Freiheit

kannitverstan

Frei­heit nach Mari­us Müller-Westernhagen ist ja das Ein­zi­ge was zählt. Aber damit wur­de damals wohl nur Frei­heit von poli­ti­scher Unter­drü­ckung gemeint. Wenn man nicht gera­de der Mei­nung ist, dass man Begrif­fe wie Frei­heit gar nicht sinn­voll aus­drü­cken kann, weil jeder mit Recht etwas ande­res dar­un­ter ver­ste­hen kann, ver­tut man sich. Man ver­tut sich aber auch, wenn man so wie die FDP alles “Frei­heit” nennt, was man irgend­wie gut fin­det. Dort gibt es sogar einen Foto­wett­be­werb zur Frei­heit. Als ob man Frei­heit foto­gra­phie­ren könn­te.

Das Wort klingt gut, es hat eine durch und durch posi­ti­ve Aus­strah­lung und doch ist nicht genau klar, was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist. Im Inter­net lässt sich aller­dings ein phi­lo­so­phi­scher Text fin­den, der wohl aktu­ell zum Bes­ten gehört, was aus der Wis­sen­schaft der Phi­lo­so­phie der­zeit her­vor­ge­gan­gen ist. Er stammt von Georg Geis­mann , einem viel­leicht etwas schrul­li­gen, aber zwei­fel­los sehr wich­ti­gen, erme­ri­tier­ten Pro­fes­so­ren. Sein Spe­zi­al­ge­biet ist Kant. Mit Kant ver­hält es sich nun so, dass es glü­hen­de Anhän­ger der Phi­lo­so­phie Kants und star­ke Ableh­ner. Es ist ein wei­tes Feld, sich mit der Ent­ste­hung der Hal­tung tota­ler Ableh­nung Kants zu beschäf­ti­gen, ich fin­de die­se Hal­tung aller­dings nur hin­der­lich. Denn Kant hat tat­säch­lich heu­te noch Gewich­ti­ges zu sagen. Lei­der stem­peln vie­le in der Phi­lo­so­phie Kant als his­to­risch und daher nicht mehr aktu­ell ab. Das ist unge­fähr so, als wür­de man Beet­ho­ven mit Tokio Hotel ver­glei­chen und mei­ne, es kom­me zur Bewer­tung der Bedeu­tung der Schaf­fen­den dar­auf an, ob man noch lebt oder nicht.

Es ist aller­dings kein ein­fa­ches Unter­neh­men, über ein durch­aus schwie­ri­ges Text­stück, wie Geiss­mann es vor­legt zu blog­gen. Die deut­sche Blog­go­sphä­re ist zwar bunt, aber doch oft­mals ober­fläch­lich.

Geis­manns Text lau­tet Kant über Frei­heit in spe­ku­la­ti­ver und in prak­ti­scher Hin­sicht [pdf]. Die Aus­drucks­wei­se, wie man hier schon merkt, ist mit­un­ter durch­aus bedacht. Die Über­schrift han­delt von zwei Hin­sich­ten auf das­sel­be Wort oder den­sel­ben Begriff, um sich phi­lo­so­phisch aus­zu­drü­cken.

Im Text, den man sich durch­aus mal anschau­en soll­te, fin­det man wei­te­re Beson­der­hei­ten: Mit Will­kür ist nicht der heu­tei­ge Begriff von Will­kür­lich­keit gemeint, son­dern die bewußt getrof­fe­ne Wahl, die eige­ne Ent­schei­dung. Mit Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht ist Ent­schei­dungs­frei­heit gemeint, mit in theo­re­ti­scher Hin­sicht Hand­lungs­frei­heit. In aktu­el­len Dis­kus­sio­nen wird meist über letz­te­ren Begriff gere­det. Z.B.: Ist der Vor­gang, dass ich jetzt mei­ne Hand hebe, wirk­lich haupt­säch­lich auf mei­nen Gedan­ken, dass ich jetzt die Hand heben will, zurück­zu­füh­ren?

Das ver­nei­nen Bio­lo­gen und eini­ge Phi­lo­so­phen heu­te meist. Dage­gen gibt es aber noch Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht, da Men­schen ihre Hand­lun­gen pla­nen kön­nen. Sie kön­nen Ent­schei­dun­gen tref­fen über Hand­lun­gen, die sie künf­tig voll­zie­hen. Frei­heit in theo­re­ti­scher Hin­sicht wird an die­ser Stel­le nicht in den Fokus genom­men, von ihr wird abs­tra­hiert. Weil es die­se Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht gibt, redet man von einer Ver­ant­wor­tung, die Men­schen für ihre Taten haben. Für eini­ge Bio­lo­gen besteht die­se Ver­ant­wor­tung nicht, aber mei­nes Erach­tens nur aus dem Grun­de, weil sie Frei­heit nur in theo­re­ti­scher Hin­sicht anneh­men. Aus die­ser Sicht­wei­se her­aus wäre die Ansicht rich­tig.

Man muss nicht alle Begrif­fe ver­ste­hen, soll­ten den­noch Begriffsun­klar­hei­ten bestehen, lohnt ein Blick in das online ver­füg­ba­re Kant-Lexikon.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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