Artikel-Schlagworte: „Piratenpartei“
Gerade zoffen sich also der Spiegel und Marina Weisband über autorisierte oder nicht autorisierte Zitate. Mir scheinen die beanstandeten Zitate gegenüber der dem gewünschten Inhalt nicht gänzlich sinnverändernd zu sein, aber man wird in kommender Zeit sicher mehr dazu hören. Mich erinnerte diese Causa an meinen Rechtsstreit, den ich eines Tages im Spiegel wiederfand.
Ende letzten Jahres bekam ich eine E-Mail eines Twitter-Benutzers, der sich für die Angelegenheit meines Rechtsstreits interessierte. Mir war weitläufig bekannt, dass er für den Spiegel arbeitet. Etwas überrascht war ich, als ich Inhalte der E-Mail-Korrespondenz auf den Seiten des Spiegels wiederfand. Von einem Artikel über die Angelegenheit sowie der Veröffentlichung des Inhalts war so wenig je die Rede gewesen wie von einer Autorisierung der dortigen Inhalte. Ähnliches denke ich über das Telefongespräch des Autors mit der Gegenseite.
Ich hätte damals gegen den Spiegel vorgehen können, hatte aber schlicht keine Lust, mich noch mehr mit der Thematik auseinander zu setzen. So ließ ich es. Und so blieb der reißerische Artikel beim Spiegel, der Klicks generieren und nicht die Realität abbilden soll.
Aktualisierung
Piratenpartei-Mitglied und Anwalt Markus Kompa keilt gegen die SPIEGEL-Autorin.
- Flüchtlinge in Berlin: Polizei verbietet Decken und Iso-Matten – SPIEGEL ONLINE
- FDP-Politiker Baum wird 80 – WDR.de Ich bin in bestimmten Situationen ja auch so etwas wie ein zorniger alter Mann. Ich habe mehrere Jahrzehnte politische Ämter in der FDP gehabt. Ich nehme mir jetzt das Recht heraus, die FDP zu fordern, eine wirklich liberale Partei zu sein.
- annalist » Online-Tristesse Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, hat die Frage, wie das mit dem Geld denn gehen soll, in Berlin vor zwei Jahren sehr souverän beantwortet. Sinngemäß hat er freundlich lächelnd erklärt, dass er als Chefredakteur Journalist sei und die Aufgabe habe, guten Journalismus zu machen. Für’s Geldverdienen seien andere zuständig. Einer der wenigen deutschen Chefredakteure, die was vom Netz verstehen, Wolfgang Blau, wechselt jetzt zum Guardian. Das spricht für sich und hinterlässt in der deutschen Medienlandschaft eine Lücke.
- SPRENGSATZ » Die sprachlose Partei Die Piraten setzen auch keine Themen. Sie beschäftigen sich nicht mit den Problemen der Menschen, sondern mit sich selbst.
Leistung muss sich wieder lohnen. Sagt wer? Der Vorstand der Piratenpartei Hessen und erhöht seine Gehälter um 50%.
De Einsatz von Drohnen hilft angeblich bei Bränden, Geiselnahmen und zur Drogenbekämpfung, meint man jedenfalls ohne einen Beleg zu geben im hessischen Innenministerium. An das Wort Kinderpornographie traut man sich wohl nicht mehr ran.
Hans Leyendecker tippt beim Tod Uwe Barschels auf Sterbehilfe.
Lothar Lenz vom WDR hat da aber mal eine ganz pfiffige Lösung für die Beschneidungsdebatte: Wenn es mal der Fall ist, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit und mit dem Recht auf freie Religionsausübung kollidiert, dann hat der Beschnittene eben Pech:
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Und während ich mir die Frage stelle: Wie FDP sind eigentlich die Piraten? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
Momentan ist es ja irgendwie unter Politikern Mode, statt sich mit Inhalten zu befassen, andere Parteien zu interpretieren. Für die Grünen hat das Malte Spitz übernommen. Und der radebrecht da im übelsten Politikersprech Neunmalkluges wie:
Die Piraten inszenieren sich als Partei der „Avantgarde“, die sich aber vorwiegend mit sich selbst und weniger mit Wählern und Inhalten beschäftigt, die mit ihrem Outlaw-Image und dem Versprechen der Avantgarde spielen, und damit erfolgreich ins Berliner Abgeordnetenhaus und in ein Umfragehoch segelte.
Das ist das, was Konservative anfangs über die Gründen gesagt haben. Herzlichen Glückwunsch, Herr Spitz, zu dieser Punktlandung.
Die Grünen haben schlicht Jugendlichkeit als Markenkern verloren, sind inzwischen eben auch oft alt geworden, zu alt für die Jugend von heute. Fürchterlich auch der Fall in Technikgefasel, das jugendlich wirken soll:
Den Piraten fehlt die große Erzählung, die Vision jenseits von Buzzwords.
Was ist denn die große Erzählung der Grünen? Was haben große Erzählungen in der Politik verloren?
Stattdessen wurden als erstes reflexhaft die „Köpfe“ von BKA-Chef Ziercke und Innenminister Friedrich gefordert und in Interviews mit Wild-West Vergleichen schwadroniert, statt aufzuzeigen, was die Zusammenhänge bei diesem Thema bedeuten, das anscheinend deutsche Unternehmen solche Technik entwickeln, staatliche Behörden dies mit völliger Unwissenheit und ohne Kontrolle fahrlässig einsetzen.
