Sinn machen oder Sinn ergeben

kannitverstanIrgend­wie ist es auch mal Zeit für eine Sprach­philoso­phie-Ecke in diesem Blog. Eigentlich kann ein Jed­er und eine Jede sprechen wie sie mag, sie sollte sich eben nur gün­sti­gen­falls ver­ständlich aus­drück­en. Insofern ist Sprach­philoso­phie ver­fehlt, wenn es irgendwem vorschreibt, wie sie oder er zu sprechen habe. Aber vielle­icht gibt es hin und wieder eine für Sprech­er ein­leuch­t­en­dere Hand­habung der Sprache. Diesen Gedanken ver­folge ich an dieser Stelle. Gut, dann fan­gen wir doch ein­fach mal mit einem Klas­sik­er sprach­lich­er Schlu­drigkeit an: Sinn machen oder Sinn ergeben.

Weil es plaka­tiv­er klingt, ver­wen­den Leute heutzu­tage gerne die For­mulierung, etwas mache Sinn, oft­mals nur als Aus­druck, dass man etwas ver­standen hat. Damit ist die eigentliche Bedeu­tung dessen, was hier in Rede ste­ht noch etwas derang­iert: Im Deutschen heißt es eigentlich, dass etwas Sinn ergibt. Hier­mit behauptet man, dass ein Gedanke eine logis­che Her­leitung innehat. Von dieser Bedeu­tung geht man ab, wenn man statt der deutschen Redeweise das aus dem Englis­chen hergenommene macht Sinn ver­wen­det.

Die Spra­chumge­bung des englis­chen macht Sinn ist allerd­ings nicht voll­ständig im Deutschen gegeben. Man kann z.B. im Deutschen sagen, dass von einem auf den anderen Moment sich neue Gegeben­heit­en für eine Per­son ergeben haben. Dieses Satz kann man im Deutschen so leicht ver­ständlich nicht mit dem Wort machen aus­drück­en, weil machen nicht den Gedanken ein­er gedanklichen Her­leitung innehat. Es beste­ht dem­nach keine sprach­liche Notwendigkeit, vom Deutschen ins Englis­che zu wech­seln.

Allerd­ings lässt es sich, wie oben schon angedeutet, plaka­tiv, sprich rhetorisch, ver­wen­den. Durch die Behaup­tung, etwas mache doch keinen Sinn, kann man einem aufge­fassten Gedanken spöt­tisch absprechen, ratio­nal zu sein. Das tut man aber, indem man auf die Sinnlosigkeit des Gedankens anspielt, nicht auf das Manko ein­er nur fehlen­den Her­leitung inner­halb dieses Gedankens. Spitzfind­ig aus­ge­drückt: Der eigentliche Gedanke der Sin­ner­haftigkeit wird durch Sinn machen eher dem gedacht­en Objekt als dem Denker des Objek­ts zugeschrieben, bei Sinn ergeben wird es aus­drück­lich dem jew­eils Denk­enden zugeschrieben.

Es ist inter­es­sant zu sehen, dass in den 80er Jahren in der Syn­chro­ni­sa­tion amerikanis­ch­er Filme nahezu auss­chließlich von Sinn ergeben und heutzu­tage wesentlich öfter von Sinn machen die Rede ist. Dies ist im Fol­gen­den beispiel­haft an Auss­chnit­ten von Mord ist ihr Hob­by und Dr. House zu sehen:

Sehr schön aber auch, wie man in bei­den Auss­chnit­ten Logik­er und Trot­tel aufeinan­dertr­e­f­fen lässt. Die Kon­no­ta­tio­nen mit dem jew­eili­gen Sprachge­brauch sind da dur­chaus rausles­bar.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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2 Kommentare

