

Der Flieger erhebt sich am folgenden Tag pünktlich um 6.40 Uhr in die Lüfte. Die Stewardessen setzen zu ihrer Morgengymnastik an und ich schlage die ersten Seiten auf.

Das Buch handelt von den drei Brüdern Roman, Ben, Paul sowie Pauls Freund Jimo, deren Bekanntschaft Welding hat und die es nach dem Abitur von Aachen nach Berlin verzieht. Allesamt stecken sie in Beziehungen, die ins Stocken geraten. Welding scheint sie privat zu kennen. Wird das jetzt eine Freundesanalyse? Oder ein Roman und mehr als man meint ist fiktiv? Alles bleibt etwas dunkel für den Leser, der ins kalte Wasser geworfen wird. Warum sind die Geschichten der vier so interessant? Ich fühle mich an Marcel Reich-Ranicki erinnert, der mal meinte, er wolle nur noch Problemschilderungen von Intellektuellen lesen. Ich kann das gut verstehen, auch wenn ich selber einfache Literatur zu schätzen weiß. Es muss nicht immer Kaviar sein. Aber weil ich eben Liebesproblematisierungen in der Popkultur von David Baddiel bis Verrückt nach dir inhaltlich durchwaten habe, fragt sich doch: Was bietet dieses Buch neues? Außer dass es ein Friends aus Berlin zu sein scheint? Der Blick in Beziehungen “nach dem Happy End”? Vielleicht ist das Buch eher für Leute, die nur Liebesfilme kennen.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, bemerke ich, dass in Berlin ja noch Winter ist. Mindestens 7 Grad weniger als in Düsseldorf. Es herrscht interkontinentales Klima, wie ich mich aus dem Sachunterricht zu erinnern glaube. Der war aber auch vor der Wende. Ich habe Durst und ziehe mir was am Automaten. Meine Freundin fängt lauthals an zu lachen, als sie die Büchse sieht und berlinert:

Ditt kennwa im Westen ja schon janich mehr: Dosen ohne Pfand!

Die S-Bahn verspätet sich, ich krame meine Lektüre raus:

Welding stellt jedem Kapitel Zitate voran. Sowas mag ich ja gar nicht. Die Zitate sind nicht sonderlich vomhockerhauend, haben mit dem was folgt auch nicht direkt zu tun. Ich überlese sie konsequent. Die drei Brüder stecken in Beziehungen: Roman hat Mia geheiratet, Mia trennt sich gerade von Paul und Ben ist mit Juila Mia zusammen. Was sind das nun also für Leute?

Wir checken bei meinem Freund am Ostkreuz ein und lernen Maren kennen, die auch dort wohnt. Sie hat Medizin studiert, aber nicht zu ende, ist Mitte 30 und sattelt nun zur Immobilienmaklerin um. Die letzte Prüfung hat sie in Berlin verpasst, kann sie aber, was sie heute erfahren hat, in Rostock ablegen. Und hinterher vielleicht noch etwas studieren – was man in Berlin eben so macht. Über die Brücke am Ostkreuz verschlägt es uns in das Datscha. Es gibt schweres russisches Frühstück…

… und Zeit zum lesen:

Zunächst lernen wir Roman und Paul kennen, nachdem Greta Paul, der sich gerade auf einem LSD-Trip befindet, den Laufpass gegeben hat. Von Roman und Greta erfahren wir, dass beide ein Kind bekommen wollen, aber etwas kontraproduktiverweise das mit dem Sex gerade so gar nicht läuft. Von Ben wissen wir, dass er Architektur studiert oder studiert hat und Paul ist ehrgeizloser Rechtsanwalt. Die Berufe spielen aber im Folgenden keine sonderliche Rolle. Mia hängt an Roman, vielleicht etwas leidenschaftlicher als umgekehrt, Greta scheint eine gutaussehende, willensstarke Frau zu sein. Generell bleibt es aber bei Typisierungen der Charaktere, ein eigenes Bild will sich kaum einstellen. Die Kerle kommen mir vor wie phantasielose, unlustige Tunichtguts. Wenig inspirierend – weder zum Interesse an den Charakteren, noch zum Weiterlesen.

