Rollkofferslalom

Bewe­gungsabläufe in Fußgänger­zo­nen sind in der Sportwissenschaft bis­lang sträflich mis­sachtet wor­den. Nehmen sie nur den Slalom­lauf um übergewichtige Zug­fahrer auf dem Weg durch die Fußgänger­zone zum Bahn­hof. Das erfordert einiges an Geschick.

Mit übergewichti­gen Fußgänger­zo­nen­be­nutzern ist es ja eh so eine Beson­der­heit. Die schauen ihre Ent­ge­genk­om­menden lange an, erwarten aber, dass der Ent­ge­genk­om­mende einem son­st sicheren Auf­prall auswe­icht, egal wie eilig sie selb­st unter­wegs sind. Oder ken­nen Sie etwa übergewichtige Fußgänger­zo­nen­be­nutzer, die dem Gegen­verkehr fre­undlich einen Weg frei machen? Wird im Straßen­verkehr rechts vor links beachtet, gilt für Fußgänger­zo­nen dick vor dünn. Wie lustig wäre es, wenn im Straßen­verkehr das Gewicht der Fahrzeuge über die Vor­fahrt entschei­den würde. Vol­lkom­men unvorstell­bar. Aber in Fuss­gänger­zo­nen eben die Regel.

Kom­men wir nun aber zur eigentlichen Sportart. Am Auswe­ichen übergewichtiger Fußgänger hat man sich eigentlich schon sozial gewöh­nt. In let­zter Zeit hat ein spezielles Gepäck­stück den Fußgänger­zo­nen­sport ver­fein­ert. Und dies in Kom­bi­na­tion mit übergewichti­gen FGZBs ist für jeden ser­iösen Sportler eine echte Her­aus­forderung: Der Rol­lkof­fer mit dem ausziehbaren Hal­te­griff, ein soge­nan­nter Trol­ley.

Falls Sie das noch nicht bemerkt haben: üFGZBs haben die Ange­wohn­heit, ihre Trol­leys nicht eng am Kör­p­er zu führen, son­dern sozusagen an der lan­gen Leine zu lassen. Das ist ein biss­chen Hil­fe zur Selb­sthil­fe: Ein­ser­seits macht das Schlüren des Kof­fers einen schlanken Fuß, indem der Kof­fer auf Abstand zum mas­si­gen kör­p­er gehal­ten wird, ander­er­seits erzeugt diese Abstand­shal­tung ein Gefühl der Läs­sigkeit.

Der Fußgänger­zo­nen­sportler muss dieser Masche allerd­ings Rech­nung tra­gen: Nicht hin­ter jedem Fußgänger wird ein Trol­ley ver­mutet. Und da sich die inter­es­san­ten Dinge in der Fußgänger­zone eher auf Augen­höhe oder etwas darunter abspie­len, muss man auf die Trol­leyge­fahr gefasst sein. Das wird beson­ders span­nend, wenn man zügig durch die Fußgänger­zonne will: Da gilt es, über Trol­leys zu sprin­gen und den üFGZBs auszuwe­ichen. Und hin­ter einem üFGZB kön­nte gle­ich der näch­ste lauern. Oder ein Trol­ley. Oder ein Klein­wa­gen.

Wäre die Fußgänger­zone nicht so klein, kön­nte man auch Turnierpferde ein­set­zen. Aber so ist der Sportler mit Anspruch auf sich selb­st gestellt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser Sport olymp­isch wird – offiziell oder inof­fiziell. Fußgänger­zo­nen müssten ja in den Olympiastädten kaum eigens instal­liert wer­den. Und üFGZBs gibt’s auch an jed­er Straße­necke. Ich bin ges­pan­nt auf den ersten Goldmedal­liengewin­ner im Rol­lkof­fern.

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