Schulze Gronover, Sabine — Todgeweiht im Münsterland

Ja, Sie ahnen es schon, wir sind bei der Trash-Literatur unter den Müns­ter­land­kri­mis gelan­det:

Tod­ge­weiht im Müns­ter­land ist die wir­re, logik­strot­zen­de Geschich­te um einen Lek­tor, dem eine Daher­ge­lau­fe­ne zuraunt, er wer­de gleich ster­ben, was er ver­trau­ens­voll hin­ter­her­ren­dend erst ein­mal glaubt, dann wird er fast erschos­sen, was sei­ne Beglei­tung belus­ti­gend fin­det, und eine Fami­li­en­mord­ge­schich­te gilt es auch noch zu lösen. Das alle­samt ist albern, meta­phern­über­la­den („Der ein­zi­ge Aus­gang war uns ver­sperrt. Es gab noch zwei völ­lig ver­staub­te klei­ne Fens­ter, die höhn­insch auf uns her­ab­zu­bli­cken schie­nen, denn mit gefes­sel­ten Hän­den gab es kei­ne Mög­lich­keit, die­se Ober­lich­ter zu errei­chen.“) geschrie­ben und nimmt sich zu ernst, als dass es als Trash schon wie­der gut wäre. Und das Müns­ter­land wird auch nur name­drop­pend ver­wen­det. Naja, immer­hin wird hier nicht ver­sucht, fern­seh­for­ma­tig für Unter­hal­tung zu sor­gen.

Aller­dings fehlt der Auto­rin genau das, was dem Roman (Lese­pro­be) fehlt: Ein ver­nünf­ti­ger Lek­tor.

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2 Kommentare

  1. Lie­ber Cars­ten,

    wäh­rend mei­ner nun 20jährigen Tätig­keit in der Psych­ia­trie muss­te ich erken­nen: Men­schen han­deln fast nie logisch, es sei denn wäh­rend einer Mathe­klau­sur und dann bleibt es auch oft bei einem Ver­such.
    Zudem müs­sen Sie das Buch schon ver­ste­hen, wenn Sie ein­zel­ne Sät­ze aus­ein­an­der­neh­men möch­ten: die Beglei­te­rin unse­res Hel­den fand es kei­nes­wegs lus­tig, dass auf ihn geschos­sen wur­de, sie fand ledig­lich sei­ne unfrei­wil­li­ge “Schüt­zen­gra­ben­tak­tik” komisch. Und was fin­den Sie an zwei Ober­lich­tern in einer Scheu­ne so meta­phern­reich ja über­la­den? Ein Lite­ra­tur­agent fand das Buch schnör­kel­los. Also was denn nun?

    Ob sich das Buch zu ernst nimmt (kann sich ein Buch über­haupt ernst neh­men?) oder nicht ist doch egal — es ist in jedem Fall unter­halt­sam und humor­voll. Das ist ja eine schö­ne Neben­wir­kung eine Buches, oder?
    Ich emp­feh­le Ihnen als tap­fe­ren Leser auch mein zwei­tes Buch “Luzi­fer und der Küs­ter”, hier spielt sogar der Erz­engel Micha­el mit, was natür­lich kom­plett unlo­gisch ist…
    Immer­hin, mein Buch hat es in Ihren Blog geschafft, dafür ein herz­li­ches Dan­ke­schön. Die paar Recht­schreib­feh­ler in Ihrem Text hät­te sicher­lich auch ein guter Lek­tor über­se­hen!

    1. Hal­lo,

      dan­ke für die Ant­wort. Die Zuord­nung, wor­über die Dame lacht, ist sicher­lich falsch, eben­so dass Bücher sich selbst ernst näh­men, aber das ist meta­pho­risch gemeint.

      Ich glau­be aller­dings, dass Men­schen sehr oft logisch han­deln, nur ist ihre Aus­gangs­la­ge mit­un­ter so ver­zet­telt, dass aus den Hand­lun­gen Erge­nis­se kom­men, die so gar nicht beab­sich­tigt waren.

      Über den Lek­tor in der Geschich­te den­ke ich eigent­lich zu Anfang, dass er geübt ist im Umgang mit merk­wür­di­gen Per­so­nen. Daher ist es über­ra­schend, wie ernst er jeman­den nimmt, der ihn ein­fach so anspricht. Eben­so ist es irri­tie­rend, dass jemand kurz nach einer über­ra­schen­den und höchst­ge­fähr­li­chen Situa­ti­on zu scher­zen auf­ge­legt ist. Alles nicht schlimm, man weiß nur nicht, was für eine Geschich­te nun erzählt wer­den soll: Eine tra­shi­ge (das so Han­deln wird ja nicht erklärt) oder eine ernst­haf­te.

      Komisch fand ich das Buch gar nicht, ich habe Komik so wenig ver­misst wie ande­re Ste­reo­ty­pe, die in ande­ren Regio­nal­kri­mis rauf und run­ter geschrie­ben wer­den. Ich fand es auch kein Buch, dass sei­nen Leser für dumm ver­kauft. Das ist alles schon okay so, und darf man sicher­lich schnör­kel­los nen­nen.

      Was das ange­führ­te Zitat angeht, es ging mir um

      Es gab noch zwei völ­lig ver­staub­te klei­ne Fens­ter, die höhn­insch auf uns her­ab­zu­bli­cken schie­nen

      Das ist über­la­den. Die Fens­ter sind klein, sie sind ver­staubt, sie sind sogar völ­lig ver­staubt, und sie schei­nen höh­nisch auf die Prot­ago­nis­ten her­ab­zu­bli­cken. Wenn Fens­ter auf mich her­ab­bli­cken, weiß ich als Leser, dass hier ein meta­pho­ri­scher Gebrauch ver­wen­det wird. Da will ich nicht mit “schei­nen” an die Hand genom­men wer­den. Oder aber das “schei­nen” bezieht sich auf “höh­nisch”, wobei ich nicht ver­stün­de, was das genau hei­ßen soll­te.

      Ich glau­be, ein guter Lek­tor hät­te sowas zusam­men­ge­stri­chen, hät­te gemeint Ent­we­der lus­tig und sku­ril (dann tra­shi­ger) oder span­nend und sku­ril (dann mehr Raum für Figu­ren­zeich­nung), aber nicht alles auf ein­mal. Das hät­te dem Buch gut getan.

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