Als wir nachmittags so durch den Osten schlendern, fallen mir die traditionellen Berlinerisms auf. In der Straßenbahn hat gefühlt jeder Zweite eine Bierflasche dabei, im Osten flanieren Hundeköttel die Gehwege, es herrscht distanzierte Humorlosigkeit, hektisches Gehen, Gedrängel, und man sieht, was Frauen in Berlin für Mode halten: Knallenge Leggins zu dunkelwattierten Rettungswesten. Oder wie meine Freundin sich ausdrückt:

Hier laufen selbst die ganz hübschen Mädchen auf hässlich getrimmt rum.

Als irgendwo waschechte Düsseldorferin zieht es sie in eine der 111 Sehenswürdigkeiten des Sehenswürdigkeitenbuches, das in Berlin die Touristen erkennbar macht: Das ganzjährige Verkleidungsgeschäft.

Während sie den Laden auseinandernimmt und sich schließlich für eine überdimensionierte Geburtstagsbrille, sowie 30er Absperrband und Warnschilder für ihren Geburtstag entscheidet, lese ich…

… einen Witz. Tatsächlich. Ich lache auf Seite 130. So, dass einige mich schon komisch anschauen. Öffentliches, spontanes Lachen in Berlin ist so eine Sache. Ich werde aber quasi mit dieser Stelle etwas wärmer mit dem Buch. Ich denke nicht mehr ans Weglegen. Immerhin so gut muss die Lektüre sein. Man kann sie weiterlesen. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass man sich, vielleicht wie in einem Roman, mit irgendeiner Figur derart anfreundet, dass man mitfiebert. Pustekuchen. Dafür gibt es Namedropping: Dawkins, Pinker und die Internetaussteckanekdote von Franzen. Jaja.

Am nächsten Morgen hole ich Brötchen, Saft und Milch. Die B.Z. titelt “ENDLICH! Sauf Verbot in der BVG”. Kritik wird hier ja schnell umgesetzt, denke ich. Ubringens: Die schmierigen Graffiti sind auch scheiße! Ich gelange zur Brötchentheke, an der ich mich nicht entsinnen kann, wie Berliner noch mal in Berlin heißen, lerne dagegen: “Good Cookies go to heaven, bad cookies go to…”

Als ich mit den Frühstückssachen wieder in die Wohnung komme, erzählt Maren, dass sie nun eine Wohnung in Rostock hat. Dafür die Prüfung aber nicht machen kann. Ist nicht immer alles Einbahnstraße. Zum Mittagessen zieht es meine Freundin und mich wieder in den Osten. Hinter den Hackeschen Höfen ist Sushi angesagt. Das Sushi kann es mit den Düsseldorfern aufnehmen. Da ich weniger Teller verputze als meine Begleitung…

… und mir die dortigen Kleidungsfachgeschäfte nicht so zusagen wie meiner Freundin, blättere ich etwas.

Die handelnden Personen im Buch lassen sich offenbar immer von irgendwelchen Gefühlen treiben. Man erfährt eigentlich zu wenig über wirkliche Gründe. Alles bleibt Spekulation, alle Veränderung wirkt wie Einbahnstraße. Das Buch verleitet, selbst über Pärchen nachzudenken. Ich habe nach meiner Abizeit selbst gerne Pärchen analysiert, nach Zielen gefragt, über das Wohlbefinden der einzelnen Partner nachgedacht. Einmal habe ich das einem Bekannten vorgelegt, worauf dieser meinte: “Japp, das klingt alles schlüssig. Und ich glaube auch nicht, dass Beziehungen immer sonderlich glücklich sind unterm Strich. Aber vielleicht sind die damit zufrieden.” Da habe ich mich angefangen, mich in Zurückhaltung zu üben, was andere Pärchen angeht.