Oh, wenn etwas überfällig ist, dann den Rücktritt von Friedrich zu fordern, der in dieser wie zuvor bei der Islam-Thematik so unbeholfen und fehlgeleitet herumschwimmt, dass Kompetenzanfragen nicht ausbleiben sollten. Erschreckend, dass sie nicht von den Grünen gekommen sind, sondern erst von den Piraten.
die Piraten sind in keine inhaltliche Lücke gestoßen
Oh doch, Herr Spitz. Ob sie sie ausfüllen können, ist eine andere Frage, aber für die Grünen wäre Einsicht hier ein erster Schritt zur Besserung.
Na, was soll man denn nun davon halten? Der ehemalige Redenschreiber Helmut Kohls Stephan Eisel fühlt sich berufen, vor dem Menschenbild der Piratenpartei zu warnen.
Gerade beim Kernthema der Internetpartei tritt dabei die problematische Grundausrichtung der Piraten offen zu Tage: Ihr Menschenbild ignoriert die Verschiedenartigkeit und Gleichwertigkeit der Menschen. Denn wer mit dem Internet nichts anfangen kann oder will, passt nicht in ihr digitales Weltbild und gehört nicht zu den „Auserwählten“ der neuen Zeit. Das Weltbild der Piraten verweigert sich zudem konsequent dem unverzichtbaren und unauflösbaren Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung. Vor einem christlichen Menschenbild kann aber elitäres Gebaren ebenso wenig bestehen wie die bedingungslose Vergötterung eines neuen Mediums.
Die Piratenpartei derart als Sekte vorzustellen ist ungefähr so fair, als wenn man alle Kohl-Verfehlungen auf Eisel beziehen würde. Warum überhaupt soll eine Partei so ungemein religiös geprägt sein, wie Eisel meint? Der von Eisel vorgefundene Elitenbegriff ist schlicht von ihm selbst in die Piratenpartei reingelesen worden und kann so selbstverständlich leicht rausgelesen werden. Damit folgt Eisel eh dem katholischen Mantra, wer dem rechten Glauben abschwört, verehrt falsche Götter. Abgesehen, dass dieses Vorgehen zum Handwerkszeug eines Redenschreibers gehört, ist diese Finte strunzdämlich.
Daneben ist ja der letzte Satz schon von entlarvender Einfältigkeit: Vor dem christlichen Menschenbild kann elitäres Gebaren nicht bestehen? Schon lange keinen kritischen Blick mehr auf die Katholische Kirche geworden, was, Herr Eisel?
Nein, nein, die Piraten sind sicherlich ungemein kritisierungsbedürftig, man kriegt sie aber sicher nicht mit dem unkritisch-christlichem Gefasel aus den 80ern.
Tatsächlich. Es sind keine 24 Stunden nach dem Wahlerfolg der Piratenpartei in Berlin vergangen und Vertreter der Evangelischen Kirche kriegen schon Muffensausen, dass ihnen ihre staatliche Finanzierung abhanden kommt. Schon interessant, wie schnell die da in Stellung gehen, und wie schnell die da Wissenschaftler finden, die ihre Linie vertreten. (Dass den christlichen Kirchen noch das Reichskonkordat zugute kommt, wird auch mal eben unter den Tisch fallen gelassen.)
Eine bessere Wahlempfehlung für die Piratenpartei habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
Meine Güte, einen so strunzdämlichen Text über Politik habe ich auch schon lange nicht mehr gelesen: Klaus Kocks versimpelt die Piratenpartei auf den Nenner, sie sei, weil sie gegen den Begriff des geistigen Eigentums sei, gänzlich gegen Privateigentum:
Wer Freiheit und Sozialismus will, muss Privateigentum und Wettbewerb wollen.
Ich stimme der Piratenpartei in ihrer Argumentation zum geistigen Eigentum nicht zu, aber aus ihr folgert sich nicht, dass man gleich ganz gegen Privateigentum und Wettbewerb ist. Und dass die Piratenpartei für Sozialismus sein soll, der meines Erachtens gerade mit Freiheit, Privateigentum und Wettbewerb auf Kriegsfuß steht – nein, Herr Kocks ist da wohl einfach durcheinander gekommen.

Hans-Ulrich Wehler ruft die SPD zur inhaltlichen Auseinandersetzung auf und verbindet dies mit einer Analyse von Bildungskatastrophen.
Eine Politikerin der Piratenpartei hat mit einem Blogeintrag zur satirischen Entlassung der Bundesregierung aufgerufen. Immerhin haben sich für diese Idee 16.000 Petenten gefunden. Nun verlangt sie – vertreten durch ihren Mann – schon für das Verlinken des Artikels eine Gebühr. Das findet der Spiegelfechter ausgesprochen albern.
Das Bundeskartellamt sucht nach Nachweisen für das wiederkehrende Steigen der Spritpreise zu Ferienbeginn.
Und während ich mir die Frage stelle: Was passiert wohl nach einem Nachweis, dass die Spritpreise wirklich strategisch zu Ferienbeginn steigen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
[Foto: Luc van Gent]