    1. Schö­nen Dank für den Link, die Diskus­sion kan­nte ich noch nicht. In vie­len Din­gen ergibt sich da kein Wider­spruch zu Ste­fanow­itsch. Ich würde eben­so, wie am Anfang des Texts geschrieben, nicht auf die eine objek­tiv-richtige Ver­wen­dung der deutschen Sprache pochen. Ste­fanow­itsch nen­nt das die Logik der äußeren Welt. Insofern poche ich nicht wie Sick darauf, dass die eine Idiomver­wen­dung vol­lkom­men richtig und das andere vol­lkom­men falsch ist. Sprachver­wen­dung halte ich dem­nach für sub­jek­tiv, und was da richtig und falsch ist, entschei­det das Sub­jekt. Ander­er­seits stimme ich mit Ste­fanow­itsch hierin nicht übere­in:

      wir haben gese­hen, dass sie, wenn sie denn tat­säch­lich aus dem Englis­chen stammt, völ­lig kor­rekt und in vollem Umfang entlehnt wor­den ist.

      Hier scheint mir Ste­fanow­itsch auf eine objek­tiv unter­such­bare Sprachver­wen­dung hinzuweisen, nach der das englis­che to make sense das­selbe bedeutet wie Sinn machen. Das, wenn man so will, wider­spricht mein­er Behaup­tung, dass mit Sinn ergeben eher auf die logis­che Koherenz des Gesagtem anspielt, und mit Sinn machen eher auf die Sinnhaftigkeit eines Gesagtem, so wie in “Der Inhalt dieses Gedankens erfüllt einen Zweck”. Der Unter­schied wäre dann gegeben, wenn mit der For­mulierung Sinn ergeben etwas anderes als mit Sinn machen aus­ge­sagt wird. Es muss also ein Satz sein, der logisch koher­ent ist, aber zweck­los. Und da würde ich doch behaupten, dass es für viele Men­schen ein Unter­schied ist, über den Satz “Rot ist rot.” zu sagen, er ergebe oder er mache Sinn. Er ergibt Sinn, weil er logisch koher­ent ist, aber er macht keinen Sinn, weil der Inhalt des Gesagten wed­er ein Zweck erfüllt, noch eine neue Bedeu­tung einge­führt wird: Das Gesagte weiß der Sprech­er schon und es ergibt sich keine neue Erken­nt­nis.

      Ein Wider­spruch, als Begriff der Logik, nicht als Gegenrede, ist hier also nicht, weil Ste­fanow­itsch ent­ge­gen sein­er Behaup­tung die logis­chen Kon­no­ta­tio­nen bei­der Idiome gar nicht prüft, son­dern ihre inhaltliche Iden­tität ein­fach behauptet [s.a. Ste­fanow­itsch 2010 ].

      Das sprach­liche Span­nungsver­hält­nis beste­ht in dieser Angele­gen­heit dem­nach zwis­chen machen und ergeben, ungeachtet des Umstands, dass Sinn machen und Sinn ergeben von irgendwelchen Sprech­ern mal so und mal so einge­set­zt wer­den. Ergeben ste­ht für das Zus­tandekom­men des Ergeb­niss­es eines Gedanken­gangs, machen in diesem Zusam­men­hang für das Dasein eines Ergeb­niss­es. So wird es z.B. auch bei Pipi Langstrumpf ver­wen­det:

      2 x 3 macht 4, wid­dewid­de­witt und drei macht neune

      Das Pochen auf die hier zum Aus­druck gebrachte Sub­jek­tiv­ität wird der Objek­tiv­ität und der logis­chen Her­leitung ja ger­ade ent­ge­genge­set­zt. Die Span­nung dieser Diskus­sion ergibt sich mein­er Mei­n­ung nach durch den Umstand, dass wie Pipi Langstrumpf Men­schen in ihrer Sprachver­wen­dung gar nicht auf eine Logik ihrer Gedanken ver­weisen wollen. In diesem Fall ist eine Dif­fer­en­tierung der bei­den Idiome uner­he­blich.

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