Als wir den Rückweg antreten – Rotfront tritt abends für lau im So36 auf-, kommt uns in Form dreier Personen Mia. entgegen. Sagt zumindest meine Freundin. Ich habe nur Augen für die schulterbepolsterten Lilaanzüge, die mir einen Tick zu metrosexuell vorkommen. Die blonde Begleitung ist zu klein, um mir aufzufallen. Kann sein, dass das Mietze war. Oder auch nicht.

Auf dem Rückweg kommen wir am St. Oberholz vorbei, uns verschlägt es aber in Unser Haus am Meer. Meine Freundin klagt seit 2 Tagen über Seitenstechen. Blinddarm, eventuell. Kann sein, meinte Maren. Ich lasse mir das Wlan-Passwort geben und google die 5 typischen Kennzeichen einer Blinddarmentzündung. Ihre Wehwehchen qualifizieren nicht für was mit Blinddarm.

“Wanderschmerz”, lese ich vor. “Ja, jetzt, wo du’s sagst: im Rücken zieht was!” – “Nee, das soll heißen, der Schmerz wandert zum Blinddarm hin, nicht quer durch den Körper.” – “Ach, so.”

Ihr geht es schlagartig besser. Und während sie herauszufinden versucht, wer die überbotoxte Frau im roten Kleid auf der anderen Seite ist, und ob sie ihren Begleiter aus dem Fernsehen kennt, lese ich das Buch zu ende.

Das Buch ist zu ende gelesen und verhandelt. Das Ende wird nicht verraten. Wir erfahren mehr über Bens Dreiererfahrung, Jimos Familienplanung und die Eltern der drei Brüder. Soviel sei gesagt.

Was rate ich nun einem potentiellen Leser? Vielleicht das, was man einem zu Berlin auch empfehlen würde: Man sollte es selbst erkunden. Ich halte mich nicht für sonderlich repräsentativ, um dieses Buch geschmacklich genau einzuordnen. Dazu hat man, gerade was Liebe als Thema angeht, doch viel Gepäck immer mit dabei.

Ob dieses Buch was für Sie ist, mein geneigter Leser, müssen sie selbst herauskriegen. Vielleicht haben Sie durch die vorangegangen Zeilen etwas Appetit bekommen.

Guten Morgen

Morgenkaffee Heute ist also der Tag, an dem Conny Kramer starb Christian Wulff als Bundespräsident kündigt – wenn man den ZDF-Informationen glaubt, ist das in etwa einer halben Stunde der Fall. Dann schauen wir also alle mal intensiv auf www.istChristianWulffnochimAmt.de [oder hier im ZDF-Livestream]. Bis dahin schauen wir Kalkofes letzte Wulff-Parodie von heute – quasi dem gemeinsamen Abschluss.

Malte Welding meint, Wulff wäre halt mit seiner trotzigen Haltung ein Kind seiner Generation – mit Betonung auf Kind.

Wo wir gerade bei Wohnungswechsel sind: Sascha Lobo räumt auch seine Butze.

Und während ich mir die Frage stelle: Wird jetzt eine Frau Bundespräsidentin? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Dorin Popa merkt an, dass das ZDF anlässlich eines Franka-Potente-Films Einzelheiten in der Biographie Beate Uhses etwas beschönigen.

Fefe berichtet, dass man in Topeka, Kansas, aus finanziellen Gründen erwägt, häusliche Gewalt wieder und entkriminalisieren. Land of the free.

Frédéric Valin führt seine bei Spreeblick begonnene Fussballkolummne nun unter Zum blonden Engel.

Wo wir gerade bei neuen Blogs sind: Malte Welding ist für die Berliner Zeitung unter die Liebeskaffeesatzleser gegangen.

Und während ich mir die Frage stelle: Hat das große Zurück-zu-den-Wurzel-Bloggen angefangen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Nachtgeschichten

Die Nachtgeschichten von heute

  • Malte Welding über Apple Produkte – Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal in der Spreeblick-Konzernzentrale war, redeten wir über Beamte, Drogen, Beamtendrogen und dass ich ja mal was für Spreeblick schreiben könne. Als ich nach 24 Minuten wieder ging, sagte Johnny, zum ersten Mal von seinem Rechner aufblickend: „Kauf dir doch noch ein MacBook.“
  • Südwest: Urteil: Staatsgerichtshof: EnBW-Kauf war verfassungswidrig – badische-zeitung.de – Die frühere schwarz-gelbe Landesregierung hat mit dem Einstieg beim Energieversorger EnBW gegen die Verfassung verstoßen. Das hat der Staatsgerichtshof in Stuttgart entschieden. Was wird jetzt aus Ex-Finanzminister Willi Stächele?
  • Klimaretter.info – Stuttgart 21: Bauarbeiten gestoppt – Klimaretter.info – Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat der Bahn in einem Eilbeschluss untersagt, die Bauarbeiten am Grundwassermanagement für Stuttgart 21 weiter zu betreiben. Die Bahn hatte ihre Baupläne in einem vereinfachten Verfahren geändert, das keine Beteiligung der Öffentlichkeit und der Umweltverbände vorsieht. Nach Ansicht des BUND ist eine derartige Planänderung nicht mit einem vereinfachten Verfahren möglich und benötigt einen erneuten Planfeststellungsbeschluss.
  • Klimaretter.info – E-Books können Klima schützen – Klimaretter.info – Die Herstellung von zehn Büchern mit durchschnittlich 200 A5-Seiten verursache etwa elf Kilogramm Kohlendioxid. Wenn Recyclingpapier zum Einsatz kommt, verbessert sich die Bilanz auf neun Kilogramm. Demnach müsste man auf einem Lesegerät – während seiner durchschnittlichen Lebensdauer – etwa 25 Bücher lesen, um auf eine positive Klimabilanz zu kommen.
  • Altkanzler Helmut Schmidt: Verstehen Sie das, Herr Schmidt? | Politik | ZEIT ONLINE – Schmidt: Wenn dieser Staat vorübergehend zahlungsunfähig würde, dann wäre das für die Griechen und für alle anderen Europäer ein großes Unglück, aber kein existenziell gefährdendes Unglück. Das gilt sowohl für die wirtschaftlichen als auch die politischen Folgen eines solchen Bankrotts. Die politischen Folgen würden möglicherweise noch schwerer wiegen, denn es könnte der Eindruck entstehen, dass es um die Solidarität unter den Europäern noch viel schlechter bestellt ist, als wir uns das in den letzten Jahren vorgestellt haben. Das Vertrauen in die Gemeinschaft der 27 Mitglieder würde weiter schwinden. Dieser politische Preis wäre zu hoch. Deshalb müssen die Staaten der Europäischen Union Griechenland helfen.
  • Text of Steve Jobs’ Commencement address (2005) – ‘You’ve got to find what you love’ – This is a prepared text of the Commencement address delivered by Steve Jobs, CEO of Apple Computer and of Pixar Animation Studios, on June 12, 2005.
  • Steve Jobs, 1955 – 2011 | Epicenter | Wired.com – It had taken a while for the world to realize what an amazing treasure Steve Jobs was. But Jobs knew it all along. That was part of what was so unusual about him. From at least the time he was a teenager, Jobs had a freakish chutzpah. At age 13, he called up the head of HP and cajoled him into giving Jobs free computer chips. It was part of a lifelong pattern of setting and fulfilling astronomical standards. Throughout his career, he was fearless in his demands. He kicked aside the hoops that everyone else had to negotiate and straightforwardly and brazenly pursued what he wanted. When he got what he wanted — something that occurred with astonishing frequency — he accepted it as his birthright.
  • Piratenpartei: "Sie erreichen nicht die breite Gesellschaft" | ZEIT ONLINE – bei den Piraten dominieren junge, besser gebildete Männer. Vergleichbar ist auch die urbane Struktur im alternativen Milieu. Aber die Grünen hatten von Beginn an eine gefestigtere ideologische und politische Position und deckten mit der Ökologie einen breiteren politischen Bereich ab als die Piraten es jetzt tun. Mit ihrem Sammelsurium von allgemeinen politischen Positionen und der sehr starken Fokussierung auf das Web erreichen sie die Breite der Gesellschaft grundsätzlich nicht.
  • Diese Lieder sind in deinem Land verfügbar 2 « Malte Welding
  • Staatsanwaltschaft ermittelt schlampig – Kunde verprügelt und fast verurteilt – sueddeutsche.de – Weil sie ihn für einen Dieb halten, schlagen Mitarbeiter eines Münchner Supermarkts einen Kunden krankenhausreif und zeigen ihn dann auch noch an. Die Staatsanwaltschaft glaubt den Tätern – und beinahe wird Abdul M. auch noch zum Opfer schlampiger Ermittlungen.
  • Pofalla und die große Welle | Post von Horn – Vor dieser Welle von Kritik erscheint der CDU-Abgeordnete Bosbach als netter Mensch, dem übel mitgespielt wurde. Dabei sollte sich Bosbach über Pofalla Attacke nicht wundern. Ein wenig hat er sie schon herausgefordert. Er beschränkte sich nämlich nicht darauf, seine ablehnende Haltung zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zu Protokoll zu geben.

    Vielmehr nutzte er über Wochen jede Gelegenheit, seine abweichende Auffassung öffentlich zu propagieren und sich selbst zu profilieren. Das provozierte viele in seiner Fraktion. Nicht wenige nehmen ihm das richtig übel, behalten ihre Kritik aber für sich. Bosbachs Verhalten entschuldigt Pofallas Attacke natürlich nicht.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Miriam Meckel beeindruckt die emotionale Reaktion Hillary Clintons bei Betrachtung der Tötungsaktion zum Nachteil, wie die Juristen so sagen, von bin Laden.

Malte Welding befasst sich mit dem Medienspektakel um den Kachelmannprozess und meint, Kachelmann werde nicht verurteilt werden.

Felix Schwenzel fragt, ob es absurd sei, sich über den SPIEGEL zu beschweren, wenn man dessen Informationslieferungen dank Filtersouveränität (noch so ein Wort) auch einfach ignorieren könnte. Eine ähnliche Idee hat Deef in Ein Herz für Selbstdarsteller verfolgt.

Und während ich mir die Frage stelle: Wird man denn nicht noch den SPIEGEL kritisieren dürfen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Lesezeichen

Guten Morgen

morgenkaffee

Da hat die Kanzlerin aber einmal ein religiöses Machtwort gesprochen: Es stimme wie Bundespräsident Wulff sagt, dass der Islam zu Deutschland gehöre wie Christentum und Judentum, er gehöre aber eben nicht zum Selbstverständnis Deutschlands. Das ist dann wohl die CDU-Variante von: Ich bin nicht fremdenfeindlich, aber ich mag keine Ausländer.

Malte Welding befasst sich mit dem Buch von Stephanie Guttenberg über sexuellen Kindesmißbrauch und trifft auf ein Machwerk aus der Kitschkiste:

Frau zu Guttenberg macht dabei etwas, das sie vermutlich nicht beabsichtigt. Indem sie einen Zusammenhang herstellt zwischen Videos, die Kinder sich ansehen, und sexuellem Missbrauch, wirkt es auf einmal, als könnten die Kinder etwas an dem an ihnen verübten Verbrechen ändern, würden sie statt MTV den Kinderkanal anschauen. Das erinnert dann doch arg an die Argumentation früherer Vergewaltigungsprozesse: Wenn die Frau doch einen Minirock trägt, dann ist sie halt selber Schuld.
Natürlich meint zu Guttenberg das nicht so, sie denkt halt einfach nicht besonders scharf. Oder lassen Sie es mich freundlicher formulieren: Sie ist erstaunlich unsortiert. Tim Renner (unter anderem Professor an der Pop-Akademie Baden-Württemberg) weist darüber hinaus darauf hin, wie sich Stephanie zu Guttenberg geschmückt mit Teufelshörnchen auf einem AC/DC-Konzert fotografieren lässt und schließt, es sei völlig inakzeptabel „sich einerseits des Rock’n'Rolls zu bedienen, wenn es darum geht, sich und den Gatten in der Öffentlichkeit als lustige CSU-Rebellen zu positionieren und ihn dann zu missbrauchen, um einen populistischen Beleg für Thesen rings um ein so schreckliches Phänomen wie Kindesmissbrauch zu haben“.

Michael Spreng bewertet die Information, dass Wolfgang Schäuble eine Rücknahme ermäßigter Mehrwertsteuersätze ( z.B. “sieben Prozent Mehrwertsteuer für Rennpferde, Schnittblumen, Hundefutter – und auch für die Hoteliers” ) zurückgenehmen will als schlechte Nachricht für die Bürger Deutschlands.

Und während ich mir die Frage stelle: Hat – genau genommen – nicht Christian Wulff durch sein Goethe Zitat Menschen wie Merkel der zweischneidigen Zunge deklariert? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Lesezeichen

Guten Morgen

morgenkaffee

Heute legt Malte Welding seinen ersten Blogbeitrag für Deus ex machina vor, ein Blog, das ich gestern noch kritisch betrachtet habe. Seine Sprache ist aber, anders als gestern beschrieben, deutlich angenehmer, schnell findet er zum Punkt seines Anliegens, wenn auch offen bleibt, was Lothar Matthäus mit der Balz im Internet zu tun haben soll.

Der Erste und der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichtes streiten sich über die Frage, ob die Bundeswehr im Inneren der Bundesrepublik eingesetzt werden darf.

Sebastian Beck schreibt bei der Süddeutschen Zeitung über das totgeschwiegene Trauma: Polizisten werden persönlich angegriffen und mit dieser psychischen Belastung alleine gelassen:

Pfeiffer sagt, es laste Druck auf Polizisten, sich unbeeinträchtigt zu zeigen und männliche Härte auszustrahlen. “Wer das nicht aushält, der läuft Verdacht, dass er ein Weichei ist.” Beamte, die im Dienst schwer verletzt wurden, berichteten den Wissenschaftlern aus Hannover, wie sehr sie darunter gelitten hätten, dass sie im Krankenhaus keinen Besuch von Kollegen bekommen hätten. Pfeiffer hat eine einfache Erklärung dafür: Das eigene Leid und das der anderen werde einfach verdrängt. Viele Beamte laufen nach seiner Beobachtung mit einem “emotionalen Panzer” durch die Gegend.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum gibt es keinen Unterricht zur Achtung vor staatlichen Einrichtungen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Don Alphonsos neues Blog 'Deus ex machina'

Nachdem der Blog CTRL-Verlust von Michael Seemann bei der FAZ gekickt wurde, ist dort ein Platz frei geworden, der ausgerechnet mit einem Seemann-Kritiker besetzt wurde:
Don Alphonso macht bei der FAZ ein neues Blog auf und diverse Medien berichten darüber. Im Radio-Interview mit dem Deutschlandfunk kommt er selbst zu Wort:

Malte Welding, ehemals Spreeblick- und Netzeitung-Blogger, wird also mitschreiben. Aha. Und auch Herr Meyer hat gemerkt, dass sich die FAZ ein linkes Feuilleton als Ausgleich zum konservativen Politik- und Wirtschaftsteil leistet. Super.

Ich finde den Stil der bisherigen Texte schlicht quälend. Da will man offensichtlich dem Vorgänger-Blog in nichts nachstehen. Es wird sehr lang um den heißen Brei rumgeredet, dass man sich für diesen irgendwann gar nicht mehr interessiert. In seinem barocken Stil soll das dann stilvoll sein. Dann doch lieber Aspekte.

April 2014
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